Es regnet Steckborner

Die Bürgergemeinde Steckborn hat nach 70 Jahren erstmals wieder Neulinge ins Bürgerrecht aufgenommen, dafür gleich 83 aufs Mal.

Margrith Pfister-Kübler
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Die Bürgerverwaltung, Walter Labhart, Ernst Füllemann, Peter Labhart, Ernst Ulmer und Albert Gräflein, begrüsst die Neubürger. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Die Bürgerverwaltung, Walter Labhart, Ernst Füllemann, Peter Labhart, Ernst Ulmer und Albert Gräflein, begrüsst die Neubürger. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

STECKBORN. «Seit 1943 wurden keine Neubürger in die Bürgergemeinde Steckborn aufgenommen. Sie sind nach 70 Jahren wieder die ersten. Ab 1944 wurden nur noch Bürger in die Politische Gemeinde Steckborn aufgenommen», sagte Bürgerpräsident Ernst Füllemann an der besonderen Bürgergemeindeversammlung am vergangenen Freitag.

Noch exklusiver ist nur der Erhalt einer Ehrenbürgerschaft. «Nur alle 50 Jahre darf ein Ehrenbürger gewählt werden. Vor zwei Jahren haben wir Edi Minder zum Ehrenbürger ernannt. Sie müssen also noch 48 Jahre warten», sagte Füllemann.

Die besondere Chance, sich ins Steckborner Bürgerrecht aufnehmen zu lassen, ist eine Aktion zum 700-Jahr-Stadtjubiläum. Mit einem Steckborner Bürgerrecht können die Einwohner ihre Verbundenheit mit Steckborn verankern.

Durch Namensaufruf ernannt

Bürgerschreiber Peter Labhart verlas 83 Namen, und die entsprechenden Neubürger erhoben sich. Keine Vereidigung, keine Abstimmung. Mit dem schlichten Namensaufruf wurde das Anteilsrecht an der Bürgergemeinde Steckborn rechtens. Das Gemeindebürgerrecht ist Voraussetzung, um ein Anteilsrecht an der Bürgergemeinde zu erwerben.

Die Einkaufsgebühr hielt die Bürgergemeinde bewusst tief, gerade mal 250 Franken. Interessenten können sich noch bis Ende 2013 bewerben.

«Nutz, Schutz und Trutz»

«Die Bürgergemeinden verwalten das Bürgergut und sind selbständige Körperschaften des öffentlichen Rechts», zitierte Bürgerpräsident Ernst Füllemann aus der Thurgauischen Verfassung vom 16. März 1987. Er liess die Geschichte der Bürgergemeinden ab dem Frühmittelalter Revue passieren. Auf die Kurzformel «Nutz, Schutz, Trutz» gebracht, beschrieb er alles rund um die Entwicklung von Bürgerrechten, -pflichten, Bürgernutzen, Gemeinschaftsgefühl. Die Tradition leiste einen Beitrag zum Gemeinwohl. «Ich bin stolz auf die Bürgergemeinde Steckborn», sagte Füllemann.

Wald, Land und Rathaus

Die Bürgergemeinde Steckborn verwaltet 303 Hektaren Wald, das unter Bundesschutz stehende Rathaus, die Landparzelle im Schützengraben und eines der wertvollsten Archive im Thurgau. Darin sind unter anderem auch Dokumente aufbewahrt, die vor der Gründung der Eidgenossenschaft entstanden sind.