Ernüchterung nach den Wahlen

Die CVP Thurgau sagt Ja zur zweiten Gotthardröhre. Obwohl der Wähleranteil an den Nationalrats- und Ständeratswahlen nicht gesteigert werden konnte, bleibt sie knapp zweitstärkste Partei im Thurgau.

Christoph Heer
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Die CVP-Delegierten fassten am Dienstagabend ihre Parolen zu den Abstimmungen vom Februar. (Bild: Christoph Heer)

Die CVP-Delegierten fassten am Dienstagabend ihre Parolen zu den Abstimmungen vom Februar. (Bild: Christoph Heer)

BISCHOFSZELL. Zuerst das Positive; denn wenn Brigitte Häberli (Ständerätin) und Christian Lohr (Nationalrat) mit derart überragenden Resultaten in ihren Ämtern bestätigt werden, will das gewürdigt und beklatscht werden. «Das sind regelrechte Wahnsinnsresultate für unsere Aushängeschilder. Wir können richtig stolz auf sie sein», bekräftigte CVP-Parteipräsident Gallus Müller zu Beginn der Delegiertenversammlung in der Mehrzweckhalle Bitzi. 89 Stimmberechtigte nahmen daran teil und wurden Zeugen eines kritischen Wahlrückblicks und zugleich hoffnungsvollen Ausblicks, was die Stärke der Partei betrifft.

Wähleranteil nicht gesteigert

Vizepräsident Paul Rutishauser (Ettenhausen) teilte in seiner Analyse der National- und Ständeratswahlen vom vergangenen 18. Oktober die drei Parteiziele in drei Kategorien auf. «Ziel eins war klar: Einen Sitz im Ständerat und einen Sitz im Nationalrat zu behalten. Fazit: klar erreicht. Ziel zwei war indes, den Wähleranteil zu steigern. Das haben wir ganz klar nicht erreicht, was überaus enttäuschend ist. Dafür konnten wir das dritte Ziel, die zweitstärkste Partei im Kanton Thurgau zu bleiben, ganz knapp erreichen.» Rutishauser betonte, dass man eigentlich nichts falsch gemacht habe. «In Zukunft müssen wir aber noch mehr Wähler mobilisieren und einheitlicher auftreten. Ohne kapitale Fehler begangen zu haben, haben wir trotzdem Wähler verloren.»

Eher knappes Ja zur 2. Röhre

Gallus Müller hegt indes zwiespältige Gefühle nach diesem Wahlkampf. «Wenn man den Wähleranteil vom Jahr 2011 nicht halten kann, ist das enttäuschend. Wir werden das genau analysieren. Doch man soll auch am Positiven festhalten, denn mit der Jungen CVP sowie mit den Resultaten von Christian Lohr und Brigitte Häberli haben wir achtbare Erfolge vorzuweisen.»

Kaum sind die National- und Ständeräte für die kommenden vier Jahre gewählt, stehen Anfang 2016 schon die nächsten Wahlen an. Am 28. Februar werden die Regierungsräte gewählt. Für die CVP steht dabei natürlich das Portieren «ihrer» Carmen Haag im Vordergrund. Einstimmig und mit grossem Applaus sprach sich die Parteiversammlung für eine Wiederwahl Haags aus. Sie versprach vor versammelter CVP-Familie, weiterhin mit Respekt, Anstand und Empathie zu politisieren. «Ich werde alles dafür tun, unseren Kanton mitzugestalten und ins positive Licht zu rücken.» Zwei weitere Parolenfassungen wurden getroffen. Während die Eidgenössische Volksinitiative «Für Ehe und Familie – gegen die Heiratsstrafe», mit 84 Ja- zu 2 Nein-Stimmen klar angenommen wurde, wurde es für die Änderung des Bundesgesetzes, betreffend «Strassentransitverkehr im Alpengebiet – Sanierung Gotthard-Strassentunnel», merklich knapper. Nach den beiden Referaten von Pro-Redner Filippo Lombardi (Präsident CVP-EVP Bundeshausfraktion, TI) und seinem CVP-internen Kontrahenten Hansruedi Stadler (alt Ständerat, UR), sprachen sich die Thurgauer Delegierten mit 49 zu 32 Stimmen für das Strassenbauprojekt aus.