Es werde Licht und grösser

Vor zwei Jahren ging die städtische Weihnachtsbeleuchtung live im Schweizer Fernsehen an. Diesen Freitag starten die «Geschichten-Lichter» in die dritte Adventszeit – neu mit Audioguide und mehr Lichtbildern.

Mathias Frei
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Lichtdesigner Martin Schmid und Nihal Mutlu, Assistentin Stadtentwicklung und Standortförderung, mit Hängeengeln. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Lichtdesigner Martin Schmid und Nihal Mutlu, Assistentin Stadtentwicklung und Standortförderung, mit Hängeengeln. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Mathias Frei

mathias.frei@thurgauerzeitung.ch

Ein Ufo? Ja, da ist ein Ufo zu sehen. An einem der neu 30 Standorte auf einem Lichtbild der Frauenfelder Weihnachtsbeleuchtung. Zwar ist nirgendwo in der Weihnachtsgeschichte eine fliegende Untertasse erwähnt. Aber Martin Schmid hat sich diese kleine Spielerei erlaubt – und weitere mehr auf anderen Lichtbildern. Wer ganz genau hinschaut bei den stimmigen beleuchteten Hausfassaden im Stadtzentrum, wird die Irritationen finden. Gelegenheit dazu bietet sich wieder ab diesem Freitag. Dann gehen um 18 Uhr die «Geschichten-Lichter» an (siehe unten). Die Weihnachtsbeleuchtung der Stadt geht mit einigen Neuerungen in die dritte Adventszeit. Geistiger Vater der Lichter ist Schmid. Der Stadtsanktgaller ist Inhaber des Kreativbüros Kaluza + Schmid. Er pendelt zwischen den Bürostandorten in Berlin und St. Gallen. Im grossen Berlin inszeniert er das Event-Design des Bundespresseballs oder der Mercedes-Benz-Fashion-Week, in St. Galler unterrichtet er Grafikfachschüler – und hat die dortige Weihnachtsbeleuchtung kreiert.

«Jedes Bild soll für sich wirken»

In Frauenfeld gab es 2015 einen entsprechenden Wettbewerb. Für den Wettbewerb, die Kreation und Produktion standen 80000 Franken zur Verfügung. «Für Spezialanfertigungen ist das fast schon unrealistisch wenig», sagt Schmid in der Rückschau. Sein Büro nahm trotzdem teil – und bekam den Zuschlag.

Angefangen haben die «Geschichten-Lichter» vor zwei Jahren mit 14 Standorten respektive Lichtbildern. Sie zeigen Szenen aus der Weihnachtsgeschichte. «Jedes Bild soll für sich wirken», sagt Schmid. Zugleich ergeben die Bilder in der richtigen ­Reihenfolge die Weihnachtsgeschichte. 2016 waren es dann 24 Bilder. Heuer sind sechs zusätzliche Standorte im Gebiet Schlossmühle, Baliere und Kreuzplatz hinzugekommen. Damit sind nun zwei Geschichtenwege programmiert. Technisch entsprechen die Bildprojektionen Diabildern. Im Fall der Frauenfelder Weihnachtsbeleuchtung sind es Figuren als Silhouetten im Illustrationsstil der 1950er- und 1960er-Jahre. Für die neu 30 Bilder sind 40 Projektoren im Einsatz, wie man sie aus dem Theaterbereich kennt. Weil sie unter freiem Himmel installiert sind und so Wind und Wetter standhalten müssen, sind sie speziell versiegelt. Am einfachsten wäre es, einen Projektor im 90-Grad-Winkel zur einer Hausfassade aufhängen zu können. Das ist aber oft nicht möglich. Deshalb sind die Bilder in einem aufwendigen 3D-Rendering-Verfahren entstanden. Auch das Aufhängen der Projektoren dauert seine Zeit, weil die Winkel gradgenau stimmen müssen. Vor gut anderthalb Wochen ist damit begonnen worden. Oft passt es am besten an Kandelabern.

Die Projektoren müssen lichtstark sein. Beim Regierungsgebäude zum Beispiel beträgt der Abstand zur Fassade nämlich 28 Meter. Das Licht an sich ist laut Martin Schmid warm-weiss. Wie Nihal Mutlu von der Frauenfelder Stadtentwicklung und Standortförderung sagt, habe man bei den betroffenen Liegenschaftsbesitzern die Bewilligung eingeholt.

Zwei Theaterschaffende produzieren Audioguide

Neu ist dieses Jahr nebst anderem der Audioguide, auf Basis einer App. «Er sollte so einfach wie möglich sein», sagt Schmid. Die Texte hat Anja Horst, Chefdramaturgin des Theaters St. Gallen, verfasst. Eingesprochen hat sie Horst zusammen mit dem Schauspieler Matthias Albold. Jonas Knecht, Schauspieldirektor Theater St. Gallen, war für die Technik zuständig.

Und dann sind da noch die hängenden Engel und anderen Weihnachtsfiguren. Sie bestehen aus eloxiertem Aluminium, deshalb wirkt ihre Oberfläche golden schimmernd. 80 sind es. «Die Idee der Lichtbilder in der Dunkelheit gefiel uns sehr, aber bei Tageslicht war nichts zu sehen», sagt Schmid. Um die nächtlichen Projektionen zu ergänzen, kamen deshalb die Hängefiguren dazu. Etwas für die Augen auch am Tag.

Eröffnungsfeier der "GeschichtenLichter" mit Night-Shopping

Diesen Freitag um 18 Uhr geht beim Meitlibrunnen in der Altstadt die offizielle Inbetriebnahme der Weihnachtsbeleuchtungüber die Bühne. Es gibt weihnachtliche Klänge fürs Gemüt und für den Magen Guezli und Glühmost. Auf kleine Gäste wartet ein besonderer Höhepunkt, nämlich ein Altstadtrundgang auf einem Esel in Begleitung von Stadtpräsident Anders Stokholm. Danach laden die Geschäfte in der Innenstadt zum Night-Shopping bis 22 Uhr. Und im Bistro «Zur alten Kaplanei» in der Altstadt gibt es Fondue über dem offenen Feuer.

Die «GeschichtenLichter» erstrecken sich heuer neu über 30 Standorte im Gebiet zwischen Promenade, Soldatendenkmal, Bahnhof und Kreuzplatz. Das sind sechs Standorte mehr als 2016. Neu gibt es zwei Geschichtenwege, der eine dauert 20 Minuten, der andere 40 Minuten. Einen Übersichtsplan gibt es am Infoschalter im Rathaus, bei Regio Frauenfeld Tourismus oder auf www.frauenfeld.ch. Neu steht ein Audioguide zur Verfügung. Die App «Frauenfelder Weihnachtsbeleuchtung» sollte in den nächsten Tagen kostenlos bei GooglePlay und im App Store zum Download bereitstehen. (ma)