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Erneut Kritik an Fallpauschalen

FRAUENFELD. Ärzte und Patientenstelle Ostschweiz haben Vorbehalte zur neuen Spitalfinanzierung – und relativieren die positive Bilanz zu den Fallpauschalen. Ein grosses Problem bleibe die Behandlung der Patienten nach der Spital-Entlassung.
Marc Haltiner

Das Ziel ist klar: Patientinnen und Patienten dürfen von der neuen Spitalfinanzierung möglichst wenig merken, meinen die Erfinder des Systems. Dieses Ziel sei erreicht, bilanziert nun nicht nur der Dachverband der Schweizer Spitäler, sondern auch die Spital Thurgau AG. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in den Spitälern in Frauenfeld und Münsterlingen habe sich nur minim von 7 auf 6,9 Tage reduziert (TZ vom Donnerstag).

Nicht ganz so rosig fällt das Fazit der Patientenstelle Ostschweiz aus. Für Patientinnen und Patienten sei es schwierig zu beurteilen, ob die Entlassung aus dem Spital aufgrund des Kostendrucks oder aus medizinischen Gründen erfolge, sagt Erika Ziltener, die Geschäftsleiterin der Patientenstelle Zürich, die interimistisch auch die Ostschweizer Stelle leitet. Der Druck, Patienten aus Kostengründen früher zu entlassen, verstärke das Problem der Nachbehandlung. Ziltener bemängelt zudem, dass die Spitäler nicht alle Fälle systematisch erfassen, in denen Patienten nach dem Spital-Austritt erneut mit gesundheitlichen Problemen betreut werden müssten. «Spitäler sollten dringend ein flächendeckendes Fehlerverarbeitungssystem einführen», schlägt Ziltener vor.

Zusammenarbeit gefordert

Gleiches meint auch der Freidorfer Arzt und bisherige SP-Kantonsrat Bernhard Wälti. Er will zwar nicht von blutigen Entlassungen sprechen. «Mich stört das Wort.» Er selber habe als Hausarzt im Thurgau aber mehrere Beispiele erlebt, in denen Hausärzte nach der Spitalbehandlung nicht geheilte Patientinnen und Patienten nachbehandeln mussten. Wälti fordert denn auch, dass die Spital Thurgau AG wie die Privatkliniken stärker mit den Hausärzten zusammenarbeiten, um den Genesungsprozess nach einer Spitalbehandlung so gut wie möglich ausgestalten zu können. Das Risiko eines Rückfalls bestehe – erst recht mit den Fallpauschalen und der Tendenz zu kürzeren Spitalbehandlungen.

Die Patientenstelle Ostschweiz empfiehlt denn auch Betroffenen, sich zu melden, um eine optimale Behandlung zu erreichen. Die Hausärzte würden den Spitälern ebenfalls Rückmeldungen geben, sagt Wälti.

Problem mit der Reha

Aus Sicht der Patientenstelle besteht ein weiteres Problem. Rückmeldungen von Patientinnen und Patienten hätten gezeigt, dass diese nach dem Spitalaufenthalt zu früh in die Rehabilitation oder in die falsche Institution verlegt worden seien. Spitäler und Reha-Kliniken monieren überdies, dass die Krankenkassen Kostengutsprachen zu spät erteilen, so dass Patienten die Rehabilitation erst mit Verzögerung durchlaufen könnten.

Direkter Draht im Thurgau

Was die Kostengutsprachen anbelangt, teilt Marc Kohler die Kritik. Oft wüssten Patienten erst nach fünf Tagen, ob die Kasse eine Reha-Behandlung bezahle, stellt der CEO der Spital Thurgau AG fest. «Eine Frist von drei Tagen wäre viel besser, um die geeignete Nachbehandlung einzuleiten.» Nicht einverstanden ist Kohler mit der Kritik am Übergang von Spital zu Reha. Im Thurgau sei dies einfacher, da die Klinik St. Katharinental zur Spital Thurgau AG gehöre. Diese arbeite ausserdem gut mit den privaten Reha-Kliniken zusammen, so neu mit dem Terzianum in Berlingen.

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