EUGENSBERG: Familie Erb muss Koffer packen

Das Bundesgericht hat die Beschwerde von Partnerin Daniela Sheridan abgewiesen. Bis zum 1. Mai muss der Pleitier aus Winterthur das Schloss in Salenstein definitiv räumen.

Ida Sandl
Drucken
Teilen
Das kunstvolle Tor vor dem Schloss Eugensberg. Die Zeit der Erb- Familie geht hier bald zu Ende. (Bild: Reto Martin)

Das kunstvolle Tor vor dem Schloss Eugensberg. Die Zeit der Erb- Familie geht hier bald zu Ende. (Bild: Reto Martin)

Ida Sandl

ida.sandl@thurgauerzeitung.ch

Die Geduld ist erschöpft und es gibt kein Rechtsmittel mehr. Am 1. Mai muss Rolf Erb mit seiner Partnerin und den Zwillingen Schloss Eugensberg räumen. «Es gibt keine Möglichkeit mehr, mit der Erb den Auszug nochmals verzögern könnte», sagt Martin Wenk, Chef des Thurgauer Konkursamtes. Sollte sich die Familie Erb widersetzen, würde sie notfalls sogar die Polizei aus ihrem Heim und Schloss holen.

Rechtsanwalt Matthias Hotz geht davon aus, dass dies nicht nötig sein wird. Er vertritt seit 13 Jahren die Gläubiger im wohl spektakulärsten Konkursfall der Schweiz. Der 9. Februar war für ihn und seine Mandanten ein Freudentag. Da hat das Bundesgericht die Beschwerde von Erbs Partnerin Daniela Sheridan und den Zwillingen gegen den Auszug abgewiesen.

Drei Monate konnte die Familie so den Termin hinauszögern. Rolf Erb selber, der unermüdliche Rekurrent, ist in diesem Fall nicht bis vor Bun­desgericht gezogen.

Für das Konkursamt geht die Arbeit jetzt erst richtig los: Es hat einen Makler mit dem Verkauf des Schlosses beauftragt. Kein Thurgauer sei es, aber ein Schweizer mit internationalem Netzwerk. Obwohl es schon mehr als zwei Dutzend Interessenten gibt, dürfte der Verkauf des Schlosses aufwendig werden. Wenk rechnet nicht, dass es dieses Jahr über die Bühne geht. Denn zum Schloss gehört neben einem Badehaus in Berlingen auch ein Gutsbetrieb mit etwa 80 Hektaren Landwirtschaftsland, das dem bäuerlichen Bodenrecht untersteht. Das heisst, der Käufer muss bestimmte Bedingungen erfüllen. Die Einrichtung soll erst veräussert werden, nachdem der künftige Schlossherr entschieden hat, was er behalten möchte.

Auktion geplant für die teuren Autos

Die Oldtimersammlung soll einem Auktionator übergeben werden. Die zwölf Autos – darunter ein Mercedes 300 SL, Baujahr 1958 – könnten noch dieses Jahr neue Besitzer finden. Die Villa Wolfensberg in Winterthur hat das Konkursamt ebenfalls einem Makler übergeben.

Kompliziert dürfte auch der Verkauf der Schlosshof Immobilien AG werden. Zur Immobiliengesellschaft gehört das Zentrum Töss in Winterthur, in dem unter anderem die Migros und ein Hotel untergebracht sind. Noch ist offen, ob die Gesellschaft als Ganzes oder einzelne Objekte wie das Zentrum Töss separat verkauft werden sollen. Für beides gebe es Interessenten. Mit den potenziellen Gesamtkäufern seien die Verhandlungen bereits angelaufen.

Was bleibt aus dem Konkurs für die Gläubiger? «Vorsichtig geschätzt einige Dutzend Millionen Franken», sagt Wenk. Bis jetzt habe man schon mehrere Millionen Franken erzielt. Das sind gute Nachrichten für die Gläubiger, die sich so lange gedulden mussten. Zu ihnen gehören etwa die Städte Zürich und Winterthur, bei denen noch Steuerschulden ausstehen. Dazu kommen einige Gesellschaften und auch Banken, bei denen Erb in der Kreide steht.

Im direkten Kontakt war Erb respektvoll

Der jetzige Erfolg sei auch ein Verdienst der Gläubiger, sagt Rechtsanwalt Hotz. «Wir konnten immer geschlossen auftreten, weil alle an einem Strick gezogen haben.» Hotz hatte mehrfach mit Rolf Erb zu tun. Auch wenn vor Gericht mit harten Bandagen gekämpft worden sei: «Der direkte Kontakt war stets anständig und respektvoll.»