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ESCHENZ: Ein Referat zum Nachdenken

An der Jahresversammlung des Vereins für Dorfgeschichte Museum Eschenz versetzte Historikerin Karin Peter die Zuhörer zurück in die bewegte Geschichte der Hungersnot von 1817.
Präsidentin Elisabeth Sulger Büel und Historikerin Karin Peter. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Präsidentin Elisabeth Sulger Büel und Historikerin Karin Peter. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Hungersnot im Thurgau – im Jahr 1817, versteht sich, vor 200 Jahren. Eine glückliche Hand bewies am Mittwochabend die Historikerin, Museumsführerin im Arenenberg und auf Esskultur spezialisierte Referentin Karin Peter in der Aula des Sekundarschulhauses. Ihr stimmiger, frischer, nachdenklicher und spannender Mix aus dem Jahr 1817, auch etwas davor und danach, ihre Recherchen – weitgehend aus der «Thurgauer Zeitung», die schon 1817 ausführlich informierte – gestalteten sich zu einer atmosphärisch dichten Berichterstattung über Versorgungsnot und elende Lebensumstände.

Ursache der Katastrophe mit Hungersnot im Thurgau war der Ausbruch des Vulkans Tambora im April 1815 in Indonesien. Die Explosion des Vulkans schleuderte Unmengen an Gestein und Asche in die Stratosphäre. Das führte zu einer Abkühlung des Erdklimas und zu Unwettern, feuchtkalten Sommern mit zeitweise Schneefall. «So wie heute Mittwoch mit Schnee und Regen wäre dann der ganze Sommer. Damals hatte man keine Ahnung, dass der Vulkanausbruch schuld war am Elend, erst 100 Jahre später wurde das festgestellt», erklärte Peter. Ein Nebeneffekt des Vulkanausbruchs seien sehr schöne Sonnenuntergänge gewesen. Als Beweis zeigte Peter Abbildungen von Gemälden des Malers William Turner, die in der National Gallery London zu sehen sind. Im Zentrum stand aber das Elend. Die Referentin führte vor Augen, dass das Durchschnittsalter damals bei 27,5 Jahren lag und das meistgegessene Gemüse aus Krautstilen bestand. Um Bettel-eien zu bekämpfen, wurde die Thurgauer Polizei aufgestockt.

Die mehrjährige Hungerkrise führte in der Folge zu einschneidenden Änderungen im Armen-, Hypothekar- und Versicherungswesen sowie in der Landwirtschaft. Es gab weder staatliche noch private Hilfsprogramme. Auswanderung bis Geburtenrückgang waren Folgen der Krise. In der «Thurgauer Zeitung» wurde in einem Inserat Gratisland in Polen angeboten, weil die Russen dort Menschen ansiedeln wollten. Russland hat dem Thurgau damals Getreidelieferungen geschenkt und 4000 Rubel vermacht. «Man weiss nicht, wo die geblieben sind», so Karin Peter.

Wäre ein solches Katastrophenszenario heute möglich? «Drei Tage totaler Stromausfall in der Schweiz, dann geht gar nichts mehr.» Karin Peter forderte die zahlreichen Besucher auf, sich zu überlegen, wie lange jeder Einzelne eine solche Katastrophe überleben könnte. Die Historikerin regte die Zuhörer damit zum Nachdenken an.

Margrith Pfister-Kübler

unterseerhein

@thurgauerzeitung.ch

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