Erst Hilfe – dann Rettung

DIESSENHOFEN. Selbst mit Blaulicht braucht eine Ambulanz mindestens 15 Minuten in die Region Diessenhofen. Für etliche Notfälle dauert das zu lange. Deshalb leisten nun speziell ausgebildete Laien Erste Hilfe.

Gudrun Enders
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Ersthelfer am Defibrillator: Thomas Russenberger und Linda Ott trainieren die Wiederbelebung an einer Puppe bei einer Übung in Willisdorf. (Bild: pd)

Ersthelfer am Defibrillator: Thomas Russenberger und Linda Ott trainieren die Wiederbelebung an einer Puppe bei einer Übung in Willisdorf. (Bild: pd)

Ab Anfang September hat Maggie Weniger aus Schlatt immer ihr Natel dabei. Sie muss erreichbar sein, wenn zum Beispiel jemand bewusstlos umkippt und nicht mehr atmet. Dann eilt sie herbei und reanimiert den Patienten. Maggie Weniger gehört zu den 18 Ersthelfern der Region Diessenhofen, sogenannte First Responder.

Sie traf sich am Dienstagabend mit den anderen Ersthelfern am Gemeindehaus in Schlatt. Danach steuerten sie alle Feuerwehrdepots und Gemeindehäuser der Region an, in denen ein Rucksack mit Defibrillator, Sauerstoff und Beatmungshilfe steht. Es war eine Art Startschuss für das neue Ersthelfer-Team.

Die siebten im Thurgau

Die ländliche Region Diessenhofen ist nicht die erste im Thurgau, die solche Ersthelfer einführt. «Die erste war Bischofszell vor einigen Jahren, inzwischen gibt sechs solcher Teams», sagt Harry Huber, der den Thurgauer Sanitätsnotruf leitet. Diese Erste Hilfe müssten die Gemeinden selbst organisieren und finanzieren, sagte der Schlatter Gemeinderat Cyrill Veraguth am Dienstagabend. Er hat zusammen mit dem Diessenhofer Stadtrat Andi Wenger und dem Gemeinderat Marcel Koradi von Basadingen-Schlattingen die politische Führung dieser Ersthelfer-Gruppe inne. Organisatorisch, fachlich und administrativ dagegen führt die Feuerwehr der Region.

Einfach die 144 wählen

Von der Organisation bekommt der Normalbürger wenig mit. Er muss bei einem Notfall lediglich die 144 wählen. Per Telefon wird entschieden, ob die Ersthelfer aufgeboten werden müssen. «Das ist der Fall, wenn die Lebenszeichen fehlen», sagt Harry Huber als Leiter des Sanitätsnotrufs. Die Helfer seien vor allem für eine Reanimation ausgebildet. Diese Ausbildung in der Region Diessenhofen lag in den Händen von Samariter-Trainerin Irene Weber aus Basadingen. Rund 25 Stunden hat sie die Ersthelfer fit für diese Aufgabe gemacht. Zudem fuhren die Freiwilligen noch an zwei Tagen mit Rettungssanitätern mit. Auch die Ortskenntnis wurde zusätzlich geschult. «Bei Alarm rücken alle Ersthelfer aus», sagt Weber. Wer zuerst den nächstgelegenen Defibrillator erreicht, leitet die Erste Hilfe, bis der Rettungsdienst eintrifft, beauftragt weitere Helfer, etwa die Ambulanz einzuweisen, oder schickt überzählige Helfer nach Hause.