Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Es fährt kein Thurbo-Zug mehr

Schienen, Schwellen, Schotter: Die Bahnlinie Wil–Weinfelden erhält bis zur Wega-Eröffnung im September ein 50 Millionen teures Facelifting. Der Oberbau der 100jährigen Bahn stammt zum Teil noch aus der Gründerzeit.
Christoph Zweili
Die Bahn vor der Haustür: Der Schienenfahrzeug-Hersteller Stadler Rail in Bussnang. (Bild: Reto Martin)

Die Bahn vor der Haustür: Der Schienenfahrzeug-Hersteller Stadler Rail in Bussnang. (Bild: Reto Martin)

41 Kilometer Strecke von Wil über das nördliche Hügelland nach Weinfelden im Thurtal, in Schleifen weiter über den Seerücken bis nach Kreuzlingen, um hier die Landesgrenze zu überschreiten und im Bahnhof Konstanz der Deutschen Bundesbahn am Bodensee zu enden. Zur Obstblüte war eine Fahrt mit der privaten Mittelthurgaubahn (MThB) quer durch Mostindien jeweils ein optisches Aha-Erlebnis erster Güte. Das ist Vergangenheit: Die MThB wurde 2003 liquidiert, der Abschnitt zwischen Kreuzlingen und Wil gehört seit Dezember 2002 der Thurbo.

Strecke bis September gesperrt

Die SBB-Tochter, die die Teilstrecke Kreuzlingen–Weinfelden von 2007 bis 2011 bereits für 22 Millionen Franken saniert hat, erneuert nun für 50 Millionen den Linienabschnitt Weinfelden–Wil. An den Kosten beteiligen sich aufgrund des Streckenanteils der Kanton Thurgau mit 25,3 Millionen (50,6 Prozent), gefolgt vom Bund mit 21 Millionen (42,1 Prozent) und dem Kanton St.Gallen mit 3,7 Millionen (7,3 Prozent).

Während der sechsmonatigen Gesamterneuerung bleibt die Strecke gesperrt. Rechtzeitig zur Wega-Eröffnung am 27. September soll der Bahnbetrieb zwischen Wil und Weinfelden wieder aufgenommen werden. Die ersatzweise eingesetzten Busse brauchen etwas länger für die Fahrt als die Bahn: «Reisende, die in Wil und Weinfelden Anschluss ans nationale Bahnnetz suchen, müssen mit rund zehn Minuten mehr rechnen», sagt Thurbo-Marktleiter Werner Fritschi.

Investitionsschub auslösen

Mit dem Bau der Bahnlinie haben die Vorfahren den Grundstein für einen prosperierenden Mittelthurgau gelegt. «Die jetzige Erneuerung ist eine Investition in die Zukunft», sagte gestern der Thurgauer Regierungspräsident Kaspar Schläpfer in Märwil. «Es werden künftig mehr Züge, mehr Passagiere und mehr Güter auf der Strecke verkehren.»

Auf den Fahrplan 2019 hin will der Thurgau das heutige Angebot (Stundentakt mit Verdichtungen) zum durchgehenden Halbstundentakt von 5 bis 24 Uhr ausbauen. «Wir erwarten, dass sich die Passagierzahl von heute 760 000 kontinuierlich erhöht – dies dank des Halbstundentakts, wegen der guten Anschlüsse in den Knoten Wil und Weinfelden und der modernisierten Bahnhaltestellen», sagt Schläpfer.

Einst als Güterbahn ausgelegt

Der MThB war seit dem Spatenstich im Dezember 1911 die Rolle zugedacht, den grenzüberschreitenden Gütertransit zu pflegen. Mit spedierten 166 000 Tonnen je Kilometer Betriebslänge figurierte die Bahn einst in der Spitzengruppe der schweizerischen Eisenbahnen. Heute ist das längst nicht mehr so. 2011 verrechnete Thurbo 940 000 Trassenkilometer im Personen- und nur noch 20 000 im Güterverkehr. Bei den Bruttotonnen-Kilometern (Gesamtlast pro gefahrenen Kilometer) ist das Verhältnis mit 146 zu 6 Millionen noch deutlicher.

Zwei wichtige Kunden gibt es dennoch, denen die SBB als ausführende Bauunternehmerin die Versorgung über die Schiene nicht monatelang stilllegen kann: Das sind Stadler Rail in Bussnang und das Tanklager in Tägerschen, das mit Brennstoffen und Mineralölerzeugnissen handelt. Der Schienenfahrzeugbauer Stadler Rail hätte nicht seine heutige Grösse ohne die Thurgauer Bahn vor der Haustür.

Die MThB war in den Neunzigerjahren einer der ersten Kunden für unseren Gelenktriebwagen», sagt Mediensprecher Tim Büchele. «Heute stammt das gesamte Thurbo-Rollmaterial von Stadler. Nur schon aus diesem Grund bestehen enge Beziehungen.»

Von Bussnang aus in alle Welt

Praktisch sämtliche Fahrzeuge, die in Bussnang – grösster Standort von Stadler Rail – hergestellt werden, verlassen das Werk auf dem Schienenweg via die ehemalige MThB-Strecke zu Kunden in Europa und sogar nach Algerien. «Die 64 Züge für die S-Bahn in Algier wurde von 2008 bis 2010 via den Hafen in Savona verschifft», sagt Büchele. «Wir haben dafür eigens Schienen auf dem Schiff verlegen lassen, so wie das früher im Trajektverkehr von Romanshorn über den Bodensee der Fall war.» Für Stadler bleiben solche Transporte nun trotz der Streckensperre gewährleistet. «Die SBB gewähren uns dafür ein kurzes Zeitfenster in den frühen Morgenstunden», sagt Büchele.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.