Er fasst am liebsten alles an

Lastwagenmechaniker und Landwirt Michael Messerli ist ein Praktiker. Er spricht über die Herausforderungen in seinem Beruf und den Wunsch, sich einen Traum zu erfüllen.

Amy Douglas
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Traktoren und Technik faszinierten den Lastwagenmechaniker und Landwirt Michael Messerli von klein auf. Bild: Reto Martin (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Traktoren und Technik faszinierten den Lastwagenmechaniker und Landwirt Michael Messerli von klein auf. Bild: Reto Martin (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Michael Messerli überquert den sonnenbeschienenen Hof in Oberandwil und setzt sich an den runden Gartentisch im Schatten des Bauernhauses. Die Besitzerin des Betriebes, Vreni Lutz, begrüsst den jungen Landwirt erfreut und stellt Gläser und eine grosse Flasche Most auf den Tisch. Auf diesem Hof hat Michael Messerli sein letztes Lehrjahr als Landwirt absolviert.

Gut eine Woche ist seit seinem Sieg vergangen. Messerli ist Schweizer Meister in der Landwirtschaft (siehe Kasten). Am schönsten findet er, dass sich die Familie und Freunde mit ihm über seinen Erfolg freuen und sich die intensive Vorbereitung gelohnt hat. An vier Tagen bereiteten sich die beiden Kandidaten aus dem Thurgau mit denen aus St. Gallen und Graubünden auf die verschiedenen Disziplinen vor: Klauen pflegen, melken, Anhänger beladen und sichern, Pflanzenkunde, schweissen, Sämaschinen einstellen – mit diesen Prüfungsaufgaben mussten die jungen Landwirte rechnen. Ein Team der Landwirtschaftsschule Arenenberg half den Kandidaten bei der Vorbereitung und begleitete sie beim Wettkampf.

Ehrgeizig und nicht mit dem zweiten Platz zufrieden

Der Thurgauer Marcel Ackermann stieg neben Messerli auf den zweiten Platz des Podests. «In einem anderen Jahr kann das wieder ganz anders ausgehen», meint Michael Messerli über den Thurgauer Doppelsieg, «Wir sind beide sehr ehrgeizige Typen und geben uns nicht mit dem zweiten Platz zufrieden.»

Der 28-Jährige legt gerne Hand an: «Das Praktische läuft mir einfach besser. Da weiss ich, was zu tun ist.» So bereitete ihm die theoretische Pflanzenkunde am meisten Mühe. «Wir mussten am Bildschirm Schädlinge erkennen. Mir fällt das schwer, wenn ich nichts anfassen kann.»

Obwohl Michael Messerli auf dem Hof seiner Grosseltern aufgewachsen ist, war Landwirt nicht sein Bubentraum. «Mich interessierten lang nur die Maschinen, Technik und das Traktorfahren», sagt er. So lernte er zuerst Lastwagenmechaniker.

Der Reiz, Landwirt zu werden, kam dann später. «Bauer sein ist ein Lebensstil. Der Alltag bringt sehr viel Abwechslung», sagt der Thurgauer. Dies schätzt er an dem Beruf. «Jedes Jahr ist anders, und jede Jahreszeit bringt ihre eigenen Herausforderungen. Man arbeitet eng mit der Natur und den Tieren zusammen.» Das Spannende sei, mit den gegebenen Umständen zu arbeiten und das Beste daraus zu machen. Michael Messerli schwärmt von der Ausbildung. Sie sei breit gefächert und liefere wertvolles Wissen über sehr unterschiedliche Bereiche. «Von der Tierzucht über Futterbau bis zu Ackerkulturen – man lernt wirklich viel.» Ob man dann als Bauer arbeite oder nicht, sei ein anderes Thema.

Der Traum vom eigenen Hof

Messerli sieht die Zukunft des Berufs auf jeden Fall positiv. «Wie sich das Bauern in den nächsten 20, 30 Jahren entwickelt, kann ich nicht sagen. Aber es wird immer jemanden brauchen, der das Land pflegt und bewirtschaftet.»

Ein Radfahrer fährt am Gartenzaun vorbei und winkt dem jungen Landwirt zu. Hier in der Gegend kennt man Michael Messerli natürlich. Doch der Thurgauer ist froh, dass sein Name nun in die Medien gekommen ist. Denn eine Sache macht ihm zu schaffen: «In der Familie habe ich keine Chance, einen Hof zu übernehmen. So bin ich entweder auf eine Pacht angewiesen oder auf das Glück, einen Hof übernehmen zu können, der keinen Nachfolger hat», sagt Messerli.

Doch dies sei nicht einfach, denn sein Schicksal sei kein Einzelfall: «Auf eine Stelle gibt es viele Bewerber.» Um sein Ziel zu erreichen, helfe es, ein wenig publik zu werden. «Durch den Agri-Skills-Titel bin ich jetzt aber wegen der Medienauftritte bekannt geworden.» Und das freue ihn. Um bekannter zu werden, gibt es auch andere Wege, etwa ein Auftritt in der Sendung «Bauer, ledig, sucht»? Da lacht der 28-Jährige. «Ja. Aber nicht für mich, ich bin verheiratet.»

Messerlis Ratschlag für angehende Landwirte

Seinen Landwirt-Kollegen möchte Messerli mit auf den Weg geben, dass das kritische Hinterfragen in diesem Beruf sehr wichtig ist. «Man soll sich stets bewusst sein, wie man seine Arbeit macht.» Dafür helfe es, auch mal «fremdes Brot essen zu gehen», wie er es nennt. «Ein Auslandaufenthalt ist wichtig, um eine gewisse Weitsicht zu erlangen», sagt Michael Messerli: «In der Schweiz besteht die Gefahr, dass man nur in den eigenen Garten schaut.» Er selbst hat nach der Erstausbildung auf einer Getreidefarm in Kanada gearbeitet und ist froh, dass er diese Erfahrung gemacht hat. Zufrieden nimmt Messerli einen Schluck Most und lehnt sich zurück.