FAHRDIENST: Der rettende Dickhäuter

Seit Anfang Monat kümmert sich der Fahrservice «Blauer Elephant» aus Wängi um Lenker in fahruntüchtigem Zustand. Das Unternehmen macht dabei das Besitzerfahrzeug zum Taxi. Geschäftsführer Marc Luptak hegt grosse Ambitionen.

Marco Zala
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Marc Luptak Gründer und Geschäftsführer «Blauer Elephant» (Bild: Marco Zala)

Marc Luptak Gründer und Geschäftsführer «Blauer Elephant» (Bild: Marco Zala)

WÄNGI. Alkohol und Autofahren lassen sich bekanntlich schlecht vereinen. Allein im Jahr 2015 gab es laut Bundesamt für Strassen knapp 87 500 Führerausweisentzüge. Marc Luptak, ein Taxi- und Bus-Unternehmer aus Wängi, möchte dem entgegenwirken: Wenn betrunkene Autofahrer rosa Elefanten sehen, können sie fortan den «Blauen Elephanten» anrufen. Der neu gegründete Heimfahrdienst bringt seit dem 1. Mai Lenker in fahruntüchtigem Zustand sicher nach Hause – seien sie betrunken oder unter Einfluss anderer Drogen.

Per Telefon und künftig auch per Smartphone-App kann der Kunde seinen aktuellen Standort übermitteln. Anschliessend lenkt ein Mitarbeiter das Fahrzeug des Kunden mit Insassen zum gewünschten Zielort. Ein zweiter Fahrer des «Blauen Elephanten» holt seinen Kollegen dann ab und fährt diesen zur Zentrale zurück. Dies das ganze Jahr und rund um die Uhr.

Die Idee kam bei der Fasnacht

Initiator ist Marc Luptak. Im November des letzten Jahres hat der 54-Jährige bereits das «Wängi Taxi» gegründet, das aktuell sechs Fahrer beschäftigt. Ausserdem ist er Mitinhaber des Busunternehmens «EU Bus GmbH».

Während der letzten Fasnacht habe er sich spontan gefragt, warum es in der Schweiz keinen ganzjährigen Heimfahrdienst für alkoholisierte Autofahrer gibt. «Ein Taxi ist immer günstiger als ein Fahrausweisentzug oder ein Unfall», sagt Luptak. Die Anzahl Billettentzüge in der Schweiz sei «unterirdisch». Entscheidet sich ein Kunde für ein Abonnement, sinkt der Preis pro Fahrt erheblich. Kostet eine Einzelfahrt 30 Franken, so zahlt man für ein 10er-Abo 200 Franken. Bei Strecken über 20 Kilometer gibt es einen Aufpreis von zwei Franken pro Kilometer. Das Geschäftsprinzip erinnert an die schweizweit tätige Stiftung «Nez Rouge», bei welcher freiwillige Fahrer die gleiche Dienstleistung kostenlos erbringen. «<Nez Rouge> ist nur ein Monat pro Jahr im Dezember aktiv», sagt Luptak. Sein Unternehmen sei demnach nicht Konkurrenz, sondern vielmehr eine Ergänzung. Zudem gebe es bei «Nez Rouge» öfters Wartezeiten von bis zu einer Stunde.

Grosse Ambitionen

Luptak sieht grosses Potenzial in seiner Idee. Momentan steht der Betrieb noch in den Startlöchern. Bis der «Blaue Elephant» passende Firmenautos angeschafft hat, werden die Fahrten mit den Fahrzeugen der «EU Bus Gmbh» ausgeführt. In der ersten Woche seien bereits vier Kunden sicher nach Hause chauffiert worden.

«Ich möchte in der gesamten Schweiz expandieren», so Luptak. Das langfristige Ziel sei ein flächendeckendes Netz aus Fahrern, die den Dienst von zu Hause aus im privaten Fahrzeug ausführen. Ein Taxiunternehmen aus Herisau habe sich bereits angeschlossen. Der «Blaue Elephant» muss sich jedoch vorerst um Sponsoren bemühen. Sobald die nötige Grösse erreicht ist, will Luptak die Einzelfirma in eine GmbH umwandeln.

Der Heimfahrservice «Blauer Elephant» will künftig durch vermindertes Fahrvermögen ausgelöste Verkehrsunfälle verhindern. (Bild: pd)

Der Heimfahrservice «Blauer Elephant» will künftig durch vermindertes Fahrvermögen ausgelöste Verkehrsunfälle verhindern. (Bild: pd)