Fabrikhalle voll Musik und Tenöre

Die Brass Band Hörhausen hat mit den vier Schweizer Tenören «I Quattro» vor 750 Besuchern ein begeisterndes Konzert in der Bernina-Fabrikhalle hingelegt. Die streikende Technik sorgt für einen zusätzlichen Showeffekt.

Margrith Pfister-Kübler
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Ungewöhnliche Kombination: Die vier Tenöre von «I Quattro» traten in der Bernina-Fabrikhalle mit der Brass Band Hörhausen auf. (Bild: Donato Caspari)

Ungewöhnliche Kombination: Die vier Tenöre von «I Quattro» traten in der Bernina-Fabrikhalle mit der Brass Band Hörhausen auf. (Bild: Donato Caspari)

STECKBORN. 750 Besucher strömen am Sonntagabend in die Fabrikhalle der Bernina, um das Herbstkonzert der Brass Band Hörhausen mit den Tenören «I Quattro» zu erleben. Eine Welt voller Fabrikduft, bestuhlt mit Stühlen vom Zirkus Stey. «Schön, der Zirkus ist auch da», werden Irene und Rolf Stey beim Eingang von Brass-Band-Getreuen begrüsst. Klar doch, in Hörhausen hält man zusammen, und Steys wohnen in Hörhausen. Ein Ausbund an Ideen, Tatkraft und Unterstützung steht auch diesmal hinter dem Herbstkonzert, das erstmals in einer Fabrikhalle zur Aufführung gelangt.

Schon der Einzug der Brassband wird von Applaus begleitet. Extra-Applaus gibt es für den künstlerischen Leiter dieses Musikprojekts, Dirigent Roger Wellauer. «Nein, die Tenöre treten erst nach dem fünften Musikstück auf», wird die Frage nach den vier Tenören «I Quattro» – Damian Meier, Simon Jäger, Matthias Aeberhard und Roger Widmer – beantwortet.

Cornett-Talent als Solist

Applaus gibt es für «Tower Music», Melodien aus der «West-Side-Story», «Napoli» bis zur «Rock Music». Als Solist brilliert im Stück «Napoli» der 15jährige Cornett-Spieler Jan Kressebuch, der beim Schweizer Jugendmusikpreiswettbewerb auf Platz eins und bei der Junioren-Liberty-Brassband europaweit auf Platz drei steht. «Als Viertklässler hat Jan Kressebuch bei mir in der Schule auf einer Bernina-Nähmaschine nähen gelernt», erzählt Moderatorin Karin Eugster.

Dann startet die raffinierte Verknüpfung der Brass Band Hörhausen mit den vier Tenören. Tosender Applaus für die Tenöre und die «Ausnahme-Dorfmusik», als die Töne in der Fabrikhalle aufsteigen. Die Tenöre, drei mit Krawatten, einer mit roter Fliege, erheben ihre schönen Stimmen zu «Là-haut sur la montagne...», drehen die Mikrophone nach verschiedenen Seiten, komödiantisches Achselzucken. Was tun?

Auch die Technik hat ihren grossen Auftritt. Sie fällt zwischendurch aus. «Bei den Proben hat alles funktioniert», wird bestätigt. Mit Lächeln und Weitersingen balancieren die Tenöre aus. The show must go on. Das Publikum will ja primär unterhalten werden, will reale Gefühle spüren. Alles wird geboten, magische Musik, magischer Gesang und das Populäre, das die Ohren kitzelt. Die Tenöre nutzen die Technikpanne für Werbung für ihre CDs sowie Konzerthinweise. Spontanität und Professionalität ohne Grenzen. Klassischer Gesang mit Schweizer Volksliedern. Sie singen Stücke aus dem neuesten Album «Eternita». Leichtfüssig zu Herzen hüpfend singen sie vom «schönste Abestärn», Dirigent Roger Wellauer hält seine Band im Zaum, damit die Tenöre nicht übertönt werden. Italienische Songs «ha bisogno di amor», dann die Hymne an den Lauenersee (mit Musikbegleitung ab Band) und «Vo Lozärn gege Wäggis zue» wird zu «Vo Luzern gege Steckborn zue».

Der Anfang wird wiederholt

Beim Schlaflied «La sera» lässt die Brassband musikalisch die Berge anrücken, und als die Tenöre loslegen, wäre auch ein Tiefschlafender aufgewacht vor Freude. Ausbalancierte Emotion und Begeisterung durchströmt die Fabrikhalle. Das Publikum ist ergriffen. Es gibt richtige Begeisterungswellen. Und das bringt Zugaben: und nochmals das Anfangsprogramm, dank Technikpanne, wiederholt mit Lautsprechern: «La haut sur la montagne...» Standing Ovations. Minutenlang. Danach drängelt beim Ausgang das Publikum beim Autogrammsammeln und CD-Kauf.