Erinnerungen an 20 gute Kinojahre

Im Jahr 1994 startete der regelmässige Kinobetrieb im Cinema Luna. Persönlichkeiten, die dem Luna nahestehen, halten Rückschau auf ihre Lieblingsfilme im Frauenfelder Studiokino. Dieses Wochenende wird das Jubiläum gefeiert.

Mathias Frei
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FRAUENFELD. Eigentlich war der bekannte Schweizer Filmemacher Fredi M. Murer («Vitus» «Höhenfeuer» und «Vollmond») als Festredner zur Cinema-Luna-Eröffnung geladen. Doch Murer war am 8. Juni 1994, ein Mittwochabend, verhindert.

«Da ich einspringen durfte, erinnere ich mich recht lebhaft an die Festivitäten», erzählt der Frauenfelder Filmemacher und Fotograf Friedrich Kappeler. Für die geladenen Gäste flimmerte «Trois Couleurs: Bleu» des polnischen Regisseurs Krzysztof Kieslowski über die Leinwand. Kappeler (Lieblingsfilm: «Ariel» von Aki Kaurismäki) passte auch darum perfekt zur Luna-Eröffnung, weil er Kieslowski zwei Jahre zuvor in einem Drehbuch-Werkjahr persönlich kennengelernt hatte.

«Bleu» passt zum Kino

«Trois Couleurs: Bleu» sei ein Highlight des damaligen Kinojahrs gewesen, erklärt Christof Stillhard in der Rückschau. «Und der Film passt zur Farbe unseres Logos – Blau.» Die 20 Jahre, die seither vergangen sind, stellen auch für ihn persönlich ein Jubiläum dar. Denn Stillhard programmiert das Studiokino seit Anbeginn – und füllte es in der Vergangenheit auch immer wieder mit Filmen von Kappeler, von «Mani Matter – warum syt dir so truurig?» über «Varlin» bis zu «Dimitri – Clown». Kappeler sagt denn auch: «Es wäre traurig für mich, an einem Ort zu wohnen, wo meine Filme nicht gespielt werden könnten.» Und sowieso: «Ein gutes Kino macht einen Ort einfach attraktiver.»

Familie Parolari im Kinderkino

Zwei, die das Luna auch seit den Anfängen begleitet haben, sind der Frauenfelder Stadtammann Carlo Parolari und der Gachnanger Gemeindeammann Matthias Müller. Parolaris Lieblingsfilm im Luna, einer «wahren Perle für Frauenfeld», ist «Il Postino» von 1994. «Wie ich später gelesen habe, verschob der Hauptdarsteller eine dringend erforderliche Herzoperation, um den Abschluss der Dreharbeiten nicht zu verzögern. Einen Tag nach Drehende verstarb er an einem Herzinfarkt. Das macht diesen herrlichen Film noch melancholischer als er schon ist», erzählt Parolari. Eine Zeit lang waren bei Parolaris auch die Kinderfilme angesagt gewesen.

Und Müller sagt: «Schon zu meiner Kantizeit war ich den Frauenfelder Filmfreunden verbunden und immer an guten Filmen interessiert.» Er kennt keinen Lieblingsfilm, aber Streifen, die er immer wieder gerne sieht: «La Strada» von Fellini, «Zorbas The Greek» von Michael Cacoyannis oder die Filme von Ingmar Bergman. «Wenn es das Cinema Luna noch nicht gäbe, müsste man es erfinden, weil es Filme bringt, die man sonst nicht sieht», findet der Gachnanger Gemeindeammann – und erst noch in der Originalversion.

Knill mag «We want Sex»

Regierungsrätin Monika Knill erinnert sich gerne an den Film «We want Sex» des britischen Regisseurs Nigel Cole aus dem Jahr 2010. Näherinnen in den Fordwerken von Dagenham bei London wehren sich im Film erfolgreich für ihre Rechte, setzen die Firmenbosse unter Druck. «Ein eindrücklicher Film, welcher auf wahren Gegebenheiten beruht», findet die Thurgauer Kulturministerin. Die speziellen Filme und die besondere Atmosphäre seien die Visitenkarte dieses Kinos.

«Das Cinema Luna ist aus Frauenfeld nicht mehr wegzudenken», sagt Gabriele Keck, Direktorin des Historischen Museums Thurgau im Schloss. Nicht nur das Programm sei hochstehend und zugleich anspruchsvoll, auch die Ausstattung und das Ambiente sagen ihr sehr zu. Und Kecks liebster Luna-Film: «Amour» von Michael Haneke.

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