Eschenz spürt den Frühling

«Glaubst Du, dieses Kleid passt noch?», fragt mich meine Frau Turmspatz, und hält sich ein schwarzes Stück Stoff vor die Federn. «Aber sicher», entgegne ich ohne hinzugucken. Dieses Spiel wiederholt sich jeden Frühling.

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«Glaubst Du, dieses Kleid passt noch?», fragt mich meine Frau Turmspatz, und hält sich ein schwarzes Stück Stoff vor die Federn. «Aber sicher», entgegne ich ohne hinzugucken. Dieses Spiel wiederholt sich jeden Frühling. Während wir Männer einen neuen Rasenmäher, ein Motorrad oder Mountainbike brauchen, weil unser Lebensgefühl im Frühling Flügel bekommt, putzen sich unsere Frauen heraus und behaupten, die Kleider, die ihnen im letzten Jahr so gut standen, müssten unbedingt ersetzt und mit neuen Schuhen ergänzt werden. Ausserdem wurde im letzten Winter zu- oder abgenommen, so dass sich die Grösse ihrer Kleider verändert hatte.

Ich staune, als meine Frau wenig später mit einem tadellos sitzenden, schwarzen Kleid neben mir steht. «Fliegen wir? Die Eschenzer Frühlingsausstellung wartet.» Normalerweise bin ich auf der Hut, solche Ausflüge können teuer werden. Da aber vor allem Autos, Zweiräder und Gartenutensilien ausgestellt werden, willige ich gerne ein.

Die Eschenzer sind sonst eher für ihre Baustellen bekannt. Motorisierte Zeitgenossen dürfen sich bei Rot immer neue Ausschnitte der Hauptstrasse anschauen. Nun aber bietet das Strassendorf Styling und Show mit Julia Flückiger, einen Bob-Simulator und die Jagdhornbläser. Gutgelaunt kauen wir Würste, bestellen Pflanzen für den Garten und kaufen das passende Werkzeug.

Plötzlich sind wir in ein Verkaufsgespräch um ein neues Badezimmer verwickelt. «Die Plättchen würden gut zu deinem Bademantel passen», flötet Frau Turmspatz. Ich pfeife auf diese Gewerbeschau. Da sind mir die Eschenzer Baustellen doch lieber.

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