EXOT: Tabak mag es feucht

Andreas Schum ist einer von sechs Tabakbauern im Thurgau. Das Geschäft mit den Blättern ist lukrativ. Der Anbau lohnt sich aber nur auf einer kleinen Fläche, denn er macht viel Arbeit und wird streng kontrolliert.

Martin Rechsteiner
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Im Mai setzt Andreas Schum die Tabaksetzlinge in den Boden. Danach wachsen sie schnell. Ab Juli wird geerntet. (Bild: Donato Caspari)

Im Mai setzt Andreas Schum die Tabaksetzlinge in den Boden. Danach wachsen sie schnell. Ab Juli wird geerntet. (Bild: Donato Caspari)

Martin Rechsteiner

martin.rechsteiner@ thurgauerzeitung.ch

Andreas Schum ist Nichtraucher. Das betont er mehrere Male. «Natürlich haben wir in jungen Jahren Zigaretten ausprobiert», sagt er mit einem Grinsen. Verfallen sei er den Glimmstängeln jedoch nie. Dabei sitzt er an der Quelle: Schum baut zusammen mit seiner Frau Monika in Willisdorf nahe Diessenhofen Tabak an. Er ist einer von sechs Produzenten im Kanton. Das Gros der schweizerischen Produktion befindet sich in der Westschweiz. «Hier im Thurgau stimmt das Klima für Tabakpflanzen im Grossen und Ganzen, es dürfte aber etwas mehr regnen», sagt Schum und blickt hoch zum Himmel. Das Gewächs, das ursprünglich aus tropischen Gebieten stamme, brauche viel Feuchtigkeit.

Aufwendige Ernte

Der Anbau der nikotinhaltigen Pflanze bringt hierzulande gutes Geld. «Gemessen an der Anbaufläche ist Tabak sehr einträglich», sagt Schum, der den Hof samt der zweieinhalb Hektaren grossen Plantage vor knapp 20 Jahren von seinen Eltern übernommen hat. «Er ist aber sehr arbeitsintensiv, vergleichbar mit dem Rebbau», sagt der 44-Jährige. Die Pflanze wird langsam von unten her reif. Ihre Blätter müssen in mehreren Durchgängen geerntet werden. «Bei jedem Strauch nehmen wir drei- bis viermal Blätter ab. Zuerst die unteren, dann in der Mitte und schliesslich vom oberen Teil. Die Erntezeit erstreckt sich von Mitte Juli bis September. In der Zeit sind Monika und Andreas Schum auf Hilfe angewiesen. «Für die Tabakernte engagieren wir jeden Sommer drei bis vier Helfer.» Plus Unterstützung aus der Verwandtschaft.

Anschliessend werden die Blätter getrocknet. Stammen sie von der Sorte «Virgin», wandern sie in einen der beiden Trocknungsöfen, die Schums auf ihrem Hof betreiben. «Acht bis zehn Tage bleiben die Blätter im Ofen, der sich über die Zeit langsam auf 75 Grad erwärmt.

Die Blätter der Sorte Burley, der zweiten Tabakart, die Schum auf seinem Hof anbaut, werden aufgehängt und luftgetrocknet. Das verlangt die Erfahrung des Experten. Die Farbe der Blätter, der Geruch und die Luftfeuchtigkeit verraten, ob die Blätter richtig trocknen. «Vier- bis fünfmal pro Tag gehe ich in die Scheune und schaue nach dem Rechten», sagt Schum. Je nach Bedarf öffnet oder schliesst er die Fensterläden, damit die feuchte Luft im Raum bleibt oder entweicht. «Trocknen die Blätter zu stark aus, sinkt ihre Qualität. Sind sie zu feucht, verrotten sie. Drei Monate hängt der Tabak in der Scheune.

Bis zu fünf Tonnen Tabak produziert Schum im Jahr, pro Kilo erhält er etwa 15 Franken. Das ergibt Ende Jahr rund 75000 Franken, abzüglich Auslagen beim Anbau. «Da das Ernten und Trocknen von Tabak viel Arbeit macht, schafft ein Bauer nur eine gewisse Menge», sagt Schum. «Sonst wird der Aufwand zu gross.»

Nur ein Abnehmer

Der Tabakanbau ist in der Schweiz streng geregelt. Die Oberzolldirektion kontrolliert die Felder regelmässig. Verkaufen kann Schum nur an die Sota, die Einkaufsgenossenschaft für Inlandtabak. «Sie ist die einzige Abnehmerin von Tabakblättern in der Schweiz, bei ihr sind alle ­Tabakbauern registriert.» Die Sota verkauft die Blätter weiter an die Zigarettenhersteller. Diese bereiten den Tabak so auf, dass er geraucht werden kann.

2,6 Prozent des Preises, den der Konsument für ein Päckchen Zigaretten bezahlt, gehen zurück in den Schweizer Tabakanbau - das sei gleich viel wie in die Prävention fliesse, erklärt Schum. Er glaubt, dass dies dazu diene, das Tabak-Know-how im Land zu halten. Ihm ist das recht. Rauchen würde er trotzdem nie.