Er lebt für das Fleisch

Vor 30 Jahren wurde der Coop in Aadorf eröffnet. Seither steht Karl Peter hinter der Fleischtheke. Die meisten seiner Kunden nennt er bei ihrem Namen – und gibt ihnen zum Fleisch auch das passende Rezept.

Kurt Lichtensteiger
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Chefmetzger Karl Peter bedient eine Kundin – wie er es seit bald 50 Jahren macht. (Bild: pd)

Chefmetzger Karl Peter bedient eine Kundin – wie er es seit bald 50 Jahren macht. (Bild: pd)

AADORF. Man muss das Fleisch und die Kundschaft lieben, wenn man fast 50 Jahre lang seinen erlernten Beruf als Metzger ausübt. Auf den 64jährigen Karl Peter trifft das offensichtlich zu. Denn er erledigt seine Arbeit mit grossem Enthusiasmus, sie ist ihm längst ans Herz gewachsen. Auch wenn er durchaus von Negativem zu berichten weiss: «Der Druck und die Hektik sind im Vergleich zu früher spürbar grösser geworden», sagt der Fleischfachmann. «Gleichzeitig hat das Ansehen des Metzgerberufs gelitten.»

Mit der Eröffnung des Aadorfer Coops im Jahre 1985 hat Peter die Stelle als Chefmetzger angetreten. Sein unverkennbarer Luzerner Dialekt weist darauf hin, dass ihn keine Verwandtschaft mit der Balterswiler Metzgerdynastie Peter verbindet, auch wenn mit einem Abkömmling, nämlich Ernst Peter, per Zufall einst gleich zwei Peter hinter der Cooptheke standen, was zu etwelchen Konfusionen geführt haben soll.

«Gulasch erst heiss anbraten»

Sowohl bei den Charcuterie-Verkäuferinnen als auch bei der Coop-Kundschaft kommt Karl Peter gut an. Als extrovertiert, kompetent und linientreu wird er von seinem Umfeld beschrieben – und als grosser Chrampfer, der auch Sinn für Humor hat. Natürlich könne er auch hin und wieder etwas zu direkt und impulsiv, ja gar rabautzig sein. Doch in Phasen der Hektik sehe man ihm das verständnisvoll nach. «Im Grunde genommen bin ich harmoniebedürftig und überhaupt nicht nachtragend, sollte es hin und wieder ein Friktion gegeben haben», sagt Peter. Dass Wechsel in seinem Team von sieben Mitarbeiterinnen höchst selten sind, zeugt von seinen Qualitäten als Chef.

Klaglos tönt es auch von Konsumentenseite: Acht von zehn Kundinnen oder Kunden kennt er sogar mit Namen. Auf Wunsch nimmt er sich Zeit, diesen einen guten Tip oder gar einen Rezeptvorschlag mit auf den Weg zu geben. Eben hat er einer Kundin das feine Siedfleisch empfohlen und einer jungen Frau die Zubereitung von Gulasch erklärt: «Heiss anbraten und dann anderthalb Stunden in der Pfanne köcheln lassen, dann ist es besonders schmackhaft», lässt er die Käuferin wissen.

Selbst die RS als Metzger

Karl Peter ist im luzernischen Malters aufgewachsen, wo er im Hotel «Kreuz» mit angegliederter Metzgerei die Metzgerlehre angetreten hat und im örtlichen Turnverein vor allem als Ringer und Schwinger einen Ausgleich fand.

Nach der RS als Metzgersoldat in Thun arbeitete er bei der Metzgerei von Peter Jutzeler in Näfels, einem bekannten Nationalturner und Olympiateilnehmer, mit dem er die sportliche Vorliebe teilte. Nach einer Station in Embrach als Coop-Chefmetzger verlegte er seinen Arbeitsplatz in derselben Funktion nach Aadorf. Nun sind es beinahe 50 Jahre, während deren er seinen angestammten Beruf ausgeübt hat. Heute, in der schnelllebigen Zeit mit den häufigen Berufswechseln, eine Seltenheit.

Ende Oktober geht Karl Peter in den Ruhestand. Dann kann er, der sich zwischenzeitlich in Sirnach niedergelassen hat, seinem Hobby ausgiebig frönen. Als naturverbundener Wanderer wird er dann mehr Zeit für seine geliebten Ausflüge in die nahe Umgebung haben.

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