Eutoritär und anti

Murgspritzer

Mathias Frei
Drucken
Teilen

Der Wärmering ist gerettet. Wenden wir uns neuen Herausforderungen zu. Zum Beispiel: Grenzwertberechnungen in der Milchwirtschaft. Wie man seit Montagabend aus der SRF-Sendung «Eco» weiss, gibt es dafür einen kompetenten Experten aus Frauenfeld. Er heisst An­dreas Elliker, seines Zeichens Landwirt und SVP-Gemeinderat, der sich rhetorisch immer wieder gerne und träf aus seinem agrarischen Erfahrungsschatz bedient. Elliker ist ein schlauer Landwirt. Denn er weiss, wie es um seine Kühe bestellt sein muss, dass sie bei möglichst kleinem finanziellem Aufwand am meisten Milch geben. Das ist eine Grenzwertberechnung. Das Geheimnis, wie es im Fernsehbeitrag heisst: ein genügsames Tier heranzuzüchten statt einer Hochleistungskuh. Hinfort mit der Leistungsgesellschaft! Und Emotionen müssen natürlich auch sein. Elliker erklärt, er wolle eine Kuh dreimal im Jahr spüren. Der Beginn der neuen «Gspürsch mi»-Landwirtschaft. Antiautoritäre Tierhaltung.

Wenn wir schon so eine Euter-Koryphäe in unseren Reihen wissen, sollten wir natürlich auch von deren Erfahrungen zehren. Auftrag an den Stadtrat: Experte Elliker in die nächste Stadtratssitzung einladen. Thema: Wie muss es der Stadt gehen, dass sie mit möglichst wenig Futter möglichst viel Milch gibt? Am besten werden die städtischen Angestellten nur noch dann gemolken, wenn sie wollen. Denn Elliker weiss, dass erstens nur glückliche Kühe produktive Kühe sind. Zweitens: Zu pralle Euter sind ungesund. Und drittens: Zärtlichkeiten dreimal im Jahr dürfen nicht fehlen.

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch