«Es können nicht alle überleben»

Der Milchpreis ist auf einen historischen Tiefstand gesunken. Zu Besuch bei Milchbauer Ernst Felix in Braunau.

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BRAUNAU. Den Hof hat Ernst Felix 1981 von seinem Vater übernommen. Heute besitzt er 55 Milchkühe, 30 Rinder und 15 Kälber. Die Milchwirtschaft ist seine Haupteinnahmequelle: Etwa 1100 bis 1200 Liter Milch produzieren seine Kühe pro Tag. Die Kühe hält Felix seit der Hofvergrösserung vor drei Jahren in einem Freilaufstall, ohne automatisches Melksystem.

Wort gehalten

Der 59-Jährige will nicht jammern: «Die Politik hat mit den versprochenen Direktzahlungen bisher Wort gehalten», sagt er. Im Austausch mit besseren Produktpreisen würde er auf die Direktzahlungen aber gerne verzichten. Felix liefert seine Milch an die Produzenten-Milchverwerter-Organisation (PMO) Bodensee Milch, die er auch präsidiert. 150 Milchbauern und vier Käsereien sind in der PMO zusammengeschlossen. Ungefähr 63 Rappen erhält Felix pro Liter Milch, der Richtpreis der Branchenorganisation Milch (BO-Milch) lag bis Ende Juni bei 66 Rappen. Mit durchschnittlich 60 Rappen für Käserei- und gar nur 56 Rappen für Molkereimilch liegen die effektiv bezahlten Preise aber deutlich unter diesem Richtpreis. Milchverarbeiter und Industrie rechtfertigen das mit dem steigenden Preisdruck im liberalisierten europäischen Milchmarkt.

Keine Einigung

Vierteljährlich handelt die BO den Milch-Richtpreis neu aus; im Juli konnten sich die verschiedenen Akteure jedoch nicht einigen. Ernst Felix sagt: «Letztlich zweigen sich doch alle ab, was sie brauchen, und wir Bauern sind dann die Restgeld-Empfänger.» «Mit den neuen Verhältnissen umgehen oder den Bettel hinschmeissen», ist sein Credo.

Die PMO Bodensee Milch versucht ersteres. Die Herstellung eigener Käsesorten erlauben der PMO die Verarbeitung von grossen Milchmengen. Eine Milchkontingentierung für ihre Produzenten kennt die Organisation deshalb nicht. Beim aktuellen Milchpreis ein Vorteil.

Der tiefe Milchpreis veranlasst viele Milchbauern dazu, ihre Höfe massiv zu vergrössern, um mehr Milch produzieren zu können. «Nicht immer eine sinnvolle Lösung», sagt Felix. «Es ist hart, es können nicht alle überleben», sagt Ernst Felix. (red.)

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