Esel sind keine Dummköpfe

FRAUENFELD. Am Chlausumzug kommenden Sonntag dürfen die Kinder sie streicheln oder am Strick führen. Die Eselin Kora trägt 20 Chlaussäckli auf dem Rücken und zieht mit den Chläusen in Frauenfeld vom Erchingerhof bis zum Sämannsbrunnen.

Luisa Aeberhard
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Willy und Myrta Hablützel halten drei Esel. Das Eselgespann setzt sich aus Gubi, Noah und seiner Mutter Kora (von links) zusammen. (Bild: Luisa Aeberhard)

Willy und Myrta Hablützel halten drei Esel. Das Eselgespann setzt sich aus Gubi, Noah und seiner Mutter Kora (von links) zusammen. (Bild: Luisa Aeberhard)

Sind Esel wirklich stur und dumm, wie schnell einmal gesagt wird, oder ist der Graue mit den langen Ohren eher ein Sanfter? «Unsere drei Esel sind einfühlsame, liebe Tiere und machten noch nie Probleme», antwortet Willy Hablützel. Der Eselhalter trat 1992 der Chlausgesellschaft Frauenfeld bei und hält mit seiner Familie nebst Eseln noch Pferde, Ponies, Ziegen, Gänse und Hühner. So kam es, dass die Chläuse ab 1992 einen Eselhengst auf den Chlausumzug mitnahmen. «Prinz war es gewohnt gewesen, mit zehn <Frauen> zu leben. Wenn das nicht der Fall war, verhielt er sich manchmal aggressiv», sagt er. Prinz habe einmal eine Stute gebissen, aber zu den Kindern sei er immer anständig geblieben.

Noah war ein wollenes Baby

Bis in die späten Neunzigerjahre kam Prinz auf den Chlausmarkt mit und trug 20 Chlaussäckli auf seinem Rücken. Die Eselin Gubi ersetzte Prinz und später löste Kora die mittlerweile betagte Gubi ab. So zieht Kora mit den Chläusen, dem Wagen und den Pferden vom Erchingerhof bis zum Sämannsbrunnen (siehe Kasten). «Als unsere Familie Kora und ihr Junges Noah kauften, war er noch ein wollenes Baby», sagt Hablützel.

Tiere locken Jung und Alt an

Hablützels Eltern hatten, wo heute der Zürcherhof am Talbachkreisel steht, ein Bauernbetrieb. 1962 wurde das Haus abgerissen, die Stallungen und Tiere blieben. 1964 habe sein Vater erstmals einen Esel vom Plättli-Zoo gekauft. «Zwergesel waren dazumal ein Boom.» Später übernahm Hablützel junior die Tierhaltung.

«Solange es noch geht, möchten wir für die Tiere schauen.» Es ist schön, dass vor den Tiergehegen ein Bänkli angebracht wurde, denn die Tiere würden Jung und Alt anlocken, sagt Ehefrau Myrta Hablützel.

«Der Weihnachtsmann kommt in vielen Ländern mit dem Rentier und bringt den Kindern die Chlaussäckli auf Kufen», sagt sie. Bei uns ist es der Samichlaus, der den Kindern mit Esel und Säckli eine Freude bereitet. Die Kinder sollen den Esel streicheln oder gar führen können. Klar habe er als Samichlaus dabei eine grosse Verantwortung, sagt Hablützel.

Mit 66 Jahren lässt das Gehör langsam nach, darum gehe er in etwa zwei bis drei Jahren in Samichlaus-Ruhestand. «Einen neuen Eselführer für den Chlausumzug lässt sich schon finden.»