«Es fühlt sich an wie minus 15 Grad»

Einst war er der Romanshorner Wetterfrosch. Heute betreut Christoph Frauenfelder die Wetterstation Fürstenland in Niederuzwil. Er sagt: Die Bise ist schuld, dass wir so frieren.

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Christoph Frauenfelder Wetterfrosch Wetterstation Niederuzwil (Bild: pd)

Christoph Frauenfelder Wetterfrosch Wetterstation Niederuzwil (Bild: pd)

Einst war er der Romanshorner Wetterfrosch. Heute betreut Christoph Frauenfelder die Wetterstation Fürstenland in Niederuzwil. Er sagt: Die Bise ist schuld, dass wir so frieren.

Herr Frauenfelder, es fühlt sich an, als wäre es diesen Winter noch nie so kalt gewesen wie in diesen Tagen. Ist das so?

Nein. Der kälteste Tag in diesem Winter war der 29. Dezember, da lag die mittlere Tagestemperatur bei minus 7 Grad. Am gestrigen Freitag waren es nur minus 4 Grad.

Wieso kommt es uns dann so bitter kalt vor?

Das liegt an der Bise. Sie bläst am Bodensee derzeit mit einer Geschwindigkeit von 40 bis 50 Kilometern pro Stunde.

Wir frieren also mehr als wir gemäss Thermometer müssten?

Ja, das ist die gefühlte Temperatur, im Englischen wird sie wegen des Windes auch Windchill genannt Wenn man jetzt am Ufer des Bodensees steht und einem der Wind ungehindert ins Gesicht bläst, dann fühlt sich das an wie minus 15 Grad.

Was versteht man genau unter einer Bise?

Das ist ein Nordost-Wind, der permanent bläst. Die Bise entsteht, wenn im Norden hoher Luftdruck herrscht und im Süden – zum Beispiel in Oberitalien – ist der Luftdruck tief. Dazwischen bildet sich dann ein starker, konstanter Wind.

Haben in den letzten Jahren Wind und Stürme zugenommen?

Über einen längeren Zeitraum beobachtet sind die Windspitzen tatsächlich etwas stärker geworden. Allerdings nur um 0,2 bis 0,5 Kilometer pro Stunde. Die Sturmtage pro Jahr sind dagegen gleich geblieben.

Wie lange bleibt es so frostig?

Bis Sonntag bleibt es so kalt.

Dann kommt feuchte und wärmere Luft auf uns zu. Am Montag, vielleicht sogar schon am Sonntagnachmittag steigen die Temperaturen dann wieder in den Plusbereich. Der Wind schwächt sich bereits am Samstag stark ab.

Also keine Chance auf eine Seegfrörni?

Dafür ist es in diesem Winter ohnehin schon viel zu spät. Damit der Untersee zufriert, muss es schon im Dezember sehr kalt sein. Soll auch der Obersee noch zufrieren, dann muss die Kältewelle bereits im November einsetzen. (san)

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