ESCHLIKON: Die Kandidaten zeigen Profil

Am kommenden Sonntag treten Tanja Bosshard und Linus Köppel zur Wahl ins Schulpräsidium an. Über die beiden sei wenig bekannt, beklagt sich alt Kantonsrätin Marlies Mettler in einem Leserbrief.

Olaf Kühne
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Tanja Bosshard, Kandidatin Schulpräsidium

Tanja Bosshard, Kandidatin Schulpräsidium

Olaf Kühne

olaf.kuehne@thurgauerzeitung.ch

Marlies Mettler ist unzufrieden. Am kommenden Sonntag soll die Eschliker alt Kantonsrätin – zusammen mit Tausenden weiteren Stimmberechtigten – die Nachfolge der langjährigen Schulpräsidentin Susanna Koller bestimmen. Mit Tanja Bosshard und Linus Köppel hat Marlies Mettler dabei die Wahl zwischen zwei durchaus valablen Kandidaten. Das Problem nur: Mettler kann sich nicht entscheiden. In einem Leserbrief in der Lokalzeitung «Regi Die Neue» verschafft die ehemalige CVP-Kantonsrätin ihrem Unmut Luft. Darin stellt sie den beiden Kandidaten eine ganze Reihe konkreter Fragen zur Aktualität in der Eschliker Schulpolitik. Nur finde sie weder Inserate noch Flugblätter der beiden, so Mettler weiter, die ihre Fragen beantworteten. Auch die Berichterstattung über das einzige Wahlpodium sei diesbezüglich wenig ergiebig gewesen.

Die Schulgemeinde ist die bessere Bauherrin

Das wohl bedeutendste Projekt, das Eschlikon derzeit umtreibt, ist die neue Sporthalle. Hierzu fragt Marlies Mettler: «Soll die Schulgemeinde oder die Politische Gemeinde diese bauen?» Einig sind sich Tanja Bosshard und Linus Köppel darin, dass die Schulgemeinde als Bauherrin fungieren soll, da sie über die grössere Kompetenz in Bauprojekten verfügt. Betreffend Finanzierung des Vorhabens fordert Bosshard eine je hälftige Beteiligung beider Gemeinden, da der Bau künftig den Bedürfnissen der Schule genau so gerecht wird wie denjenigen der Vereine, die «unserer Jugend sinnvolle Freizeitbeschäftigungen anbieten». Eine Kostenteilung sei tatsächlich fair, sagt auch Köppel – aber: «Steuerpolitisch macht es jedoch mehr Sinn, dass die Schule den Löwenanteil der Halle finanziert.»

Linus Köppel, Kandidat Schulpräsidium

Linus Köppel, Kandidat Schulpräsidium

Wieso er das so sieht, erläutert Köppel in seiner Antwort auf Mettlers Frage, ob Eschlikon analog zur Nachbarin Sirnach eine Einheitsgemeinde bilden soll. «Grundsätzlich meine ich, dass Eschlikon mit der aktuellen Steuerpolitik einer im kantonalen Vergleich teuer gestalteten Schule und einer günstig gehaltenen Gemeinde gut gefahren ist», sagt er. «Die teure Schule bescherte Gelder aus dem Finanzausgleich. In einer Einheitsgemeinde wie in Sirnach funktioniert dies nicht mehr.» Die Fusionsfrage sei aber verfrüht gestellt, nicht zuletzt weil «aufgrund der grossen Belastung der Lehrerschaft mit der Umsetzung des neuen Lehrplans Volksschule Thurgau sowie insbesondere der Schulbehörde mit den umfangreichen Bauprojekten kaum Ressourcen bestehen, um dieses Thema anzugehen.» Alle drei Optionen – keine Fusion, Fusion mit anderen Schulgemeinden oder Fusion mit der politischen Gemeinde – müsse man dennoch genau analysieren.

