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Erste Burkinis in der Badi Frauenfeld

Im Konstanzer Hallenbad wollte eine Muslima im Burkini baden. Das löste eine hitzige Debatte aus. Bei den Thurgauer Bädern sieht man diesem Kleidungsstück gelassen entgegen. In Frauenfeld kennt man den Anblick bereits, in Arbon und Amriswil reagiert man mit Vorsicht.
Nina Ladina Kurz
Jedes Land hat seinen eigenen Burkini. Dieses Modell wird Haschema genannt und vorzugsweise von jungen Türkinnen getragen. (Bild: Panos Pictures/Visum)

Jedes Land hat seinen eigenen Burkini. Dieses Modell wird Haschema genannt und vorzugsweise von jungen Türkinnen getragen. (Bild: Panos Pictures/Visum)

Juli 2013. Die in Konstanz geborene, türkischstämmige Ela B. wollte gekleidet im Burkini mit ihren zwei Kindern ins städtischen Schwaketenbad. Doch die Leitung verwehrte ihr den Zutritt. Der Burkini – nur Hände, Füsse und das Gesicht bleiben unbedeckt – verstosse gegen die Badeordnung. Der Grund: In dem etwas älteren Reglement sind Ganzkörperbadeanzüge aus hygienischen Gründen grundsätzlich untersagt.

Nun will Ela B. klagen. Zum «Südkurier» sagte die Frau: «Den Burkini zu tragen ist kein Symbol. Es ist meine Pflicht.» Der Stadt Konstanz liegt der Entwurf der Klageschrift bereits vor.

Ein Niqab wäre inakzeptabel

So ein Fall wäre auch in der Ostschweiz möglich. In den meisten Verordnungen ist lediglich von «üblicher Badebekleidung» die Rede – ein Begriff, so dehnbar wie der Bund einer Badehose. Darauf angesprochen reagieren die Leiter der Hallen-, Frei- und Strandbäder jedoch mehrheitlich gelassen.

So auch Volkmar Hardegen, Leiter des Strandbads und der Jugendherberge Rorschach. Dort gilt zurzeit ein Burkini-Verbot. «Es ist eine unausgesprochene Regel am Bodensee. Fast alle Bäder handhaben es so», sagt Hardegen. Auch er argumentiert mit den Hygienevorschriften.

Er wolle sich aber nicht gegen Neues sperren. «Man müsste an einem konkreten Fall die Situation neu beurteilen. Ausschlaggebend ist die Art des Stoffes.» Inakzeptabel wäre für ihn, wenn die Frau ihr Gesicht verdecken würde. Ein Burkini mit einem Gesichtsschleier ähnlich eines Niqabs will er nicht tolerieren. «Hier geht es um die Sicherheit und das Wohlbefinden meiner Mitarbeiter und der anderen Badegäste.»

Ähnlich klingt es in Amriswil. Ein Verbot gibt es nicht, gelöst ist die Frage dennoch nicht. Andreas Aebischer, Präsident der Schwimmbadgenossenschaft, weiss von keiner Frau, die im Burkini baden wollte. «Es ist ein heikles Thema, welches wir in nächster Zeit besprechen werden», sagt Aebischer. Klar unmöglich sei das Baden in Alltagskleidern. Diese Regel müsse für alle gleichermassen gelten. «Das gilt für die Buben, die unter ihren Badehosen die Shorts anlassen genauso wie für die Frauen, die im Wasser ein Kopftuch oder eine Burka tragen wollen.»

Sich mit dieser Frage noch nicht auseinandergesetzt hat man sich in Arbon. «In der Stadt Arbon hat sich diese Frage bis jetzt noch nie gestellt», heisst es auf Anfrage. Ob und wann der Burkini zur Ansprache kommt, wird nicht kommuniziert.

Grosse Toleranz in Frauenfeld

Erfahrungswerte nachfragen kann man dafür im Hallen- und Freibad Frauenfeld. Laut Leiter Andreas Frei gibt es einzelne Frauen, die regelmässig im Burkini baden. «Sie kamen im Vorfeld auf uns zu und fragten um Erlaubnis», sagt Frei. Wichtig sei auch ihm die Stoffart, die Hygiene müsse gewährleistet sein. Der Burkini-Stoff unterscheide sich jedoch nicht von üblichen Badekleidern.

Die anderen Badegästen hätte nicht negativ reagiert. «Die Badleitung sowie unsere Gäste sind diesen Frauen gegenüber tolerant», sagt Frei. Der Anblick sei jedoch die Ausnahme und er gehe nicht davon aus, dass der Burkini zur Norm werde.

Kaum Schülerinnen im Burkini

Bereits rechtlich geklärt ist die Situation während des Sportunterrichts in der Schule. Wenn die Mädchen darauf bestehen, dürfen sie im Burkini zum Schwimmunterricht. Diese Regelung gilt seit 2010 und hat gemäss des Amtes für Volksschulen noch nicht viele Nutzniesserinnen gefunden. Amtschef Walter Berger ist kein konkreter Fall bekannt. «Es kann sein, dass vereinzelt ein Mädchen einen Burkini trägt. Ich gehe aber davon aus, dass diese Fälle an einer Hand abgezählt werden können wenn überhaupt», sagt Berger.

Wenn möglich, komme man besorgten Eltern entgegen. «Oft wird angefragt, ob die Mädchen nach dem Unterricht getrennt von den Buben duschen können.» Dieser Bitte kämen die Schulen zumeist nach.

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