Es hat genug Lehrstellen

Diesen Sommer werden im Thurgau so viele Schulabgänger wie noch nie eine Lehre beginnen. Trotzdem können viele Berufe nicht genügend Berufsnachwuchs rekrutieren.

Christof Lampart
Drucken
Teilen
Im Bauhauptgewerbe hat es noch viele Lehrstellen. (Bild: Hannes Thalmann)

Im Bauhauptgewerbe hat es noch viele Lehrstellen. (Bild: Hannes Thalmann)

weinfelden. Auf den ersten Blick sind die Zahlen in Sachen duales Berufsbildungssystem im Thurgau ermutigend. Trotz Wirtschaftskrise und rückläufigen Schulabgängerzahlen (minus 125 gegenüber 2009) befindet sich die Zahl der bis anhin abgeschlossenen Lehrverhältnisse auf Rekordniveau. Waren es im 2009 insgesamt 2302 Lehrverhältnisse, so sind es bereits jetzt, per 9.

Juli 2010, genau 2400 – und dies bei insgesamt 3185 Jugendlichen, welche in diesem Sommer im Kanton Thurgau aus der Sekundarschule, einer Privatschule oder aus einem kantonalen Brückenangebot austreten.

Rekord in Sicht?

Per 16. Juni 2010 ergab sich, aufgrund einer webbasierten Umfrage der Bildungsstatistik Thurgau, folgendes Bild: 65,2 Prozent aller Austretenden fangen eine Berufsausbildung an, 18,6 Prozent nutzen ein Brückenangebot (10.

Schuljahr/Au-pair-Jahr/Sprachaufenthalt), 9 Prozent besuchen eine Mittelschule oder andere weiterführende Schule, und 7,2 Prozent haben noch keine Lösung oder steigen direkt in den Berufsalltag ein. Diese Werte entsprechen den Werten der letzten Jahre, wobei bei der Berufsausbildung auch in diesem Jahr noch durchaus der Rekord aus dem Jahr 1996 (67,3 Prozent ) erreicht werden könnte.

«Auch mit dem Beginn der Sommerferien kommen noch laufend neue Lehrverhältnisse hinzu», erklärte Ueli Berger, Amtschef des kantonalen Amtes für Berufsbildung und Berufsberatung. Man dürfe deshalb zuversichtlich sein, dass die Zahl der Suchenden bis im August nicht «deutlich zurückgehen» werde.

Nichtsdestotrotz müsse festgehalten werden, dass – auch wenn die Schülerzahlen weiter sänken – ein «Bodensatz» an Schüler übrig bleibe, die trotz allen Bemühungen um eine Lehrstelle oder eine andere Anschlusslösung, keine Lösung fänden.

Deren Zahl – gegenwärtig sind es 203 – dürfte in den nächsten Jahren tendenziell noch zunehmen, prognostizierte René Bommeli vom Amt für Berufsbildung und Berufsberatung.

Noch sind 200 Lehrstellen frei

Doch trotz der kleineren Jahrgänge gebe es viele Berufe, die händeringend Nachwuchs suchten. Rund 200 Lehrstellen sind gegenwärtig im Thurgau noch zu haben.

«Wenn Sie einen jungen Mann oder eine junge Frau wissen, die gerne den Sanitärberuf erlernen würden, dann wird dieser vom Betriebschef quasi mit dem Taxi zur Vertragsunterzeichnung abgeholt», stellte Bommeli der gegenwärtige Situation in der Gebäudetechnikbranche pointiert dar. Rund 30 Ausbildungsplätze sind in dieser Branche noch frei.

Aber auch andere Berufe wie das Bauhauptgewerbe (60 freie Lehrstellen), Elektrotechniker (21), Autobranche (20), Bäcker/Konditor (30), Gartenbau und Landwirtschaft (30) und KV (6) suchen noch nach Ausbildungswilligen. Die grosse Zahl an offenen Lehrstellen beweise aber auch, dass die Zahl der Lehrstellen nicht gross von der Konjunktur abhängig sei.

Aktuelle Nachrichten