Event-Poeten gibt es genug

Die Finanzlage des Kantons ist schon so prekär, dass der Grosse Rat sich selber das Sitzungsgeld kürzt. Er gibt dem Steuerzahler 1 Prozent Rabatt. Einzig die Grüne Marion Theler wehrt sich dagegen, eine Discount-Parlamentarierin zu sein. Sie sei ihr Geld wert, findet sie. Das zeugt von Haltung.

David Angst
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Die Finanzlage des Kantons ist schon so prekär, dass der Grosse Rat sich selber das Sitzungsgeld kürzt. Er gibt dem Steuerzahler 1 Prozent Rabatt. Einzig die Grüne Marion Theler wehrt sich dagegen, eine Discount-Parlamentarierin zu sein. Sie sei ihr Geld wert, findet sie. Das zeugt von Haltung. Es kann ja nicht das Ziel sein, dass vor der nächsten Grossratswahl eine Partei mit dem Slogan «Lidl lohnt sich» Wahlkampf betreibt.

Bei den Schülern jedoch gilt: Je günstiger, desto besser. Die Sekundarschüler von Affeltrangen sind die günstigsten im Kanton. Das kommt daher, dass sie so viel Wissen und Intelligenz von zu Hause mitbringen, dass sie schon beim Eintritt in die Oberstufe fast klüger sind als die Lehrer. So kann sich die Gemeinde mehr oder weniger auf den Unterhalt der Gebäude beschränken. Mancher Lehrer hat bereits in die Politik gewechselt, weil er diese Demütigung nicht mehr ertrug.

Die teuersten Thurgauer Primarschüler sind übrigens jene in Salenstein – möglicherweise sind da die Absolventen des Arenenbergs mitgerechnet worden. Diese lernen dort unter anderem, dass man die Stromversorgung der Güllenpumpe nicht an eine Panzerhaubitzen-Batterie anhängen kann – auch wenn solche Batterien dieser Tage wieder über die Bauerndörfer verteilt werden.

In der Primarschulgemeinde Romanshorn ist der Präsident gerade daran, sich selber abzuschaffen. Nachdem er erfolglos versucht hat, sein Sekretariat mit der Oberstufe zu fusionieren, wird er wohl bald den Schulgemeindeversammlungen fernbleiben und nur noch ein Tonband hinschicken, auf dem er z. B. die Rechnung erklärt. Ob das Volk das goutiert, ist fraglich. Vielleicht wollen die Leute einfach einmal im Jahr etwas unterhalten werden. Jetzt erst recht, wo der Event-Poet Christoph Sutter um keinen Preis in den Gemeinderat will, sondern seinen Namensvetter vorschiebt, der ein kleines t weniger im Namen hat, aber von Beruf Schadenexperte ist.

Nun gut, im Romanshorner Gemeinderat mangelt es ja wirklich nicht an Event-Poeten. Einen Schadenexperten hingegen könnten die dort ganz gut gebrauchen, wenn man bedenkt, was die in den letzten Jahren alles angerichtet haben.

david.angst@thurgauerzeitung.ch