Er hat die letzten Löcher geflickt

Zeichentrickfilme im Behandlungsraum: Das lenke die Kinder ab, sagt Robert Meijer. Nach 20 Jahren als Frauenfelder Schulzahnarzt wird er Ende Juli pensioniert. Damit geht auch die 104jährige Geschichte der Schulzahnklinik zu Ende.

Mathias Frei
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Der Frauenfelder Schulzahnarzt Robert Meijer bei der Arbeit. (Bild: Reto Martin)

Der Frauenfelder Schulzahnarzt Robert Meijer bei der Arbeit. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Schülergeschichten über sprechende Zahnbürsten hängen im Eingangsbereich der Schulzahnklinik. Wenn Zahnbürsten sprechen könnten, würden sie wohl sagen: «Herr Meijer ist ein lieber Zahnarzt. Vor dem braucht man keine Angst zu haben.» Herr Meijer schaut jedenfalls ganz nett aus. Und er arbeitet an einem Ort, wo kleine, farbige Fussabdrücke auf dem Boden den Weg in die Behandlungsräume weisen. Und am Schluss darf man noch ein Spielzeug mit nach Hause nehmen – wenn man brav gewesen ist.

Dass Herr Meijer Mitte Juli 65 Jahre alt wird, würde man ihm nicht geben. Nichtsdestotrotz geht er in anderthalb Monaten in Pension. Und damit geht auch die 104jährige Geschichte der Schulzahnklinik zu Ende. Den letzten Schuluntersuch hat er kürzlich gemacht, bis Ende Monat schliesst er die letzten Behandlungen ab.

Von Aadorf nach Frauenfeld

Vor 20 Jahren war es, als Robert Meijer auf die Stelle als Frauenfelder Schulzahnarzt aufmerksam wurde. Er war damals in einer Praxis in Aadorf angestellt. Der gebürtige Niederländer packte die Chance: 65 Stellenprozente als Leiter der Schulzahnklinik, die restlichen 35 Stellenprozente praktizierte er selbständig. In den Niederlanden führte er eine eigene Praxis. 1983 kam er in die Schweiz, seine Frau ist Schweizerin.

«Ich habe schon immer gern mit den Händen gearbeitet», sagt Meijer. Deshalb fiel seine Wahl auf das Studium der Zahnmedizin. Seine Tochter ist in seine Fussstapfen getreten, hat vor kurzem eine Zahnarztpraxis in Islikon eröffnet. «Sie fand wohl, das sei kein so schlechter Beruf, wenn es dem Vater immer noch Spass macht.»

Trickfilme zur Ablenkung

Wenn Meijer einen Blick in die Statistiken wirft, kommt er auf rund 4500 Frauenfelder Primarschüler, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten auf seinem Behandlungsstuhl sassen. Meijer hatte seine Tricks, damit sie auch brav sitzenblieben, zum Beispiel einen Bildschirm im Behandlungsraum, auf dem Trickfilme zu sehen waren. «Viele Kinder lassen sich so gut ablenken.» Und dann müsse man den kleinen Patienten auch genau sagen, was man mit ihnen mache, man müsse sie ernst nehmen. Im Umgang mit den Kindern habe sich einiges geändert, sagt Meijer, wenn er an seine eigenen ersten Erfahrungen mit dem Schulzahnarzt zurückdenkt. «In den 1960er-Jahren war man noch nicht sehr kinderfreundlich.»

Und die Arbeit in den vergangenen Jahren sei sicher noch anspruchsvoller geworden. Denn nebst den Kindern hätten die Eltern ein wachsendes Informationsbedürfnis. Letzten Endes gehe es auch darum, den Kindern positive erste Erfahrungen mit dem Zahnarzt zu vermitteln, damit einen im Erwachsenenalter nicht Ängste bei jedem Zahnarztbesuch begleiteten. «Nicht zuletzt ist es für mich befriedigend, wenn ich merke, dass ich dem kleinen Patienten möglichst wenige Unannehmlichkeiten bereitet habe», sagt Meijer.

Frauenfelder putzen Zähne gut

Den Frauenfelder Schülern respektive ihren Eltern windet Meijer ein Kränzchen, was die Kariesprophylaxe betrifft. In Frauenfeld putzt man sich die Zähne wirkungsvoll. In grösseren Städten gebe es aber durchaus Tendenzen zu mehr Karies bei Schülern, etwa bedingt durch den vermehrten Konsum von zuckerhaltigen Getränken.

Meijer wird übrigens noch weiter mit Zähnen und Karies zu tun haben, aber wohl nicht mehr so intensiv mit Kindern. Denn Meijer beginnt in der Praxis seiner Tochter, in einem kleinen Pensum und nur, «bis ihre Praxis läuft», also vielleicht noch ein Jahr oder etwas länger. Er wird ihr Angestellter sein. Und dann kann er sich vermehrt dem Golfspiel widmen. «Das ist ein zeitaufwendiges Hobby», sagt er.