Es riecht wie in den Bergen

In Hinterhorben ist ein altes Bauernhaus rein baubiologisch restauriert worden. Bei der Renovation kam auch eine Strickwand zum Vorschein, die zeigt, wie früher gebaut wurde.

Evi Biedermann
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Baufachmann Thomas Rohner vor der Strickwand im Dachgeschoss. (Bild: Evi Biedermann)

Baufachmann Thomas Rohner vor der Strickwand im Dachgeschoss. (Bild: Evi Biedermann)

HINTERHORBEN. Etwas ist anders in diesem Haus, das spürt man sofort. Es braucht jedoch ein paar Minuten, bis es klick macht: Der Geruch, er ist erfrischend aromatisch und dezent. Es riecht aber nicht nur gut, man fühlt sich auch gut in diesem Haus. Woran nur erinnert dieser Wohlgeruch? Thomas Rohner hilft auf die Sprünge: Der gelernte Zimmermann hat mit seiner Firma Anobia Holzbau GmbH den Grossteil des Umbauprojekts in Hinterhorben realisiert. «Türen und Möbel sind aus Arvenholz», sagt Rohner. Ja genau: So riecht es im Engadin und in Österreich, wo Arvenholz in beinahe jedem Haus vorkommt: nach Ferien, nach Entspannung und nach Erholung.

Ganz ohne Giftstoffe

Das Bauernhaus in Hinterhorben ist aus dem 18. Jahrhundert und gehört Walter Mathis. Einst wohnten seine Grosseltern darin, dann ein Onkel und nun wird bald er einziehen. Ins Haus, mit dem er seit seiner Jugend emotional verbunden ist, das er jedoch kaum wiedererkennt. Die anspruchsvollste Aufgabe der Totalsanierung ist allerdings nicht sichtbar: Walter Mathis wollte, dass rein baubiologisch gearbeitet wird, dass heisst mit möglichst umweltfreundlichen und schadstofffreien Materialien und entsprechenden Techniken. In seinem neuen Haus können die Wände atmen und das Arvenholz gibt ätherische Öle frei. In der Stube steht ein alter Kachelofen, der wieder funktioniert, und auf dem Dach produzieren Solarzellen mehr Strom als er verbrauchen wird.

Enorme Herausforderung

Obwohl Mathis als Fachmann für Gebäudetechnik vor dem Umbau wusste, worauf er sich einliess, sagt er heute: «Es war eine enorme Herausforderung, die Balance zu finden.» Der Entscheid, wovon man sich trennen und was erhalten bleiben soll, sei am schwierigsten gewesen. Und der Prozess, alt und neu zusammenzufügen, hoch spannend. «Zum Glück standen wir nie unter Druck», sagt Mathis, der in Aadorf wohnt und die Bauleitung selbst führte. Beim Einzug ins Haus ist er nicht an einen Kündigungstermin gebunden. Die zeitliche Freiheit habe Entscheide reifen lassen und letztlich allen Beteiligten ein gutes Gefühl gegeben. «Es steckt viel Herzblut in diesem Haus.»

Mit Schafwolle isoliert

In den Wänden steckt Isolationsmaterial aus Schafwolle, der Verputz ist aus Lehm. «Das macht das angenehme Klima aus», erklärt Thomas Rohner. Schafwolle sei luftreinigend und Lehm reguliere die Feuchtigkeit, auch während der Heizperiode. Im Bad sorgt dünn aufgetragener Bienenwachs dafür, dass der Verputz abwaschbar ist.

Ein seltener Fund

Begeistert ist Rohner von der Strickwand, die den einstigen Stall vom Wohnhaus trennte (siehe Kasten). Der Stall ist heute zu Wohnraum umfunktioniert und die alte Wand dessen Prunkstück. Während sie im Erdgeschoss aus 40 Zentimeter breiten Fichtenbalken besteht, ist sie im Dachstock ein Geflecht aus dünnen Zweigen. «Das sieht man relativ selten», sagt Thomas Rohner, der schon einige Häuser rein baubiologisch sanierte.