Es geht nicht ohne Versuche an Menschen

Die Studie zu den Medikamententests an Patienten der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen hat erst begonnen und dauert bis 2018. Erste Erkenntnisse zeigen, dass mehr Patienten als erwartet betroffen sind, mehr Wirkstoffe getestet wurden und dies über einen längeren Zeitraum.

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Kopfsalat Bruno Knellwolf (Bild: Bruno Knellwolf)

Kopfsalat Bruno Knellwolf (Bild: Bruno Knellwolf)

Die Studie zu den Medikamententests an Patienten der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen hat erst begonnen und dauert bis 2018. Erste Erkenntnisse zeigen, dass mehr Patienten als erwartet betroffen sind, mehr Wirkstoffe getestet wurden und dies über einen längeren Zeitraum. Und auf jeden Fall unentschuldbar ist, dass anscheinend bis Anfang der 70er-Jahre Patienten ohne deren schriftliche Einwilligung für psychopharmakologische Tests benutzt wurden.

Das könnte heute nicht mehr passieren, die Zulassung neuer Medikamente ist standardisiert und genau geregelt. Die Sicherheitsanforderungen sind in den vergangenen Jahrzehnten stark gestiegen, Pharmafirmen unter genauer Beobachtung. Trotzdem bleibt die Entwicklung neuer Medikamente kontrovers. Tierversuche in der präklinischen Phase der Medikamentenentwicklung werden angeprangert, unerwünschte Nebenwirkungen neuer Arzneimittel kritisiert. Als historisches Beispiel gilt der Einsatz des Medikaments Contergan in den 60er-Jahren, der zu Missbildungen bei Kindern führte. Gleichwohl hoffen wir alle auf Medikamente, die unser Leid lindern und wenig Nebenwirkungen haben. Aber wo eine Wirkung ist, kann auch eine Nebenwirkung sein, das gilt für jedes Arzneimittel. Deshalb müssen die Medikamente gründlich auf ihre Wirksamkeit, Verträglichkeit und Sicherheit getestet werden. Das geht nicht ohne klinische Versuche mit Menschen. Dies aber nur mit autonomen Patienten, die freiwillig mitmachen und die über die allfälligen Risiken Bescheid wissen. Das ist heute unumstritten. Falsch wäre deshalb, wegen des Münsterlinger Falls negative Rückschlüsse auf die heutige Medikamentenentwicklung zu ziehen.