EVP spricht von intakten Chancen

Bei der EVP treten die beiden Spitzenkandidaten der Nationalratswahlen 2007 nicht mehr an, obwohl dieses Jahr die Aussichten dank anderer Listenverbindungen viel grösser sind, einen Sitz zu holen.

Martin Knoepfel
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Wolfgang Ackerknecht

Wolfgang Ackerknecht

FRAUENFELD. Der Spitzenkandidat und das Schlusslicht auf der Nationalratsliste der EVP Thurgau sind zwei Kantonsräte, der Bankfachmann und Kirchenpfleger Wolfgang Ackerknecht (Frauenfeld) und der Landwirt Fritz Rupp (Tobel). Die übrigen vier Kandidaten auf der EVP-Liste haben keine Mandate auf kantonaler Ebene, wobei der Rechtsanwalt Jürg Schlatter in der Region Kreuzlingen vielseitig engagiert ist, aber als Suppleant im Verwaltungsgericht nicht für den Grossen Rat kandidieren darf. Er nennt wegen seiner Tätigkeit als Verwaltungsrichter die Sozialversicherungen als Gebiet, das ihn politisch besonders interessiert, neben der öffentlichen Verwaltung.

Sparsam mit Vorstössen

Ackerknecht, der wohl auch am Wahlabend oben auf der Nationalratsliste der EVP stehen dürfte, rutschte 2006 in den Kantonsrat nach, dem er seither angehört. Rupp arbeitet seit 2008 im Kantonsparlament mit.

Beide zählen nicht zu den Kantonsräten, die die Verwaltung mit vielen Vorstössen auf Trab zu halten pflegen. In seinen bisher vier Vorstössen widmete sich Ackerknecht gesellschaftspolitischen Fragen, etwa dem Schutz der Jugend vor Pornographie oder Verschuldung. Hingegen fehlen persönliche Vorstösse auf dem Feld der Finanzpolitik, die Ackerknecht auf der Homepage unter seinen politischen Schwerpunkten nennt.

Rupps bisher einziger persönlicher Vorstoss betraf die Verkehrssicherheit. Als Schwerpunkte nennt er unter anderem Landwirtschaft, Raumplanung und Umweltschutz.

Der zweitplazierte Kandidat, Martin Aebersold aus Felben-Wellhausen, ist Berufsschullehrer und engagiert sich seit Jahren in der Schule. Er belegte bei den Nationalratswahlen 2007 den dritten Platz auf der Liste. Das Bildungswesen zählt er denn auch neben den Familien zu seinen politischen Schwerpunkten.

Nicht mit 66 neu anfangen

Auf den Plätzen drei und fünf der EVP-Liste kandidieren zwei Frauen. Beide nennen unter anderem christliche Werte als Schwerpunkte. Es sind die Primarlehrerin und Katechetin Doris Günter-Bolliger aus Winden, die auch Mitglied im Zentralvorstand der EVP Schweiz ist, und die Journalistin und Familienfrau Esther Koch-Angehrn aus Bischofszell. Aebersold, Schlatter und Günter-Bolliger gehören der kantonalen Parteileitung an.

Vor vier Jahren hatte die EVP mit der CVP und der EDU zusammengespannt, wobei die beiden E-Parteien nicht mehr als Stimmenlieferanten für die CVP waren. Die Listengruppe holte ein Mandat. Jetzt sieht die Lage dank der Vierer-Listenverbindung mit BDP, EDU und GLP anders aus. Die Partei rechne sich intakte Chancen aus, im Rennen um einen Sitz in Bern erfolgreich zu sein, heisst es auf der Homepage.

Weshalb treten die Spitzenkandidaten von 2007, Kantonalpräsidentin Regula Streckeisen und Kantonsrat Urs-Peter Beerli, nicht mehr an? Streckeisen sagte der TZ, sie persönlich fände es nicht mehr richtig, mit 66 Jahren als Nationalrätin anzufangen. Man solle den Nationalrat verjüngen. Zudem habe die EVP gute jüngere Kandidaten auf ihrer Liste und auf der der JEVP. Beerli könne das Mandat nicht mit seiner gut laufenden Arztpraxis vereinbaren.

Hoffnung auf weniger Verluste

2007 hatte die EVP 2,8 Prozent der Stimmen geholt, wobei ihre Wähler die undiszipliniertesten respektive panaschierfreudigsten im ganzen Kanton waren. Das sei wohl schon 2003 so gewesen, vermutet Streckeisen und mit der faktischen Chancenlosigkeit der EVP zu erklären. Sie sei zuversichtlich, dass die EVP diesmal weniger Stimmen durch Panaschieren verlieren werde, da nun ein Nationalratssitz winke.

Martin Aebersold

Martin Aebersold

Doris Günter-Bolliger

Doris Günter-Bolliger

Jürg Schlatter

Jürg Schlatter

Esther Koch-Angehrn

Esther Koch-Angehrn

Fritz Rupp

Fritz Rupp

Bild: MARTIN KNOEPFEL

Bild: MARTIN KNOEPFEL

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