«Es gab keine andere Lösung»

Als Präsident der Primarschule Hüttwilen verantwortet Thomas Wicker die Freistellung der Schulleiterin.

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Thomas Wicker Präsident Schulbehörde (Bild: Quelle)

Thomas Wicker Präsident Schulbehörde (Bild: Quelle)

Die Lehrerschaft protestiert gegen die Entlassung der Schulleiterin, Eltern äussern ihre Empörung. Herr Wicker, halten Sie den Entscheid, die Schulleiterin per sofort freizustellen, nach wie vor für richtig?

Thomas Wicker: Per sofort ist falsch, die Primarschulbehörde hat die Schulleiterin bereits in den Pfingstferien mitgeteilt, dass das Anstellungsverhältnis aufgelöst werde. Es ist die beste Lösung für die Primarschule Hüttwilen. Im übrigen hätte ich den Schritt nicht vollzogen, wenn der Entscheid in der fünfköpfigen Schulbehörde nicht einstimmig gefallen wäre.

Gab es denn wirklich keine andere Möglichkeit, den Konflikt zu lösen?

Wicker: Nein, alle Gespräche haben nichts gefruchtet. Ich kann nur noch einmal betonen, dass es kein Spontanentscheid war. Der Konflikt schwelte bereits seit geraumer Zeit.

Der Elternbrief vom Mittwoch war nicht sehr erhellend. Was konkret wird der Schulleiterin vorgeworfen?

Wicker: Ich bitte um Verständnis, dass ich auf diese Frage keine Antwort geben will. Das wäre nicht statthaft. Die Schulleiterin hat auf anderen Gebieten sehr gute Arbeit geleistet, wir wollen ihr die berufliche Zukunft nicht verbauen.

Es ist von Illoyalität und mangelnder Kommunikation gegenüber der Behörde die Rede.

Wicker: Dazu möchte ich mich nicht äussern.

Aus dem Brief geht hervor, dass die Zusammenarbeit nicht nur mit der Schulbehörde, sondern auch mit anderen Parteien unbefriedigend war. Welche Parteien sind gemeint?

Wicker: Es gab auch Reklamationen aus der Schule nahestehenden Kreisen, darunter Eltern.

Nussbaumen scheint keine Probleme mit der Schulleiterin zu haben. An der dortigen Schule wird sie weiterhin als Schulleiterin und Lehrerin tätig sein. Was läuft in Nussbaumen anders beziehungsweise besser?

Wicker: Offenbar klappt's in Nussbaumen, das freut uns natürlich für unsere Amtskollegen. Vielleicht war es ja nicht einfach, zwei Arbeitgebern zu dienen, die rechtlich auf gleicher Stufe stehen. Aber das ist spekulativ.

Momentan besteht ein Vakuum, den Lehrern fehlt eine Ansprechperson. Wie lösen Sie dieses Problem?

Wicker: Das neue Schuljahr soll optimal anlaufen können. Als Behörde werden wir speziell gefordert sein, weil wir vorübergehend gewisse administrative Funktionen übernehmen müssen. So gilt es etwa, nach den Sommerferien zwei neue Lehrkräfte einzuweisen. Zudem finden auch in den Ferien Gespräche zwischen Schulbehörde und Lehrerteam statt, die von der kantonalen Schulberatung moderiert werden.

Bei den Lehrern ist der Arbeitsmarkt ein Arbeitnehmermarkt. Befürchten Sie keinen Exodus?

Wicker: Die Gefahr besteht, dessen bin ich mir bewusst. Aber ich hoffe nicht, dass es so weit kommt. Wir haben ein gutes Lehrerteam, und ich werde alles tun, damit dieses Hüttwilen erhalten bleibt.

Aufgrund ihres Arbeitsvertrages dürfte die Schulleiterin ihren Lohn noch bis Ende Jahr beziehen. War der finanzielle Aspekt nie ein Thema – schliesslich ist die Behörde dazu angehalten, mit Steuergeldern haushälterisch umzugehen?

Wicker: Wir haben Nutzen und Schaden abgewogen und dann entschieden. Wir sind uns bewusst, dass wir an der nächsten Schulgemeindeversammlung für unser Vorgehen geradestehen müssen.

Durchgesickert ist, dass die Schulleiterin das Zertifikat, das bestätigt, dass sie die vorgeschriebene Ausbildung zur Schulleiterin absolviert hat, nie beigebracht hat, obwohl sie mehrmals dazu aufgefordert wurde. Spielte dieser Umstand eine Rolle?

Wicker: Wenn überhaupt, dann nur eine marginale. Ausserdem hätte sie ja noch bis Ende Juli Zeit gehabt, das Zertifikat vorzuweisen. Ich will aber nicht verschweigen, dass die kantonale Schulinspektion in dieser Sache Druck auf uns ausgeübt hat.

Hat Sie die ganze Angelegenheit persönlich mitgenommen?

Wicker: Ich hatte etliche schlaflose Nächte. Aber das gehört dazu, schliesslich habe ich mich aus freien Stücken bereit erklärt, das Schulpräsidium zu übernehmen. Ob der anonyme Hassbrief, den ich gestern per Post erhalten habe, auch dazu gehört, ist eine andere Frage.

Interview: Beat W. Hollenstein