Erfolglose Klage gegen Vater

Ein HSG-Student hält es für unzumutbar, vom Bodensee nach St.Gallen zu pendeln.

Urs-Peter Inderbitzin
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Das Bundesgericht entschied im Rahmen eines Unterhaltsstreits: Kein Anspruch auf Übernahme der Wohnkosten. (Bild: CHRISTIAN BRUN (KEYSTONE))

Das Bundesgericht entschied im Rahmen eines Unterhaltsstreits: Kein Anspruch auf Übernahme der Wohnkosten. (Bild: CHRISTIAN BRUN (KEYSTONE))

Hat ein Student die Möglichkeit, bei den Eltern zu wohnen, und will er trotzdem in einer eigenen Bleibe leben, dann hat er keinen Anspruch auf Übernahme seiner Wohnkosten. Dies hat das Bundesgericht im Rahmen eines Unterhaltsstreits entschieden.

Ein heute 22jähriger Mann hat seine Ausbildung noch nicht abgeschlossen und hat deshalb Anspruch darauf, dass er bis zum ordentlichen Abschluss seiner Ausbildung von seinen Eltern finanziell unterstützt wird. Vor zwei Jahren klagte der Student, der an der Universität St.Gallen studiert, auf Unterhaltsbeiträge von seinem Vater in der Höhe von 1600 beziehungsweise 1830 Franken monatlich. Zudem forderte er weitere 320 Franken, falls er aus der Wohnung auszieht, die er mit seiner (geschiedenen) Mutter teilt. Das Bezirksgericht Arbon verpflichtete den Vater, dem Sohn monatlich 530 Franken bis zum Abschluss des Masterstudiums zu bezahlen. Wie bereits das Bezirksgericht Arbon, lehnte es auch das Obergericht ab, dem Vater Kosten aufzubürden, damit der Sohn in einer eigenen Wohnung leben kann.

Geplanter Auszug aus mütterlicher Wohnung

Zur Begründung führte das Gericht an, der Sohn könne sowohl bei seinem Vater - er lebt am Bodensee - oder bei seiner Mutter nahe St.Gallen wohnen. Beide Wohnorte lägen so nahe bei St.Gallen, dass der Sohn zur Universität pendeln könne. Selbst wenn die Mutter von ihrem Sohn Wohnkosten verlange, könne er diese aber nicht vom Vater ersetzt verlangen, der ihn gratis bei sich wohnen lassen würde. Der Student wehrte sich gegen diesen Entscheid beim Bundesgericht.

In seiner Beschwerde argumentierte er unter anderem, man könne nicht von beiden Wohnorten seiner Eltern gleich gut an die Universität pendeln. Vom Bodensee sei man täglich mindestens 78 Minuten länger unterwegs. Das Bundesgericht hat dieses Argument zerpflückt, wobei es auf den Online-Fahrplan der SBB verweist: «Abgesehen davon, dass seine Behauptung nicht nachvollziehbar ist, kann es nicht um völlige Gleichwertigkeit der Pendelstrecken gehen, sondern einzig darum, dass das Pendeln zur Universität sowohl von einem wie vom andern Ort aus zumutbar ist.» Wohnkosten sind deshalb angesichts dieser Situation nicht geschuldet. Der Student muss die Gerichtskosten von 2000 Franken bezahlen.