ERÖFFNUNG: Wenn die Seele ihr Gleichgewicht verliert

Heute nimmt das Kriseninterventionszentrum an der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen seine Arbeit auf. Das Zentrum mit sechs Betten bietet Menschen mit einer belastenden Lebenssituation rasche Hilfe.

Kurt Peter
Drucken
Teilen
Die Referentinnen Félicie Haueter und Patricia Zwick. (Bild: Kurt Peter)

Die Referentinnen Félicie Haueter und Patricia Zwick. (Bild: Kurt Peter)

Ralf Gebhardt, Klinikleiter der Erwachsenenpsychiatrie, begrüsste am Samstag zahlreiche Interessierte zum Tag der offenen Tür des neuen Kriseninterventionszentrums in Münsterlingen. «In den vergangenen Monaten wurde kräftig gearbeitet und das Haus B auf dem Gelände der Psychiatrischen Dienste Thurgau bereit gemacht.» Die Spital Thurgau AG investierte 300000 Franken, inklusive weiteren Renovationsbedarfs, in das neue Angebot. Auf das Team des Abklärungs- und Aufnahmezentrums «kommt eine neue Herausforderung zu», erklärte Gebhardt.

Félicie Haueter, die Leiterin des Kriseninterventionszentrums, erklärte den Anwesenden das Angebot. Die Abteilung verfüge über sechs Betten in drei Doppelzimmern und sei an 365 Tagen rund um die Uhr erreichbar. «Geeignet ist das Zentrum für psychische Krisen aller Art, nach belastenden Lebensereignissen oder bei akuten psychosomatischen Erkrankungen wie Panikattacken», sagte sie. Menschen, die sich für das Zentrum entschieden hätten, müssten die Fähigkeit haben, sich in einer offenen Umgebung zu bewegen. Es müsse aber auch die Motivation zur Mitarbeit vorhanden sein.

Das Behandlungskonzept beruhe auf einer entlastenden, ruhigen Atmosphäre. Ziel sei es, Distanz zum Problem und das innere Gleichgewicht zu gewinnen. «Eigene Ressourcen stärken und aktivieren ist wichtig, ebenso das lösungsorientierte Arbeiten», sagte Haueter. Beim Austritt – nach längstens sieben Tagen – müsse klar sein, wie und wo es weitergehe. Zum Konzept gehö­ren täglich zwei Gespräche mit Rück- und Ausblick. Ergänzende Angebote könne das Team des Krisenzentrums nach Bedarf zusammenstellen.

Schicksalsschläge und Krisen

Per Definition «ist eine Krise der Verlust des seelischen Gleichgewichts», erklärte Patricia Zwick, Bereichsleiterin Pflege der ambulanten Erwachsenenpsychiatrie. Dennoch sei die Krise ein subjektiver Begriff, von Mensch zu Mensch verschieden. Sie betonte: «Wer zu uns kommt, muss ernst genommen werden.» Es gebe viele krisenhafte Geschehnisse: angefangen bei Schwierigkeiten bis hin zum Trauma. «Es sind plötzliche, oft unvorhersehbare Schicksalsschläge oder Entwicklungs- und Veränderungskrisen.» Innere Unruhe, Verzweiflung oder Hoffnungslosigkeit ­seien mögliche Symptome. Eine Bewältigungsstrategie in einer Krise bedinge die Mobilisierung der eigenen Ressourcen. «Ist dies nicht möglich, braucht es eine therapeutische Bearbeitung.»

In der Krisenintervention würden alle Massnahmen getroffen, die «zur Erfassung, Begleitung und Bewältigung notwendig sind». Die Intervention setze innerhalb von 4 bis 24 Stunden ein. «Der Fokus liegt klar auf der aktuellen Situation», erklärte Patricia Zwick.

Kurt Peter

thurgau@thurgauerzeitung.ch