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ESCHENZ: Ein Leben für den Tod

Eugen Ullmann war fast ein halbes Jahrhundert Bestatter am Untersee. Bis zu seiner Pension beerdigte er von Hand, darunter auch einige Fremdgläubige.
Géraldine Bohne
Der pensionierte Bestattungsbeamte Eugen Ullmann an seinem ehemaligen Arbeitsort, dem Friedhof. (Bild: Reto Martin)

Der pensionierte Bestattungsbeamte Eugen Ullmann an seinem ehemaligen Arbeitsort, dem Friedhof. (Bild: Reto Martin)

Géraldine Bohne

geraldine.bohne

@thurgauerzeitung.ch

Er zog ihnen die Totenhemden an und setzte sie anschliessend der Erde bei. Eugen Ullmann verrichtete die Arbeit, die nach fast jedem Tod getan werden muss. Während 45 Jahren beerdigte er eigenhändig fast tausend Personen in Eschenz und der näheren Umgebung. «Ich habe immer alles von Hand gemacht, obwohl ich einen Bagger zur Verfügung gehabt hätte», sagt der 81-Jährige. Seit Ende Jahr ist Schluss damit. Dem Bestattungsbeamten wurde im Frühling klar, dass es Zeit ist, seine Schaufel zur Seite zu legen. Seine Frau habe es ihm kaum glauben können. «Was wir durch seine Arbeit erlebt haben, darüber könnten wir ein Buch schreiben», sagt Elsbeth Ullmann.

Angefangen hat alles in den 70er-Jahren mit einer Anfrage des damaligen Gemeindeammanns. Zu dieser Zeit arbeitete Ullmann noch als Strassenmeister. Ohne zu zögern sagte er der Jobanfrage zu und arbeitete nebenbei als Bestatter. «Ich hatte weder Berührungsängste bei den Toten noch Probleme beim Schlafen.» Das komme wahrscheinlich auch von der Familie, seinem Glauben zu Gott und der frühen Mithilfe beim Tragen der Särge. Denn schon mit 20 Jahren half Ullmann, die Leichen aus den Häusern zum Friedhof zu bringen. Bis ins Jahr 2000 führte er den Job neben seinem Hauptberuf aus. Dann liess er sich pensionieren, blieb jedoch als Bestatter tätig.

Abholen, einsargen und einkleiden

Die Gräber öffnen, wieder zudecken und nach etwa 25 Jahren aufheben – das waren seine Aufgaben. «Ich habe sicher schon den ganzen Friedhof von Eschenz gekehrt», sagt der ehemalige Bestattungsbeamte. Früher gehörten auch das Abholen der Leichen, das Einsargen und das Einkleiden der Toten dazu. «Diese lagen bis zur Beerdigung zu Hause. Der Geruch war meist jahrelang in den Wänden.» Die Bewohner des Dorfes besammelten sich dann jeweils vor dem Haus des Toten und begleiteten den Trauerzug mit zur Kirche. Das ist heute anders: Die Stadtpolizei Stein am Rhein bringt die Toten direkt zur Leichenhalle auf den Friedhof.

Erdbestattungen würden immer rarer, denn viele Menschen nehmen die Urne mit nach Hause. «Früher hatte es viel mehr Gräber auf dem Friedhof und diese standen auch dichter beieinander», sagt der Eschenzer. Etwas Spezielles seien fremdgläubige Bestattungen, da diese meist ganz anders verlaufen. Eine Türkin trug beim Abholen zu Hause bereits sieben Seidenröcke. Danach beteten die Angehörigen zwei Tage lang mit Räucherstäbchen bei der Toten. Oder bei einer serbisch-orthodoxen Beerdigung habe es gar Wein und Schnaps bei der Beisetzung gegeben, gewisse Leute gaben dem Toten Wein mit ins Grab. «Bei manchen Dingen könnten wir uns von anderen Kulturen etwas abschauen», sagt Elsbeth Ullmann.

Nicht vergleichbar mit dem SRF-Bestatter

Trotz des häufigen Kontakts mit dem Tod dachte Ullmann nie wirklich über diesen nach. «Ich habe keine Angst vor dem Sterben», sagt der Vater und Grossvater. «Wenn mir ein Tod besonders nahe ging, habe ich viel mit meiner Frau geredet, und wir waren oft in der Natur spazieren.» Trotz teils traurigen Schicksalen sei er positiv hinter seiner Arbeit gestanden. Bei Beerdigungen habe er immer einen schwarzen Anzug getragen. Das war Pflicht.

«Viele denken, meine Arbeit war so, wie bei der SRF-Fernsehserie ‹Der Bestatter›», sagt Ullmann schmunzelnd. Er habe die Sendung noch nie gesehen, weil er sich vorstellen kann, dass sie weit an der Realität vorbeigehe. Ganz weit aber doch nicht. Eine Gemeinsamkeit besteht: das eigenhändige Beisetzen der Särge. Und Eugen Ullmann wird auch der letzte Eschenzer bleiben, der dies noch so getan hat.

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