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ESCORT-SERVICE: Kreuzlinger Freier beraubt

Zwei Jahre bedingt und 120 Stunden gemeinnützige Arbeit – das Landgericht Konstanz hat am Freitag eine 44-Jährige wegen schweren Raubes und versuchter gefährlicher Körperverletzung verurteilt.
Eva Maria Vaassen, Konstanz
Prostitution (Bild: PATRICK SEEGER/Symbolbild)

Prostitution (Bild: PATRICK SEEGER/Symbolbild)

Auf einem Schweizer Internetportal hatte die 44-jährige Angeklagte in sehr vulgären Worten sexuelle Dienste als «private Frau um die 40» angeboten. Ein 54-jähriger Kreuzlinger fühlte sich angesprochen und verabredete sich mit der Dame im Juli 2016 in Kreuzlingen. Nach einem gemeinsamen Abendessen in einem Lokal lud er die schlanke, dunkelhaarige Frau in seine Wohnung ein. Dort wurde geraucht und getrunken. Nachdem die Frau sich im Gästezimmer schlafen gelegt hatte, kam es zu sexuellen Annäherungsversuchen des 54-Jährigen, die aber abgebrochen wurden.

Als er am nächsten Morgen unter der Dusche stand, fand er sich plötzlich in seinem fensterlosen Badezimmer eingeschlossen. Er habe noch gehört, wie die Tür ins Schloss fiel, berichtet er vor Gericht. Auf seine lauten Hilfeschreie morgens gegen sieben Uhr verständigten Nachbarn des Mehrfamilienhauses die Polizei.

Ein Schlüsseldienst musste die verschlossene Wohnungstür öffnen, wie ein Thurgauer Kantonspolizist berichtet. Die Badezimmertür sei von aussen abgeschlossen gewesen. Entsprechende Spuren hätten gezeigt, dass durch das Schlüsselloch Pfefferspray gesprüht worden war. Den Wohnungsinhaber habe man völlig aufgelöst, erschöpft und verschwitzt im Badezimmer vorgefunden. Sein Wohnungsschlüssel, an dem auch der Autoschlüssel hing, sei unauffindbar gewesen. Schliesslich habe man feststellen müssen, dass nicht nur die Frau, sondern auch der teure Audi des 54-Jährigen und sein Handy verschwunden gewesen seien. Den Wagen der Frau fand man in einer Nebenstrasse.

Beim Treffen sei es nicht um Sex gegangen

Die 44-Jährige hatte beim Prozess richtiggestellt, dass sie keine Prostituierte sei. Den Wortlaut ihres Angebots im Internet habe ein Bekannter formuliert. Sie habe ihn gar nicht gelesen. Für sie sei es bei dem Treffen in Kreuzlingen überhaupt nicht um Sex gegangen. Vielmehr habe sie ihr Angebot als Escort-Service verstanden. Dafür habe sie 800 Schweizer Franken erwartet.

Es sei nie über Geld geredet worden

Das Kreuzlinger Opfer behauptet vor Gericht, es sei gar nicht über Geld geredet worden. Auch die Behauptung der 44-Jährigen, er habe mehrfach gegen ihren Willen Sex mit ihr gehabt, wies er zurück. Es habe sich lediglich um intime Annäherungsversuche gehandelt. Später räumte die Frau ein, sich an das Zusammentreffen nur vage erinnern zu können, da sie nach diversen Kopfverletzungen unter Bewusstseinsstörungen leide: «Ich kann mich auch nicht daran erinnern, den Mann überhaupt eingeschlossen zu haben», sagt sie.

Als sie am nächsten Morgen Geld von ihm verlangt habe, habe er sich geweigert zu bezahlen und sie am Arm gepackt, behauptet sie. Aus Panik habe sie dann Pfefferspray eingesetzt, und er sei ins Bad geflohen. Das Auto habe sie als Pfand mitgenommen. «Das war unüberlegt», meint sie nun. Als das Gericht ihr vor der Urteilsberatung noch einmal das Wort ereilt, sagt sie: «Der Mann hat mich so verarscht!» Dann besinnt sie sich, bricht in Tränen aus und schluchzt schliesslich: «Ich habe überreagiert.»

Die Staatsanwältin fordert vier Jahre Haft. Das Gericht, das ihre Schuld ebenfalls für erwiesen hielt, war von einem minder schweren Fall ausgegangen und berücksichtigte bei der Strafzumessung auch eine «problematische Persönlichkeitsstruktur» der Frau und ihre dilettantische Vorgehensweise. Das Landgericht Konstanz verurteilt die 44-jährige Täterin aus dem Schwarzwald wegen schweren Raubes in Tateinheit mit versuchter gefährlicher Körperverletzung zu zwei Jahren bedingter Haft. Als Auflage muss sie 120 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.

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