«Es ist wichtig, Grenzen zu setzen»

Wer andern und sich selbst vergeben kann, tut sich Gutes, sagt Antonella Bizzini. Sie ist juristische Beraterin bei der Infostelle Frau+Arbeit in Weinfelden und hilft Menschen, die unter den Bedingungen oder Konflikten bei der Arbeit leiden.

Barbara Hettich
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«Die Auslöser für Konflikte bei der Arbeit sind verschieden», sagt Antonella Bizzini von der Infostelle Frau+Arbeit in Weinfelden. (Bild: Barbara Hettich)

«Die Auslöser für Konflikte bei der Arbeit sind verschieden», sagt Antonella Bizzini von der Infostelle Frau+Arbeit in Weinfelden. (Bild: Barbara Hettich)

WEINFELDEN. Tagtäglich ist Antonella Bizzini bei ihrer Arbeit mit Arbeitskonflikten konfrontiert. Bei der juristischen Beraterin holen sich Frauen Rat, wenn sie unter ihren Arbeitsbedingungen oder unter einem Arbeitskonflikt leiden. Meist seien es Konflikte, die in Wechselwirkung entstanden seien, erklärt Antonella Bizzini. Auslöser können in der Persönlichkeit liegen, so beispielsweise eine Gewohnheit, die den anderen nerve. Auslöser können aber auch in der Organisation liegen, wenn Kompetenzen beispielsweise nicht klar definiert sind. Ein klärendes Gespräch mit dem Arbeitgeber könne manchmal helfen. Schikanen können aber auch aus reiner Bosheit begangen werden. «Ich zeige den Frauen auch auf, welche juristischen Möglichkeiten sie haben, sich zu wehren», sagt Antonella Bizzini. Es sei wichtig, Grenzen zu setzen, notfalls, indem das Recht beansprucht werde. Nur so könne man aus einer Opferrolle heraus und wieder in eine handelnde Position kommen.

Rache ist keine Lösung

Sich rächen, den anderen vor Gericht ziehen, eine möglichst hohe Strafe fordern – dies sollte nicht Motivation zur Lösung eines Konflikts werden, oder gar Lebensinhalt, sagt Antonella Bizzini. «Wir haben unsere von Menschen gemachten Gesetze, es gibt aber noch eine weiterführende Energie, die göttliche Liebe», sagt Antonella Bizzini. Diese sei die Grundlage des menschlichen Zusammenlebens. «Das grösste Geschenk dieser Liebe ist die Vergebung. Die Vergebung hebelt die Gesetzmässigkeit aus. Jesus hat es uns vorgemacht, wie das geht und wie man dadurch Heilung erfährt.» In der Bibel gebe es zu diesem Thema wunderbare Gleichnisse, erklärt Bizzini. Einen Menschen anzuklagen, vor Gericht zu bringen, sei manchmal nötig für den Heilungsprozess, bringe aber nicht unbedingt Heilung. Jeder Mensch erfahre in seinem Leben Verletzungen und verletze andere, sei es bewusst oder unbewusst, weiss die Juristin. Man habe nun die Wahl: Entweder in Wut oder Ohnmacht zu verharren oder sich auf den inneren Weg der Vergebung zu begeben.

Dies sei meist ein langer Prozess, denn zu vergeben bedeute, die Schwächen der anderen zu sehen und seine eigenen einzugestehen, was oft auch schmerzhaft sein könne. Hilfreich sei das Vertrauen in Gott. Ein Gegenüber zu haben, dem man sein eigenes Unvermögen einfach hinlegen könne, sei wohltuend. «Wer sich geborgen und geliebt fühlt, kann die Stärke entwickeln, die es für eine Vergebung braucht – und dadurch Freiheit und Heilung erfahren.»

Der Glaube und Vergebung

«Christen beten: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern», sagt Antonella Bizzini. «Jesus betete am Kreuz: Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.» Vergebung habe im christlichen Glauben einen hohen Stellenwert, sagt Bizzini. Für sie bedeutet Vergebung einen anderen Menschen aus der Schuld frei zu geben und selbst frei zu werden. «Vergebung ist Heilung und das grösste Geschenk der Liebe.»