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Er hat das Kantonsspital wesentlich geprägt

Nachruf
Roger Gonzenbach an einem Gespräch über Entwicklungshilfe. (Bild: Nana do Carmo (23. 2. 2012))

Roger Gonzenbach an einem Gespräch über Entwicklungshilfe. (Bild: Nana do Carmo (23. 2. 2012))

Kraft macht keinen Lärm; sie ist da und wirkt.

(Albert Schweitzer)

Am 8. Januar 2018 ist Roger Gonzenbach 94-jährig verstorben. Als einziges Kind wuchs Roger in der Brotegg in Frauenfeld auf. Die gesamte Schulzeit verbrachte er in Frauenfeld, abgeschlossen mit der Matura im Jahre 1943. Schon damals stand der Entschluss zum Medizinstudium fest, welches er an den Universitäten von Genf und Zürich absolvierte. Während dem Studium kreuzten sich erstmals die Wege mit der Mitstudentin Ella Oettli, seiner über alles geliebten, späteren Frau und verehrten Lebensgefährtin. Die Ehe mit Ella bezeichnet er selbst als glücklichsten Entscheid seines Lebens. Zwei Söhne, Gerald und Rainer, vervollständigten das spätere Familienglück.

Nach verschiedenen Ausbildungsstationen erfolgte 1954 die endgültige Ausbildung zum Chirurgen. Als Oberarzt der Chirurgie arbeitete er bis 1962 am Kantonsspital Winterthur. 1962 ging der grosse berufliche Traum in Erfüllung: Die Wahl zum chirurgischen Chefarzt und der damit verbundenen Aufgabe als ärztlicher Direktor am Kantonsspital Frauenfeld. Seine damalige Wahl durch den Regierungsrat löste einige Turbulenzen aus. Gemäss glaubwürdigen Quellen stand sogar für kurze Zeit das Kollegialprinzip des Regierungsrates auf wackligen Beinen. Seine Leaderqualitäten liessen ihn dann schnell zur eigentlichen Vaterfigur des Spitals werden, eine Stellung, die er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1988 nicht mehr abgab. Er hat «sein» Spital wesentlich geprägt und die Entwicklung vom kleinen Stadtspital zum grossen Kantonsspital entscheidend mitgestaltet.

Nach seiner Pensionierung ruhte Roger Gonzenbach nicht auf den Lorbeeren aus. Zusammen mit seiner Frau Ella übernahm er eine Arztvertretung an einem Spital in Tansania. Er hatte Afrika bereits früher, anlässlich eines Einsatzes in seiner Assistentenzeit, in sein Herz geschlossen. Er wagte den Schritt vom hochmodernen Spital in den Busch, wo es galt, mit einfachen Mitteln und unter schwierigsten hygienischen Verhältnissen tätig zu sein. Schwierige Aufgaben haben Roger Gonzenbach jedoch immer gereizt. So wagte er sich auch an die Aufgabe, die «Spitalchronik Frauenfeld – 1897 bis 1997» zu schreiben.

Es erstaunt nicht, dass Roger Gonzenbach in seinem selbst verfassten Lebenslauf die Verleihung des Anerkennungspreises der Stadt Frauenfeld nicht erwähnt. Er suchte nie den Ruhm, über ehrliche Anerkennung freute er sich dafür sehr. Die Stadt Frauenfeld verlieh ihm diesen Preis nicht nur für das Verfassen der Chronik, sondern in erster Linie auch für sein Wirken als Arzt und ärztlicher Direktor während 26 Jahren am Kantonsspital Frauenfeld.

Der Tod seiner geliebten Gattin Ella war ein schwerer Schlag und ein tiefer Einschnitt in seinem Leben. Aber auch diesen neuen Lebensabschnitt meisterte Roger Gonzenbach. Er resignierte nicht, sondern gestaltete seinen Alltag mit der ihm eigenen Würde und Eigenverantwortung. Die mit Ella gemeinsam erlebten Erfahrungen in Tansania fasste er in seinem, wie sein Sohn Gerald meint, vielleicht persönlichstem Buch «Karibu – Willkommen» zusammen. Weitere Publikationen sollten folgen.

Während den letzten Jahren seines Lebens war Roger Gonzenbach als Folge einer Operation an den Rollstuhl gebunden. Auch diese neue Herausforderung nahm er an. Anlässlich der Grundsteinlegung des neuen Spitals, zu der wir beide eingeladen waren, beabsichtigte ich, Roger im Rollstuhl abzuholen, um diesem Akt gemeinsam beizuwohnen. Er wollte jedoch mit der Begründung, er sei zu schwach, nicht daran teilnehmen. Auf meine Frage, was er zum Bau des neuen Spitals und vor allem zum Abbruch «seines» Spitals meine, antwortete er mit den Worten: Die Verantwortlichen werden wohl wissen, was sie tun.

Trotz spürbarer Wehmut zeigte sich die Offenheit, Neuem gegenüber. Seine strahlenden, leuchtenden und lachenden blauen Augen waren bereits einem wohl noch wachen, jedoch sichtbar matteren Blick gewichen.

Kurt Schmid, ehemaliger Verwaltungsdirektor des Kantonsspitals in Frauenfeld

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