Er ist Stadtpräsident von Sihlcity

In seiner «Stadt in der Stadt» verkehren täglich so viele Menschen, wie Frauenfeld Einwohner hat. Als Leiter des Zürcher Einkaufszentrums Sihlcity fühlt sich der Frauenfelder Jörg Engeler denn bisweilen auch als Stadtpräsident.

Mathias Frei
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Sihlcity-Leiter Jörg Engeler in der Baustelle des neuen Kinderparadieses auf dem Einkaufs- und Erlebnisareal. (Bild: pd)

Sihlcity-Leiter Jörg Engeler in der Baustelle des neuen Kinderparadieses auf dem Einkaufs- und Erlebnisareal. (Bild: pd)

FRAUENFELD. Als 1993 am Bahnhof das Einkaufszentrum Passage seine Tore öffnete, war Jörg Engeler elf Jahre alt. Als Jugendlicher in der Passage hängen: Das war schon damals nicht sein Ding. Heute hat sich wenig geändert. «Ich bin nicht der typische Shoppingcenter-Typ.» Es ist mitnichten ein Widerspruch, wenn das Engeler sagt, seit drei Jahren Leiter des Einkaufszentrums Sihlcity. «Aber meine Frau freut sich natürlich, dass ich mich beruflich für Einkaufszentren interessiere.» So sei mit ihm in den Ferien gut shoppen.

Den Grosseinkauf erledigt Engeler jeweils am Samstag in den Frauenfelder Grossverteilern. «Doch, doch, Frauenfeld hat sich gut entwickelt», meint Engeler. Unabhängig vom Einkaufsverhalten sieht er für die Stadt vor allem rund um den Bahnhof und im Murgbogen Potenzial. Über die aktuelle Einkaufssituation in Frauenfeld will der 33-Jährige nichts Negatives sagen. Er spricht von unterschiedlichen Qualitäten – auf der einen Seite Passage, Thurgipark oder das Allmendcenter, auf der anderen Seite Sihlcity. «Bei uns in Sihlcity will man Zeit verbringen.»

Wo man sogar wohnen kann

Von einer «Stadt in der Stadt» spricht der 33jährige Frauenfelder über seinen Arbeitsort – wo man «viel mehr als einkaufen kann, nämlich erleben, ja sogar wohnen». Sihlcity ist das grösste zusammenhängende Privatareal der Schweiz. Rund 15 Fussballfelder misst die reine Mietfläche – oder 100 000 Quadratmeter (siehe Kasten). Jeden Tag gehen 22 000 Kunden in Sihlcity ein und aus. Zusammen mit den 2300 Angestellten entspricht dies der Einwohnerzahl Frauenfelds.

Stadtpräsident von Sihlcity in Personalunion mit dem Tourismusdirektor und dem Stadtentwickler: Das komme seiner Funktion sehr nahe, sagt Engeler. Stadtpräsident Engeler muss Mieten einnehmen, Frauenfelds zukünftiger Stadtpräsident Anders Stokholm muss es grösstenteils über die Steuern machen. Beide müssen ihre Stadt gut verkaufen. «Wir differenzieren uns von anderen grossen Zentren wie dem Glatt-Zentrum oder dem <Tivoli> in Spreitenbach», erklärt Engeler. Dass Sihlcity anders bleibt, daran muss Engeler täglich arbeiten.

Er ist auch Restauranttester

«Retail ist Detail» ist sein Motto, Qualität ihm das höchste Gut. Deshalb klagt er auch nicht über den starken Franken. Wenn Freunde in Sihlcity mal nicht so gut gegessen haben und ihm davon berichten, testet Engeler das Lokal am Mittag. Stehenbleiben ist gleichbedeutend mit Rückschritt. Deshalb hat Sihlcity vor kurzem ein Kinderparadies eröffnet, deshalb findet derzeit ein Ausbau bei den Kinoangeboten statt – von zehn auf 18 Säle.

In die Shoppingcenter-Branche kam Engeler per Zufall. Am Anfang stand eine kaufmännische Lehre auf der Frauenfelder Stadtverwaltung. Später studierte er an der ZHAW Betriebsökonomie. Nach dem Studium begann er bei einer Firma, die mittelgrosse Shoppingcenter in der Deutschschweiz betrieb. Dem Event-Erlebnis widmete sich Engeler auch in seiner Freizeit. So war das Vorstandsmitglied des Leichtathletikclubs Frauenfeld am Eidgenössischen Turnfest verantwortlich für den Turm auf der Grossen Allmend.

Lifte verwirrten am Anfang

Vor drei Jahren übernahm Engeler die Centerleitung von Sihlcity. Das Zentrum wird vom Immobiliendienstleister Wincasa betrieben. Dass sich Engeler anfangs auch mal verlaufen hat, versteht sich von selbst. In seiner Stadt hat es immerhin 82 Lifte. Heute kenne er das Areal besser als seine Hosentasche.