ESCHENZ: Tête-à-Tête mit Vogt und Mägden

Eine kulinarische Erlebnisreise ins Spätmittelalter bietet das Pop-up-Restaurant Freudentafel bis Mitte Januar auf Schloss Freudenfels. Es gibt Hofhuhn-Keule, Bier vom Fass, Holzgeschirr und Gauklerunterhaltung.

Mathias Frei
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In der Wirtsstube: Schlossherrin Daniela Mettler (Schloss Freudenfels AG) richtet mit den beiden Pop-up-Restaurant-Machern Primo Berera und Simone Emmenegger einen Tisch ein. (Bild: Donato Caspari)

In der Wirtsstube: Schlossherrin Daniela Mettler (Schloss Freudenfels AG) richtet mit den beiden Pop-up-Restaurant-Machern Primo Berera und Simone Emmenegger einen Tisch ein. (Bild: Donato Caspari)

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Die Kerzen leuchten mit LED, und das gusseiserne Besteck ist spülmaschinenfest. Das sind dann aber schon alle Zugeständnisse an die Neuzeit auf Schloss Freudenfels, wo der Vogt – eigentlich eine Vögtin – für die «Freudentafel» zu Tisch bittet. «Freudentafel»: Das ist ein Pop-up-Restaurant. Seit vergangenem Samstag ist das Erlebnisgastronomie-Angebot offen, 16 Abende lang bis 13. Januar. Dann gehen der Stall und die Wirtsstube wieder zu. An den Tafeln der Edelleute werden keine Gäste mehr sitzen – zumindest vorerst.

Der Morgenstern in der Ecke sieht gfürchig aus, an den Wänden hängen Wappenschilder. Wer weiss, ob nicht noch ein Schlossgeist hier rumort und sich jetzt grad in der nächsten Rüstung versteckt. Hinter dieser spät­mittelalterlichen Inszenierung stecken Simone Emmen­egger mit ihrer Gastro-Beratungsfirma Partout und Primo Berera mit seinem Design-Kollektiv Primocollective. Sie haben von der Schloss-Betreiberfirma, der Schloss Freudenfels AG, den Auftrag für diese ­gastronomische Zwischennutzung erhalten.

Mickey Mouse ist hier definitiv kein Thema

Geschäftsführerin der besagten AG ist Daniela Mettler, also gewissermassen die Vögtin von Freudenfels. Die Hauptsaison für Hochzeiten, Firmenseminare und runde Geburtstage im Schloss ist von Frühling bis in den Spätherbst. Und da ward sie, die Idee für die «Freudentafel». Denn es sei klar, dass man in solchen Räumlichkeiten nichts zum ­Thema Mickey Mouse machen müsse, sagt Primo Berera. «Hier muss das Schloss zum Thema werden.»

50 Gäste können pro Abend eine Zeitreise 600 Jahre zurück machen. Und das kommt offenbar an. 7 der 16 verfügbaren Daten sind schon ausgebucht. Die Auslastung liegt schon bei über 60 Prozent. Man kann alleine, zu zweit oder auch in einer grös­seren Gruppe kommen. Eine Reservation ist aber Pflicht. Das Projekt sei auf mehrere Jahre ausgelegt, sagt Simone Emmen­egger. Es wird also im Dezember 2018 eine nächste «Spielzeit» geben. «Unser Aufwand ist riesig.» Ein möglichst hoher Grad an Authentizität sei ihnen wichtig. Das schlage sich in der Recherche ­nieder. Die ganze Ausstattung der Räumlichkeiten stammt von einem professionellen Requisiteur des Schweizer Fernsehens. Alles ist originalgetreu, einige Stücke sind sogar historisch.

Definitiv keine sechs Jahrhunderte alt ist das Essen, es wird frisch in der Gastroküche auf dem Schlossareal zubereitet. Natürlich habe man sich Gedanken gemacht, was kulinarisch authentisch sei, sagt Berera. Dann musste nur noch eine mittelalterliche Menufolge in die Neuzeit übersetzt werden. Das wäre dann zur Begrüssung um 19 Uhr am Tor ein Kräutersud mit oder ohne Güx. Im Stall wird danach ein Gerstenrisotto mit Waldpilzen aufgetischt. In der Wirtsstube folgt ein Gemüseeintopf mit Hauswurst. Schliesslich geht es an die Tafel der Vögtin, wo es nebst Hofhuhn-Keule, Hausschwein-Kotelette und vielem mehr auch Käse, einen süssen Dessert und Hauswein gibt. Bis nachts um halb elf muss man rechnen. Wer über die Bar im Keller die Zeit­reise zurück in die Gegenwart macht, darf auch länger sitzen. Es gibt Hotelzimmer.

www.freudentafel.ch und Telefonnummer 052 742 72 11. Reservation notwendig.