ESCHENZ: «Die heutige Jugend ist brav»

Heute hat Seklehrer Markus Bischof seinen letzten Arbeitstag, nach bald 40 Jahren im Dienst. Er verlässt seinen Arbeitsort als glücklicher Mann, obwohl ihn der Schulinspektor damals vor den Seebuben gewarnt hatte.

Stefan Hilzinger
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Lehrer Markus Bischof in seinem Eschenzer Schulzimmer, wo er heute zum letzten Mal unterrichtet. (Bild: Stefan Hilzinger)

Lehrer Markus Bischof in seinem Eschenzer Schulzimmer, wo er heute zum letzten Mal unterrichtet. (Bild: Stefan Hilzinger)

Stefan Hilzinger

stefan.hilzinger@thurgauerzeitung.ch

Schulinspektor Ruedi Götz dürfte staunen: Nach 38 Jahren an der gleichen Stelle bei der Eschenzer Oberstufe geht Markus Bischof per Ende Schuljahr in den Ruhestand. Dabei hatte ihm Götz Ende der 70er-Jahre entschieden abgeraten. «Er meinte zu mir, die ­Seebuben und -mädchen seien schwierig. Ich solle besser eine Stelle im Thurtal annehmen, da seien die Kinder pflegeleichter», sagt Bischof.

Nein, den Schritt über den Seerücken hat der gebürtige Wängemer nie bereut. Er wohnt mit Frau in Kaltenbach und arbeitet in Eschenz. Hier trat er 1979 die Stelle als Sekundarschullehrer an, zuvor unterrichtete er ein Jahr an der Neuen Schule Frauenfeld. Es gab damals drei Klassen, eine pro Jahrgang. Die Schule hat sich gewandelt. Es gibt keine Trennung mehr zwischen Sekundar- und Abschlussklassen. Alles ist in Eschenz zusammengefasst. Das Team zählt 13 Lehrerinnen und Lehrer.

Kaum mehr einer schleicht heimlich in den Volg

Das Unterrichten ist ihm nie verleidet in all den Jahren, obwohl er einräumt, dass er in jüngster Zeit mehr Energie aufwenden müsse. «Ich wollte aufhören, bevor ich mich durchquälen muss», sagt Bischof. Doch an unflätigen Teenagern liegt es nicht, dass Bischof nun mit gut 62 Jahren in den Ruhestand tritt. «Die heutigen Oberstufenschüler sind viel braver als noch vor 30 Jahren», sagt er. Niemand rauche mehr, Alkohol sei fast kein Thema, und in der Pause schleicht kaum jemand heimlich über die Strasse in den nahen Volg. «In den Ski­lagern war früher viel Rambazamba, heute ist eine halbe Stunde nach Lichterlöschen Ruhe.» Was er allerdings wie viele seiner Berufskollegen feststellt: Die heutigen Eltern sind deutlich anspruchsvoller als noch zu Beginn seiner Lehrerkarriere.

Französisch ist sein Lieblingsfach

Als Phil-I-Hauptlehrer unterrichtete er eine ganze Bandbreite an Fächern: von Geschichte über Geografie bis Sprachen. Über die Jahre sind zu seinem Bedauern die musischen Fächer weggefallen, die von spezialisierten Lehrkräften unterrichtet werden. Sein Lieblingsfach über all die Jahre aber ist Französisch geblieben. Das kommt nicht von ungefähr: Während des Studiums an der Uni Zürich weilte er für ein Semester in Dijon. Da lernte er die Sprache, den Senf und «natürlich den Burgunder» kennen. Zum Ende ihrer dreijährigen Zeit an der Oberstufe fahren die Eschenzer Schüler auf eine einwöchige Abschlussreise. Bei Markus Bischof ist es Tradition, dass die Reise nach Frankreich führt. «Allen, die bei mir in die erste Klasse kamen, war das klar.» Bischof mag selbstständige Jugendliche mit Eigeninitiative. «Ich habe immer darauf geschaut, dass Schüler von sich aus Sachen anreissen.» Daher habe er auch viele schöne Erinnerungen an die zurückliegenden vier Jahrzehnte.

Nach der offiziellen Verabschiedung heute Nachmittag warten neue Aufgaben auf Markus Bischof. Da ist etwa das Eigenheim in Kaltenbach: «Hier sind in den letzten Jahren allerhand Rennovationsarbeiten aufgelaufen.» Darum will sich der begeisterte Heimwerker nun vermehrt kümmern. «Ich freue mich auch, mehr Zeit für meine Frau zu haben, und zudem: der Enkel will gehütet werden.»