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Erfolg mit Salzsäure im Bohrloch

FRAUENFELD. Die Forderung nach einem Verbot des umstrittenen Frackings zur Erdgasförderung bedroht auch die tiefen Geothermie-Bohrungen. Die Geothermie-Befürworter verlangen nun, dass der Kanton «saubere» Bohrmethoden definiert.
Christof Widmer
Vorstoss in die Tiefe: Arbeiter setzen die Bohrstangen zusammen, Schlattingen 2011. (Archivbild: Donato Caspari)

Vorstoss in die Tiefe: Arbeiter setzen die Bohrstangen zusammen, Schlattingen 2011. (Archivbild: Donato Caspari)

Die Diskussion um die umstrittene Fracking-Methode (Kasten) zur Schiefergasförderung droht die Geothermie in Mitleidenschaft zu ziehen. Denn auch für die Nutzung von Erdwärme aus grossen Tiefen könnte der Einsatz von Säuren oder anderen Stoffen nötig sein, um das Gestein poröser zu machen. Die Forderung nach einem Fracking-Verbot hat darum die Thurgauer Geothermie-Szene aufgeschreckt.

«Wir müssen aufpassen», sagt Kantonsrat Josef Gemperle (CVP), der Präsident des Vereins Geothermie Thurgau. Er fürchtet, dass ein Fracking-Verbot die Geothermie behindern könnte, ohne dass das beabsichtigt wäre. Das Thema ist im Thurgau hoch aktuell. Das Elektrizitätswerk des Kantons Thurgau will morgen Dienstag über ein Geothermie-Grossprojekt im Oberthurgau informieren. Ziel: Stromproduktion mit Energie aus dem tiefen Untergrund.

Flucht nach vorn

Gemperle und Mitstreiter haben die Flucht nach vorne angetreten und verlangen in einem breitabgestützten politischen Vorstoss ein Gesetz für die Nutzung des tiefen Untergrunds. Der Kanton soll regeln, wie Tiefenbohrungen sauber und sicher durchgeführt werden können.

Dass eine saubere und sichere Geothermie-Bohrung möglich ist, davon ist der Frauenfelder Experte Roland Wyss überzeugt. «Fracking im engeren Sinne kommt für die Geothermie nicht in Frage», sagt der Geschäftsstellenleiter der Schweizerischen Vereinigung für Geothermie.

Was aber in Frage kommt, ist etwa der Einsatz von Salzsäure, um das Gestein am Ende des Bohrlochs wasserdurchlässiger zu machen – um so überhaupt genug heisses Wasser hochpumpen zu können. Dies wurde 2011 erfolgreich in Schlattingen ausprobiert: Ins Bohrloch wurde 15- bis 20prozentige Salzsäure gepumpt, die mit dem Kalkgestein reagierte. Sie öffnete Poren und Klüfte.

Säure und Druck kombiniert

Diese Methode könne unter Umständen noch mit jener kombiniert werden, die in Basel ausprobiert worden war, sagt Wyss. Dort wurde reines Wasser unter Druck in den Untergrund gepumpt, um den Untergrund aufzubrechen. Weil der Druck zu hoch war, kam es zu Erdstössen, wegen derer das Projekt abgebrochen werden musste.

Der Einsatz von Salzsäure bei solchen Tiefenbohrungen sei für Mensch und Umwelt unbedenklich, sagt Wyss. Die Säure reagiere mit dem Kalk und baue sich dadurch zu Salz ab. Das Wasser in den fraglichen Tiefen (Schlattingen: 1,5 Kilometer, Oberthurgau über 4 Kilometer) sei ohnehin viel zu salzig, als dass es zum Trinken geeignet wäre, sagt Wyss.

Bei der geothermischen Nutzung käme das Tiefenwasser zudem gar nicht ins Freie. Gearbeitet werde mit einer sogenannten Doublette, sagt Wyss. Durchs eine Bohrloch wird das heisse Wasser hochgepumpt, durch ein anderes wieder zurück in die Tiefe. Das Geothermiestromkraftwerk oder der Erdwärme-Heizzentrale entzieht lediglich Wärmeenergie.

Welche Stoffe sind zulässig?

Der Einsatz von Salzsäure ist auch für Geologin und SP-Kantonsrätin Barbara Müller unbedenklich. Salzsäure sei in hoher Konzentration zwar ätzend. Beim Einsatz im tiefen Untergrund käme es jedoch nicht mehr an die Oberfläche. Da für die Geothermie nicht nur Salzsäure in Frage kommt, fordert Müller, dass der Kanton genau definiert, welche Stoffe zulässig sind.

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