ESCHLIKON: Bis zur letzten Patrone

Das Bundesgericht stellt sich hinter die Gemeinde: Eschlikon darf das alte Schützenhaus als Jugendtreff nutzen. Damit geht ein jahrelanger Rechtsstreit mit einem Anwohner zu Ende.

Urs-Peter Inderbitzin
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Das ehemalige Schützenhaus in Eschlikon: Das Bundesgericht gibt grünes Licht für dessen Umnutzung in einen Jugendtreff. (Archivbild: Nana do Carmo)

Das ehemalige Schützenhaus in Eschlikon: Das Bundesgericht gibt grünes Licht für dessen Umnutzung in einen Jugendtreff. (Archivbild: Nana do Carmo)

ESCHLIKON. Nun ist es definitiv: Die Gemeinde Eschlikon darf das stillgelegte Schützenhaus umnutzen und dort einen Jugendtreff einrichten. Das Bundesgericht hat die Beschwerde eines Nachbarn abgewiesen.

Bereits im April 2012 hatte die Gemeinde ein Baugesuch für die Umnutzung des ehemaligen, in der Landwirtschaftszone gelegenen Schützenhauses in einen Jugendtreff eingereicht. Damit sollte das seit Mai 2011 provisorisch als Jugendtreff genutzte Lokal legalisiert werden.

Lärmgutachten eingereicht

Einem Nachbarn war der Jugendtreff jedoch ein Dorn im Auge. Er erreichte nach einem Augenschein mit den Behörden, dass der provisorische Betrieb des Jugendtreffs eingestellt werden musste. Im Jahre 2013 reichte die Gemeinde dem Departement für Bau und Umwelt des Kantons Thurgau ein Lärmgutachten zum Jugendtreff ein. Später im Jahr nahm die Gemeinde auch eine Projektänderung vor, die bauliche Massnahmen zur Schalldämmung sowie ein überarbeitetes Nutzungskonzept beinhaltete. Zudem löste die Gemeinde das Problem mit dem Abwasser.

Erscheinungsbild bleibt gewahrt

Im Juli 2014 war es so weit: Das kantonale Amt für Raumentwicklung stimmte einer Ausnahmebewilligung für den Umbau und die Umnutzung des ehemaligen Schützenhauses zu, und das Departement für Bau und Umwelt erteilte die Baubewilligung. Zwei Beschwerden von Anwohnern wies das Departement ab. Einer der Anwohner gab sich nicht geschlagen und zog den Streit erst vors Thurgauer Verwaltungsgericht und dann ans Bundesgericht. Beide Male ohne Erfolg.

Für die Richter in Lausanne sind die baulichen Massnahmen, nachdem auf die ursprünglich geplante Erstellung eines Sitzplatzes mit Pergola auf der Nordseite des Gebäudes verzichtet wurde, von untergeordneter Bedeutung. Durch die baulichen Eingriffe – Schalldämmung und Verglasung der ehemaligen Öffnung zum Scheibenstand – wird zudem das alte Erscheinungsbild des Schützenhauses gewahrt. Dies nicht zuletzt deshalb, weil vor die Verglasung ein Holzrost angebracht werden soll, der so aussieht wie die Rollläden, mit denen früher die Schiessläger ausserhalb der Schiesszeiten geschlossen wurden.

Zu Fuss oder mit dem Velo

Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers führt der Betrieb des Jugendtreffs – total acht Stunden Betrieb pro Woche, keine Drogen und kein Alkohol – auch nicht zu einer erheblichen Ausdehnung der Lärmemissionen.

Zwar ist verglichen mit dem vormaligen Betrieb des Schützenhauses und der Schützenstube eine gewisse Ausdehnung der Betriebsdauer vorgesehen. Indessen geht auch das Bundesgericht davon aus, dass die Emissions- und Immissionssituation – im Vergleich zum vormaligen Schiessbetrieb mit Lärmemissionen aus dem Schiessen und den zu- und wegfahrenden Personenwagen – erheblich verbessert wird, da die Kinder und Jugendlichen zu Fuss oder mit dem Velo zum Jugendtreff gelangen. Kommt hinzu, dass die Schützen jeweils nach dem eigentlichen Schiessbetrieb regelmässig länger in der Schützenstube zusammengesessen, gemeinsam gegessen und getrunken hätten.

Einsprecher wollte selber feiern

Auch sei der Raum früher für Festlichkeiten vermietet worden. Selbst der Beschwerdeführer, dies geht aus den Akten hervor, wollte vor 15 Jahren seinen 50. Geburtstag im Schützenhaus feiern, was aber nicht möglich war, weil die Feier in die Schiesssaison gefallen wäre.