Er tritt zum letzten Mal an

Stadtammann Walter Sommer stellt sich nach 28 Amtsjahren erneut zur Wahl. Der 63jährige Freisinnige will Diessenhofen noch bis zu seiner Pensionierung voranbringen.

Gudrun Enders
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Wach und voller Elan antwortet Stadtammann Walter Sommer auf die Fragen zu seiner Kandidatur. (Bild: Reto Martin)

Wach und voller Elan antwortet Stadtammann Walter Sommer auf die Fragen zu seiner Kandidatur. (Bild: Reto Martin)

Herr Sommer, was bedeuten die aktuellen Währungskapriolen für das Grenzstädtchen Diessenhofen?

Walter Sommer: Das kam sehr überraschend. Wir sind betroffen wie die ganze Schweiz, den härtesten Schlag hat der Tourismus erhalten. Unsere vom Export abhängige Firma Schöttli ist global aufgestellt. Ich gehe davon aus, dass sie die Kursschwankungen abfangen kann.

Wie wichtig ist der Tourismus für Diessenhofen?

Sommer: Die 20 000 Übernachtungen pro Jahr im «Unterhof» fallen bei 220 anderen Betrieben nicht zu sehr ins Gewicht – zumal ja der «Unterhof» verkauft wird.

Apropos «Unterhof»: Wie weit sind die Verkaufsverhandlungen?

Sommer: Die AXA Winterthur geht davon aus, dass sie zwei Drittel der Wegstrecke hinter sich hat. Sie ist weiterhin in Gesprächen mit Interessenten hinsichtlich Hotel, Ausbildungszentrum oder Firmensitz. Ich erwarte eine Lösung im Verlaufe dieses Jahres. Wir haben befriedigt zur Kenntnis genommen, dass das Restaurant Fischerstube mitsamt Gartenwirtschaft nahtlos von einem renommierten Betrieb weitergeführt wird.

Wird Diessenhofen durch den aktuellen Wechselkurs mit mehr Grenzverkehr konfrontiert?

Sommer: Wir haben ein Verkehrsproblem in der Altstadt. Im Stadtrat sind wir uns einig, dass wir es nur grundlegend mit einer neuen Brücke oder einem noch teureren Tunnel lösen könnten.

Kommt die zweite Brücke, wenn der Grenzverkehr zunimmt?

Sommer: Vor zehn Jahren fuhren täglich 3000 Fahrzeuge durch die Altstadt, heute sind es 4000. Es gibt einen Rückstau, wenn sich Einkaufstouristen und Grenzgänger an der einspurigen Brücke kreuzen. Es kann sein, dass beim jetzigen Frankenkurs noch mehr Fahrzeuge Richtung Gailingen oder Singen rollen. Das war so nicht absehbar.

Baut Walter Sommer dann doch noch eine zweite Brücke?

Sommer: Im vergangenen Jahr haben wir eine Verkehrskommission eingesetzt. Die Ergebnisse liegen vor, befinden sich aber noch in der Vernehmlassung.

Sie dürfen noch nichts verraten?

Sommer: Genau. Aber wir können in Diessenhofen das Rad nicht neu erfinden. Der grosse Sprung ist nicht zu erwarten.

Was ist denn bislang geschehen?

Sommer: Wir arbeiten seit 30 Jahren an unseren Verkehrsproblemen. Wir haben viel erreicht. Vor acht Jahren haben wir Tempo 30 in der Altstadt eingeführt und ein Fahrverbot für Lastwagen. Die Brücken-Tonnage wurde auf 3,5 Tonnen begrenzt. Das war wichtig: Ich kann mich erinnern, wie Lastwagen mit Polizeieinsatz von der Brücke weg gelotst werden mussten.

Sie sind inzwischen der dienstälteste Stadtammann im Thurgau.

Sommer: Das ist ja an sich keine Auszeichnung. Aber mit Freude und Energie setze ich mich seit 28 Jahren ein zum Wohl der Bürger und für die erfolgreiche Entwicklung der Stadt. Ich schätze es sehr, dass das Vertrauen des Volkes in mich sieben Amtsperioden angehalten hat. Das ist nicht selbstverständlich. Abgesehen davon ist die Zeit wie im Flug vergangen.

Sie treten nochmals an.

Sommer: Ja, ich trete kraftvoll und mit Energie wieder an. Für mich ist der Horizont etwa Mitte Amtsdauer, wenn ich das Pensionsalter erreiche.

Zwei Stadträte werden als Nachfolger gehandelt. Werden Sie bei der Nachfolgeregelung mitmischen?

Sommer: Ich werde niemandem auf die Sprünge helfen. Aber ich werde die Verantwortung mittragen, dass es einen geeigneten Nachfolger gibt.

Was heisst das?

Sommer: Es liegt in meinem Interesse für Diessenhofen, dass es einen fähigen Nachfolger gibt. Die Frage steht aber erst in zwei Jahren an. Bis dahin fliesst noch viel Wasser den Rhein runter.

Braucht es einen 100-Prozent-Stadtammann in Diessenhofen?

Sommer: Es braucht einen 100prozentigen Ansprechpartner und dazu Volksvertreter, die steuern. Wir haben keine Ressorts im Stadtrat – das ist der Idealfall, denn alles andere zieht bei unserer Grösse mehr Kosten und Reibungsverluste nach sich. Unsere Exekutivarbeit kostet pro Einwohner 40 Franken. Das ist sehr günstig, wie ein Vergleich in der Thurgauer Zeitung vor kurzem zeigte. Diessenhofen kommt auch ohne Einwohnerrat aus. Wir haben viel durchdacht in den letzten 30 Jahren, was unsere Organisation angeht.

Was planen Sie für die nächste Amtsperiode?

Sommer: Für mich ist es zentral, die Wohnqualität in der Altstadt zu erhöhen. Das hat mit einer Verkehrsberuhigung zu tun und konkret mit einem neuen Baureglement, das wir ausarbeiten.

Wird nun verdichtet?

Sommer: Ja, wobei der Ausbaustandard in der Altstadt steigen soll. Ein Beispiel: Der Bäderschopf der Gemeinde ist abgebrannt. Wir können unser Material auch woanders lagern, deshalb haben wir die Parzelle verkauft, so dass dort eine neue Wohnbaute entsteht.

Was bleibt nach 28 Amtsjahren?

Sommer: Ich bin stolz auf Diessenhofen und die Anzahl derer, die sich hier wohl fühlen. Das ist eine grosse Befriedigung. Es bleiben sicher die grossen Projekte: Aus dem Geisterhaus wurde ein genutztes Rathaus. Wir haben die Rheinbrücke saniert, der Unterbau der alten Brücke ist praktisch neu. Wir haben die Werke total saniert, die Lettenhalle mitgebaut und sind praktisch schuldenfrei. Ausserdem hat sich seitdem der Steuerfuss halbiert.