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Es tut mir leid

Mosttröpfli
Christian Kamm

Diese Entschuldigung ist längst überfällig. Und weil ich es letztes Jahr nicht mehr geschafft habe, wurde aus einer ständig vor sich her geschobenen Absicht ein guter Vorsatz für das neue Jahr. Der hiermit bereits am 25. Januar 2018 offiziell eingelöst wird.

Also: Es tut mir leid, liebe Werbemenschen, die ihr um die Mittagszeit im Namen irgendeiner Krankenversicherung, eines Telefonanbieters, einer ideell hochwertigen Organisation oder einer Volksinitiative jeweils beim Bahnhof Frauenfeld steht, um meinen Obolus oder auch nur meine Unterschrift einzufordern. Es tut mir leid, dass ich dann immer so unausstehlich reagiere. Einfach wortlos weitergehe. Und wahrscheinlich so aussehe, als ob ich gleich jemanden auffressen werde.

Wirklich sorry. Aber ich kann einfach nicht anders, wenn sich jemand zwischen mich und meinen Hunger stellt. Stellen Sie sich vor: Sie haben sich mit den letzten Kalorien in ihre Mittagspause gekämpft, haben schon einen dampfenden Teller mit Geschnetzeltem und Rösti oder Pasta vor Augen, die Magensäfte fliessen unkontrolliert und dann haut Sie einer an: «Monsieur, kennen Sie schon …» Nein, der Monsieur kennt nicht. Und er will das auch nicht kennen lernen. Ein neues TV-Abo oder die Weltverbesserung können ihm in diesem Moment gestohlen bleiben. Er hat einfach Hunger, der Monsieur, und will zu Tisch. Platz da!

Unhöflich? Auf jeden Fall. Egoismus pur? Auch das, klar. Aber auch der ultimative Beweis dafür, dass man sich einem Menschen mit einem Loch im Bauch nicht in den Weg stellen sollte. Quatsch niemanden an, der dringend Nahrung braucht. Echte Werbeprofis müssten wissen: Mit vollem Magen unterschreibt es sich sowieso viel leichter. Allerdings habe ich auch dagegen vorgesorgt und schalte beim Rückweg jeweils einen kleinen fiesen Umweg ein. Dafür werde ich mich dann nächstes Jahr entschuldigen.

Christian Kamm

christian.kamm@thurgauerzeitung.ch

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