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ERNÄHRUNG: Burgerbratende Roboter

Am 6. Ostschweizer Food Forum steht die Digitalisierung auf der Mitte des Tisches. Philosoph und Physiker Stefan Pabst beleuchtet technologiegetriebene Entwicklungen kritisch.
Stefan Pabst von der Denkfabrik W.I.R.E. zeigt aktuelle und künftige Entwicklung rund um das Thema Ernährung auf. (Bild: Reto Martin)

Stefan Pabst von der Denkfabrik W.I.R.E. zeigt aktuelle und künftige Entwicklung rund um das Thema Ernährung auf. (Bild: Reto Martin)

«Herzlich willkommen in der Zukunft.» Mit diesen Worten leitete Stefan Pabst seinen Vortrag am 6. Ostschweizer Food Forum in Weinfelden ein. Der Physiker und Philosophe beschäftigt sich bei der Denkfabrik W.I.R.E. mit Fragen des technologischen Fortschritts. Er nahm die Zuhörerinnen und Zuhörer mit auf eine Weltreise zu Plätzen, wo Technologie bis auf den Teller kommt. Dabei zeigte er Beispiele, die ihm gut und weniger gut schmecken. In die erste Kategorie fällt eine App aus Deutschland. Diese verwandelt jedes Smartphone in eine Spektralanalysegerät. «Mit dieser App lässt sich prüfen, ob ein Apfel wirklich nicht mit Pestiziden behandelt wurde.» Damit könne im Supermarkt geprüft werden, ob das Produkt halte, was es verspricht. Bio etwa. Einer anderen App, welche die Kalorien auf dem Teller zählt, steht er kritischer gegenüber. Diese scheinbar höhere Transparenz führe nicht automatisch zu besseren Entscheidungen. «Gefragt ist nach wie vor gesunder Menschenverstand», sagte Pabst. Zudem könne die grosse Datenflut auch überfordern.

Fisch und Fleisch aus dem Bioreaktor

Skeptisch steht er auch dem Versprechen amerikanischer Entwickler gegenüber, dass schon bald Roboter am heimischen Herd stehen werden. «Das einzige, das Roboter heute zuverlässig können, ist Burger braten.» Von der Zubereitung ganzer Mahlzeiten sei man noch weit entfernt. «Ich hoffe, dass dieser Automatisierungshype wieder auf den Boden der Realität zurückfindet», sagte der Wissenschafter. Weiter beleuchtete er den Trend zu künstlich erzeugten Lebensmitteln. So gebe es bereits Unternehmen, die Fisch und Fleisch in Bioreaktoren herstellen. Oder synthetische Milch. «Dabei wird Milch hergestellt, ohne Kühe melken zu müssen», sagte Pabst. Bei all diesen Neuerungen gelte es nicht zu vergessen: Am Ende entscheiden die Bedürfnisse, was am Markt erfolgreich sei. «Nur weil etwas technisch funktioniert, ist es noch lange kein Bedürfnis», sagte Stefan Pabst.

Kochboxen und Brot vom Vortag

Im weiteren Verlauf des Forums stellte Sophie Witte das Konzept von «HelloFresh» vor. Die Firma, seit 2016 auch in der Schweiz aktiv, versendet Kochboxen. «Wir liefern das Rezept und exakt die abgewogene Menge an Zutaten, die für ein Gericht benötigt werden.» Damit soll der Verschwendung von Lebensmitteln entgegengewirkt werden. Die Lieferzeit vom Produzenten bis zum Konsumenten beträgt drei Tage. Die Nachfrage sei vorhanden: «HelloFresh» zählt weltweit 1,3 Millionen Kunden.

Frisch will auch das Schweizer Unternehmen «Äss-Bar» sein. Aber es will die Frische hinauszögern. So verkauft die Firma in rund zehn Läden Backwaren und Patisserie vom Vortrag, die sie bei Bäckereien abholen. Alles zum halben Preis. Chef Sandro Furnari sagte: «Damit wollen wir Foodwaste vermindern.» Dieses Konzept funktioniere aber nur in grösseren Städten. «St. Gallen ist von der Grösse her die Untergrenze.» Was in den «Äss-Bar»-Filialen nicht verkauft wird, können die Mitarbeiter nach Hause nehmen. Überrascht hat Furnari, dass Gipfeli nie übrig bleiben. «Wenn wir Gipfeli vom Vortrag im Angebot haben, gibt es nie Reste.»

Sebastian Keller

sebastian.keller@thurgauerzeitung.ch

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