Es könnte zu einem Massensterben kommen

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Forschung Es ist zu früh, um sich zu freuen. Vincent Dietemann vom Zentrum für Bienenforschung in Liebefeld unweit von Bern will noch nicht Entwarnung geben. «Die Milbe tötet ihren Wirt nicht sofort. Es kann bis drei Jahre dauern.» Der Wissenschaftler geht deshalb davon aus, dass es bei den beiden Thurgauer Bienenhaltern noch zu einem Massensterben kommen könnte. «Frühestens nach vier bis fünf Jahren ohne hohe Verluste kann man behaupten, dass eine Imkerei ohne Varroabehandlung nachhaltig ist.» Dietemann muss es wissen: Er befasst sich schwerpunktmässig mit Bienenkrankheiten und der Varroa im Besonderen. Und dabei hat er gelernt: Es ist zwar tatsächlich möglich, Völker zu züchten, die widerstandsfähig gegenüber der Varroa sind. Alles andere als einfach ist es jedoch, diese Eigenschaft auf Dauer im Erbgut der von Imkern gehaltenen Völker zu verankern. «Man hat die Lösung für eine nachhaltige Resistenz noch nicht gefunden.»

Es gebe an verschiedenen Orten auf der Welt Populationen von wild lebenden Honigbienen, die seit Jahren ohne Varroabehandlung leben würden. Im Kampf gegen die Milbe auf die natürliche Widerstandskraft der Bienen zu vertrauen, sei daher durchaus möglich. «Es kann funktionieren.» Er wisse von einem Imker in Frankreich, der diesen Weg gehe. Doch er sei steinig: «Wenn man einfach mit Behandlungen aufhört und der Natur die Selektion überlässt, muss man bereit sein, mindestens am Anfang hohe Verluste in Kauf zu nehmen.» Dieses Risiko sei im Moment zu gross, als dass es alle Imker eingehen könnten. Denn die Folgen für die Landwirtschaft seien unter Umständen gravierend. Dann nämlich, wenn plötzlich kaum mehr Honigbienen da wären, so dass es praktisch nur noch an den Wildbienen wäre, all die Rapspflanzen oder Apfelblüten zu bestäuben.

Vieles sei noch unverstanden in der Beziehung zwischen Honigbiene und Varroa, sagt Dietemann. Beispielsweise laufe aktuell ein Forschungsprojekt mit zwei Imkern, die sich bewusst nicht an das empfohlene Behandlungsprotokoll halten würden und keine Verluste bei den Völkern hätten. «Wir möchten verstehen, wieso das möglich ist und daraus lernen.» (mso)