Es geht um mehr als das blosse Vorlesen

FRAUENFELD. An den Frauenfelder Krimitagen kommen auch Kinder auf ihre Kosten. Im Schloss erzählen Adriana Exer und Daniela Herbst spannende Geschichten. Es sei toll, wie die Kinder an solchen Abenden jeweils in die Geschichten eintauchen, sagt Exer.

Markus Zahnd
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Die Erzählnacht mit Adriana Exer ist nicht nur wegen der spannenden Bücher ein Erlebnis, sondern auch wegen des Waffensaals im Schloss. (Bild: pd)

Die Erzählnacht mit Adriana Exer ist nicht nur wegen der spannenden Bücher ein Erlebnis, sondern auch wegen des Waffensaals im Schloss. (Bild: pd)

Lena kann nicht einschlafen, weil sie glaubt, dass in ihrem Zimmer Gespenster umgehen. Und tatsächlich entdeckt sie eines Nachts ein kleines Gespenst. Zusammen mit Adriana Exer können Kinder ab drei Jahren am Freitag in Lenas Welt und die der Gespenster abtauchen. Denn im Rahmen der fünften Frauenfelder Krimitage kommen auch Kinder auf ihre Kosten. Adriana Exer ist Leseanimatorin und organisiert im Schloss zusammen mit Daniela Herbst die Erzählnacht.

Sie sammelt Kinderbücher

Adriana Exer machte eine Lehre als Dekorationsgestalterin und leitete danach eine Spielgruppe und eine Bibliothek. Bereits seit ihrer Kindheit ist sie eine begeisterte Leserin, sie besitzt eine riesige Kinderbuchsammlung. Die Leidenschaft für Geschichten lebt sie als Leseanimatorin aus. Ab 2006 absolvierte sie den schweizweit ersten Ausbildungsgang zur Leseanimatorin, sie war allerdings bereits vorher als solche tätig. Wie der Begriff «Leseanimatorin» sagt, geht es bei Erzählnächten um mehr als das blosse Vorlesen einer Geschichte. Die Kinder sollen die Geschichten erleben, sollen sich in die Geschichte so richtig hineinversetzen können. «Es geht vor allem auch darum, den Kindern die Begeisterung fürs Lesen mitzugeben», sagt Exer.

Regelmässig im Schloss

Lesen sei eine wichtige Grundlage fürs Leben. «Unsere ganze Bildung holen wir uns vor allem mit Lesen. Daher muss das Fundament stimmen», sagt Exer. Mit ihren Anlässen – Exer liest drei- bis viermal pro Jahr im Schloss Frauenfeld aus der Geschichtenschatulle – will sie die Kinder zwar fürs Lesen begeistern. «Aber es darf niemals einen Zwang geben, das ist kontraproduktiv.» Teil ihrer Arbeit ist es ausserdem, die Eltern einzubeziehen, ihnen zu erklären, welche Bücher für welches Alter geeignet sind. Oder sie geht in Kindergärten und Schulen und hilft, wie man Geschichten richtig erzählen kann.

Für Exer sind die Nachmittage oder Abende auch schöne Erlebnisse. «Es ist toll, wenn man mit den Kindern in die Welt eines Buches eintauchen kann. Das Leuchten der Augen ist dafür eine schöne Belohnung, und die Zeit geht immer schnell vorbei.»

Gespenster im Waffensaal

An den Frauenfelder Krimitagen wird die Zeit noch schneller vorbeigehen, denn eine Erzählstunde im Schloss dauert lediglich 30 Minuten. Adriana Exer und ihre Kollegin Daniela Herbst erzählen ihre Geschichten parallel. In einer Gruppe sind Kinder von drei bis fünf, in der anderen von fünf bis sieben Jahren willkommen. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Exer erzählt die Gespenstergeschichte im Waffensaal. Um das Erlebnis abzurunden, bastelt sie mit den Kindern noch ein Gespenst. Ein kleines, wie es Lena im Schlafzimmer entdeckt hat.

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