Er will kein halber Pfarrer sein

BRAUNAU. Nach zwei Jahren im Amt hat Braunaus evangelischer Pfarrer Beat Müller gekündigt. Die Stelle nur in Teilzeit auszuüben, falle ihm schwer. Interimistisch übernehmen zwei Geistliche. Die weitere Zukunft ist noch offen.

Simon Dudle
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Bis Ende Oktober ist die Kirche in Braunau noch Beat Müllers Arbeitsort. (Bild: Nana do Carmo)

Bis Ende Oktober ist die Kirche in Braunau noch Beat Müllers Arbeitsort. (Bild: Nana do Carmo)

BRAUNAU. «Diese Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen, weil wir in den vergangenen beiden Jahren bereits viele Menschen ins Herz geschlossen haben», sagt Beat Müller. Trotzdem haben er und seine Frau Theresia sich entschlossen, das Pfarramt Braunau im Herbst wieder zu verlassen, rund zweieinhalb Jahre nach der Einsetzung ins Amt. Zwei Gründe haben den Ausschlag gegeben. Einerseits hegten sie «schon länger den Wunsch nach einer gewissen Veränderung». Andererseits stellte Beat Müller fest, dass er «kein halber Pfarrer sein kann». Hintergrund der Aussage: Da sich die Gemeinde Braunau im Thurgauer Finanzausgleich befindet, wird nur eine 50-Prozent-Pfarrstelle bewilligt.

«Mich nur zur Hälfte zu engagieren, fällt mir ausgesprochen schwer. Es gibt einfach zu viele schöne Aufgaben für einen Pfarrer. So ist es ehrlicher, die pfarramtliche Aufgabe einer anderen Person zu überlassen», so Beat Müller. Gerne hätte er Sachen verändert, Neues eingebracht. Jedoch reiche dafür die Zeit in einem 50-Prozent-Pensum nicht. «Ich bin nicht der Verwalter, sondern der Gestalter. Bei meinem Amtsantritt wusste ich noch nicht genau, wie ich in Braunau funktionieren werde», sagt der Pfarrer.

Naegelis temporäre Rückkehr

Wie es bei Beat Müller weitergeht, ist offen. Er sagt: «Ich könnte mir auch vorstellen, etwas ganz anderes zu machen.» Zurück werden bei ihm die Erinnerungen an «viele tolle Leute in Braunau» bleiben. So muss sich die Kirchenvorsteherschaft in der kleinsten Hinterthurgauer Gemeinde wieder auf die Suche nach einem neuen Pfarrer begeben. Um nach der Kündigung, die per Ende Oktober erfolgt ist, die Gottesdienste weiterhin abhalten zu können und sich Zeit für die definitive Pfarrwahl zu geben, ist eine Interimslösung mit einem 40-Prozent-Pensum gefunden worden. Ab November teilen sich Christoph Naegeli und Jakob Bösch die 40-Prozent-Stelle, ab Januar wird Bösch die ganzen 40 Prozent übernehmen. Naegeli hat bereits Pfarrvertretungen in Braunau gemacht – und auch eine längere in der Nachbargemeinde Affeltrangen/Märwil. Bis Ende September ist er noch als Vertreter in Neukirch engagiert. Bösch hatte seine erste Pfarrstelle in Eschlikon, später war er bis zur Pensionierung in drei Kirchgemeinden im Kanton St. Gallen tätig. Seit vier Jahren lebt Bösch wieder in Eschlikon und wurde Ende Mai in die Kirchenvorsteherschaft der Evangelischen Kirchgemeinde Münchwilen-Eschlikon gewählt.

Zwei Wege zum neuen Pfarrer

Da Bösch und Naegeli das Pensionsalter erreicht haben, kommt nicht in Frage, dass einer von ihnen während einer längeren Zeit definitiv Pfarrer von Braunau wird. Das Prozedere der Pfarrwahl soll bis im August bestimmt sein. Hans Bodenmann, Präsident der Evangelischen Kirchgemeinde Braunau, sieht zwei mögliche Wege: «Entweder wird eine Pfarrwahlkommission gewählt, oder die Kirchenvorsteherschaft nimmt sich der Thematik an. Die Kirchbürger werden bei der Besetzung der Pfarrstelle mitbestimmen können.»