«Es braucht vor allem Investitionen in die Hotellerie»

Nachgefragt

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Eine Ära geht zu Ende: Christoph Tobler verabschiedet Werner Müller, der den Tourismus jahrzehntelang geprägt hat. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Eine Ära geht zu Ende: Christoph Tobler verabschiedet Werner Müller, der den Tourismus jahrzehntelang geprägt hat. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Sie waren fast vier Jahrzehnte lang in der Kantonsverwaltung der Ansprechpartner für den Tourismus. Wie hat sich die Branche im Thurgau entwickelt? Hat sie sich überhaupt entwickelt?

Werner Müller: Die Tourismusbranche hat sich positiv entwickelt dank Investitionen der Leistungsträger, aber auch des Kantons und der Gemeinden. Das Angebot an Hotelbetten und die Übernachtungszahlen sind in dieser Zeit um einen Drittel gestiegen. Im Bereich der Seminar- und Tagungshotels und im Velotourismus ist der Thurgau Spitze. Neue Angebote kamen hinzu wie Ferien auf dem Bauernhof, Gourmet-Wanderung, Planetarium Kreuzlingen und neue Schiffsanlegestellen. Der Arenenberg, die Kartause Ittingen oder das Conny-Land sind heute touristische Leuchttürme.

Wo muss der Thurgauer Tourismus vor allem zulegen?

Müller: Die Hotels sind die Motoren des Tourismus. Es braucht daher Investitionen in die Erneuerung der Hotellerie oder in neue Hotelstandorte. Gleichzeitig ist das Marketing für die Destination «Thurgau-Bodensee» und für eine bessere Auslastung im Frühling und Herbst zu verstärken. Für diese Aufgabe ist «Thurgau Tourismus» als kompetente Destinationsmanagementorganisation bestens gerüstet.

Als der Kanton über die Wahl Ihres Nachfolgers orientierte, war in der Mitteilung nur von der Abteilung Öffentlicher Verkehr die Rede. Der Tourismus ging glatt vergessen – symptomatisch?

Müller: Da täuschen Sie sich. Der Tourismus hat bei Regierungsrat Walter Schönholzer einen hohen Stellenwert. Mit meiner Pensionierung wird die Tourismusförderung ab Oktober vom Amt für Wirtschaft und Arbeit wahrgenommen. Mit rund 5300 Beschäftigten ist die Tourismusbranche ein wichtiger Wirtschaftszweig.

Der Thurgau bewirbt sich bekanntlich um ein Reka-Feriendorf. Sie hören Ende September auf. Wie stehen die Chancen, dass der Entscheid noch in Ihrer Amtszeit fallen wird?

Müller: Das Reka-Feriendorf in Kreuzlingen wäre ein weiterer, sehr wichtiger touristischer Leuchtturm für den Thurgau. Das Projekt ist auf Kurs, Entscheide werden aber erst später fallen. (ck)