Erben werden zur Kasse gebeten

LAUSANNE. Überbaut eine Erbengemeinschaft eine Liegenschaft mit drei Wohnblöcken und verkauft sie gleichzeitig an anderer Stelle zehn Parzellen, liegt nicht bloss eine Verwaltung des privaten Vermögens, sondern eine auf Erwerb gerichtete Erwerbstätigkeit vor. Dies hat das Bundesgericht entschieden.

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LAUSANNE. Überbaut eine Erbengemeinschaft eine Liegenschaft mit drei Wohnblöcken und verkauft sie gleichzeitig an anderer Stelle zehn Parzellen, liegt nicht bloss eine Verwaltung des privaten Vermögens, sondern eine auf Erwerb gerichtete Erwerbstätigkeit vor. Dies hat das Bundesgericht entschieden.

Eine Erbengemeinschaft mit namhaftem Grundbesitz in einer Thurgauer Bodenseegemeinde veräusserte in den Jahren 2008 bis 2010 zehn Parzellen im Wert von 4,6 Millionen Franken und baute gleichzeitig drei Wohnblöcke mit 33 Eigentumswohnungen, die sie zum Preis von 18 Millionen Franken verkaufte. Bei der Veranlagung eines Ehepaares – der Ehemann ist Mitglied der Erbengemeinschaft – setzte die zuständige Steuerbehörde das steuerbare Einkommen des Ehepaares aus selbständiger Erwerbstätigkeit – sprich Liegenschaftenhandel – für die Bundessteuer auf 470 000 Franken fest.

Steuerfreier Kapitalgewinn

Das Ehepaar akzeptierte die Annahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit im Hinblick auf die Überbauung und den damit zusammenhängenden Verkauf. Nicht einverstanden war es, dass auch der Verkauf der zehn Bauparzellen als (professioneller) Liegenschaftenhandel mit den entsprechenden Steuerfolgen eingestuft wurde; es handle sich vielmehr um einen privaten, steuerfreien Kapitalgewinn. Die Steuerrekurskommission des Kantons Thurgau folgte dieser Ansicht des Ehepaars und stufte den Verkauf der zehn Parzellen nicht als selbständige Erwerbstätigkeit ein. Die Kommission begründete das unter anderem damit, dass die Gemeinde die Überbauung der Parzellen gewünscht und den Überbauungs- und Gestaltungsplan organisiert wie auch die Erschliessung vorgenommen hatte.

Eine dagegen eingereichte Beschwerde der Eidgenössischen Steuerverwaltung hat das Bundesgericht nun gutgeheissen. Nach Meinung der Lausanner Richter müssen die beiden Projekte gesamthaft gesehen werden. Zwar wird eingeräumt, dass die Tätigkeit der Erbengemeinschaft beim Verkauf der Parzellen weniger weit ging als bei der Überbauung. Dennoch könne er nicht als blosse Verwaltung des Privatvermögens betrachtet werden. Immerhin: Aufgrund einer fehlerhaften Berechnung der Steuerbehörden reduzierte das Bundesgericht das steuerbare Einkommen des Ehepaares für die Bundessteuer auf 340 000 Franken. (tzi)