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ESCHENZ: Bloss vergesslich oder schon dement?

Eine Podiumsdiskussion im Schloss Freudenfels mit fünf hochkarätigen Referentinnen und Referenten schuf breites Bewusstsein für ein Thema, das uns alle einmal betreffen könnte.
Margrith Pfister-Kübler
Das Podium brachte Antworten auf Fragen bei Demenz: Barbara Merz, Luigi Trevisi, Michael Lang, Moderator Mario Testa, Marianne Wolfensberger und Karin Beyeler. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Das Podium brachte Antworten auf Fragen bei Demenz: Barbara Merz, Luigi Trevisi, Michael Lang, Moderator Mario Testa, Marianne Wolfensberger und Karin Beyeler. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Margrith Pfister-Kübler

unterseerhein@thurgauerzeitung.ch

Im Jahr 2017 fielen die Gemeinden Eschenz und Wagenhausen als besonders demenzfreundlich auf und wurden mit dem Demenz-Focus-Preis 2017 ausgezeichnet (TZ berichtete). Zuvorderst im Einsatz für das soziale Wohl engagieren sich Karin Vetterli, Gemeinderätin Wagenhausen und Heidi Springmann, Gemeinderätin Eschenz. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, Antworten und Hilfen zu geben.

So verwunderte es nicht, als am Donnerstagabend jeder Platz besetzt war im Saal des Schlosses Freudenfels. Magnetwirkung strahlten auch die namhaften Referenten aus: Michael Lang, Arzt von «Ärzte am Rhein Eschenz»; Karin Beyeler, Leiterin Tagesstätte Wirrgarten, Basel; Juristin Marianne Wolfensberger, Alzheimer Schweiz, Juristin Barbara Merz, Präsidentin KESB Frauenfeld und Luigi Trevisi, Case Care «Begleitung und Betreuung im Alltag». Für pointierte Fragen sorgte Moderator Mario Testa, Redaktor der Thurgauer Zeitung.

Ab 65 trifft es jeden Zehnten

«Was ist demenzfreundlich? Häuft sich Demenz?» Arzt Michael Lang bestätigte eine klare Zunahme, aber bis heute gebe es kein Medikament, das helfe. Ab 65 sei jeder Zehnte betroffen. Um das Leben von Demenzerkrankten und pflegenden Angehörigen langfristig zu verbessern, rief Lang zu früher Diagnose auf. «Und ist Demenz heilbar?» Arzt Lang sagt dazu: «Es ist sehr frustrierend. Demenz ist noch nicht heilbar.»

Es fliesse kein Geld von der Pharma

Auch Alzheimer Schweiz kämpft mit den Herausforderungen. Marianne Wolfensberger bringt Zahlen: Im 2017 gab es in der Schweiz 148000 Demenzkranke, 44 Prozent sind über 90-Jährige, vorwiegend Frauen. Sie sprach vom Riesenschock, da schon 50-Jährige und 60-Jährige plötzlich betroffen sind, sportliche, intelligente Menschen. Manchmal seien eine Depression oder wub Burn-out Vorläufer. Doch: Kein Demenzerkrankter wolle abhängig von andern sein.

Karin Beyeler, Leiterin der Tagesstätte Wirrgarten in Basel, sagte: «Bewegung, Musik, Tanz beruhigt Demenzkranke. Auch Menschen mit Demenz können Neues lernen. Emotionen sind sehr wichtig.» Tagesstätten können nicht funktionieren ohne die Gemeinden. Kritik gabs am Finanzsystem, denn Pflege und Betreuung werden auseinander dividiert. «Ein hirnrissiger Entscheid», sagte Beyeler. Man könne nicht in 15 Minuten einen Kontrollbesuch machen usw. Der Zeitdruck mit den standardisierten Vorgaben wurde bemängelt. Hier hakte Luigi Trevisi von Case Care ein: «Für jede Stunde muss ich drei Rechnungen stellen.» Er forderte Zeit für die Erkrankten, um Nähe zu vermitteln und die Lebensqualität zu fördern.

Barbara Merz, Präsidentin ESB Frauenfeld, weiss hautnah um die Sorgen: Ihre 91-jährige Mutter ist dement. Wenn jemand nicht mehr redet, nichts mehr zu sagen hat, müsse man dies auch zulassen. Sie ermunterte zum Brückenbauen zwischen Behörden und Arzt im Austausch mit den betroffenen Familien. «Suchen Sie sich einen jungen Hausarzt, der kennt sie auch im Alter noch», sagte Merz mit Blick auf das relativ junge Publikum.

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