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Etwas Wärme fürs Herz

Thursicht
Maya Mussilier

Es ist kalt. Sehr kalt. Ein eisiger Wind pfeift den Wartenden am Perron um die Ohren. Wie sie habe ich die Schultern hoch- und den Kopf eingezogen. Einen Schal bis über die Nase gezogen, sitze ich auf der Bank am Bahnhof und warte auf meine Verbindung. Der Kopf ist leer, die Gedanken scheinen ebenso eingefroren wie Hände und Füsse.

Da erblicke ich sie. Das kleine Mädchen, das eine ältere Frau hinter sich herzieht, schnurstracks auf «meine» Bank zu. Eigentlich freut es mich nicht besonders. Ich habe gerade keine grosse Lust auf Unterhaltung. Doch das Mädchen gibt der Frau einen kleinen Schubs. «Schau, Oma, hier kannst du gut sitzen.» Ein älterer Herr platziert sich neben der Frau, und das Mädchen quetscht sich dazwischen.

Plötzlich ein Kichern.«Ui, schaut einmal», piepst es zwischen den älteren Leuten hervor. «Meine Hände brennen.» Automatisch wende ich den Kopf und sehe gerade, wie das Mädchen die dicken Handschuhe vor seinen Mund drückt, und schon steigt eine weitere grosse «Rauch»-Wolke daraus auf. Jetzt kann ich mir ein leises Lächeln nicht verkneifen.

Die älteren Leute schmunzeln, schauen sich an, drücken ihre Hände an die Lippen und blasen Wölkchen in die eisige Luft, um gleich darauf zusammen laut zu lachen. Es juckt in meinen Händen. Doch jetzt fährt der Zug gerade ein. Die drei stehen auf, um einzusteigen. Das Mädchen wendet sich noch einmal um und strahlt mich an. Vergessen ist die Kälte, und ein warmes Gefühl schleicht sich in mein Herz.

Maya Mussilier

maya.mussilier@thurgauerzeitung.ch

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