Tanja Bosshard, Kandidatin Schulpräsidium

Tanja Bosshard, Kandidatin Schulpräsidium

Tanja Bosshard will das Thema zügiger angehen. «Ich stelle aufgrund vieler persönlicher Gespräche während des Wahlkampfes fest, dass diese Frage grosse Teile der Bevölkerung in Eschlikon beschäftigt», sagt sie. Entsprechend würde sie nach ihrer allfälligen Wahl zur Schulpräsidentin die Frage erst innerhalb der Schulbehörde diskutieren und anschliessend das Gespräch mit Gemeindepräsident Hans Mäder suchen. Die durch Köppel ins Spiel gebrachte Option einer Fusion mit anderen Schulgemeinden erachtet sie als «nicht realisierbar», da aus ihrer Sicht bei den Politischen Gemeinden die gleichen Strukturen gelten, ergo diese auch fusionieren müssten.

Das Pensum des Eschliker Schulpräsidiums treibt nicht nur Marlies Mettler um. Die abtretende Amtsinhaberin Susanna Koller ist zu 40 Prozent angestellt. Schon vor Monaten sagte sie aber in unserer Zeitung, dass es eigentlich mindestens 50 Prozent sein müssten. Zur Einarbeitung in alle Dossiers möchte Tanja Bosshard deshalb zu Beginn ihrer Amtszeit auf diesem Level starten. «Ich gehe davon aus, dass das Pensum während der gesamten Amtszeit veränderlich ist, und ich deshalb mit meiner zeitlichen Flexibiliät die ideale Kandidatin bin.» Den höheren Arbeitsaufwand sieht auch Linus Köppel. Sein Angebot an die Wähler lautet indes: «Ich möchte als Neueinsteiger das Amt wie Susanna Koller ebenfalls im 40-Prozent-Pensum bestreiten.»

Neue pädagogische Konzepte gefallen beiden

Die sogenannten Lernlandschaften für Eschliker Oberstufenschüler waren in der Gemeinde einst heftig umstritten. Längst ist es um das Thema zwar ruhig geworden, den erhöhten Platzbedarf haben die Stimmbürger im vergangenen September mit einer Zweidrittelmehrheit für die Erweiterung der Sek Bächelacker an der Urne abgesegnet. Dennoch fragt alt Kantonsrätin Mettler: «Braucht jeder Oberstufenschüler einen eigenen Arbeitsplatz?» Die Frage ist pädagogischer Natur, sagt Linus Köppel. Entsprechend sehe er die Schulleitung hier federführend – aber: «Ich stehe neueren pädagogischen Konzepten wie dem kooperativen Lernen, dem selbstorganisierten Lernen oder der bereits praktizierten Lernlandschaft an der Sekundarschule sehr positiv gegenüber.» Die Lernlandschaft sei eine sinnvolle Massnahme, um den gewachsenen kompetenzorientierten Anforderungen des neuen Lehrplans gerecht zu werden. Offen für Neues zeigt sich auch Tanja Bosshard. «Als Prüfungsexpertin für Lernende musste ich leider feststellen, dass insbesondere die Werte Eigenständigkeit und Anstand in den letzten Jahren auf der Strecke blieben», sagt sie. «Umso mehr freut es mich, dass die neuen pädagogischen Konzepte unter anderem diesen Entwicklungen entgegenwirken.» Schliesslich gelte es, die Schüler optimal auf den Berufsalltag vorzubereiten. «Die Wirtschaft ist auf Lernende angewiesen, die sich gut und selbstständig organisieren können und kundenorientiert kommunizieren.»

Grundsätzlich zufrieden mit den Tagesstrukturen in der Gemeinde sind beide Kandidaten. Tanja Bosshard sieht deshalb keinen weiteren Handlungsbedarf. Die Betreuungsmöglichkeiten im Vorschulalter lobt auch Linus Köppel. Hingegen sagt er: «Ich wünsche mir auch im Schulalter ganztägige und natürlich kostenpflichtige Tagesstrukturen.»

Den Wahlkampf bestreitet Linus Köppel unter anderem mit seiner auf Facebook gestalteten, jedoch öffentlich zugänglichen Seite www.facebook.com/LK4SP, Tanja Bosshard mit ihrer Website www.tanja-bosshard.ch.