Epizentrum der Berufsbildung

WEINFELDEN. Gestern vormittag öffnete die zum zweitenmal stattfindende Thurgauer Berufsmesse ihre Tore auf dem BBZ-Areal in Weinfelden. Die erwarteten 3500 Oberstufenschüler können in mehr als 220 verschiedenen Berufsbildern schnuppern.

Mathias Frei
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Berufsbilder hautnah: Zum Beispiel Strassenbauer zeigen ihre Arbeit an der Berufsmesse. (Bild: Stefan Beusch)

Berufsbilder hautnah: Zum Beispiel Strassenbauer zeigen ihre Arbeit an der Berufsmesse. (Bild: Stefan Beusch)

«Wir elektrisieren dich», «Deine Karriere» oder «Bei uns findest du deinen Traumberuf» liest man in oftmals grossen Lettern an den Ständen der Thurgauer Berufsmesse, die heuer zum zweitenmal über die Bühne geht.

Die Slogans versprechen viel, die Auftritte der Branchenverbände und Firmen lösen das aber auch ein. Hier wird Berufsbildung den 3500 Thurgauer Oberstüflern, welche sich in ihren Klassenverbänden angemeldet haben, erlebbar gemacht. Und das kommt offensichtlich gut an. Allerorten gibt es Give-Aways und Wettbewerbe, hier kann man sich die Haare schneiden lassen oder eine Gummikuh melken, dort lädt ein Telefonmast zum Kletterakt ein oder Automotoren sind zum Anfassen da.

80 Aussteller, über 220 Berufe

An der Berufsmesse, die der kantonale Gewerbeverband veranstaltet, präsentieren rund 80 Aussteller mehr als 220 verschiedene Berufsbilder. So viele, dass man nicht mal all diese Berufe im Thurgau lernen kann. Die Auswahl ist riesig.

Peter Schütz, Präsident des Thurgauer Gewerbeverbands, sagt an der Messeeröffnung voraus, dass sich aufgrund der demographischen Entwicklungen der Kampf um leistungsfähige Jugendliche für die Berufslehren verschärfen. In den letzten vier Jahren habe die Zahl der Schulabgänger um vier Prozent abgenommen. Und diese Tendenz setze sich fort.

Erfolgsfaktor Bildung

Arbeitslosigkeit stehe auf dem Schweizer Sorgenbarometer zuoberst, und in Griechenland oder Spanien sei jeder zweite Erwachsene unter 25 Jahren arbeitslos, stellt Schütz fest. Was dem als Erfolgsfaktor in der Schweiz entgegenwirke, sei der Ausbildungsstand. «Wir verfügen über die besten Bildungsinstitutionen», so Schütz. Einen gewissen Wettbewerb findet er in der Bildung nicht a priori negativ. Gleichwohl gehe es aber keiner Weise darum, die Berufslehre gegen die akademische Bildung auszuspielen.

Eine Messe mit Weitsicht

Auch Ueli Berger, Leiter des kantonalen Amts für Berufsbildung und Berufsberatung, kommt auf die Zahl der Auszubildenden zu sprechen. Im Thurgau machen aktuell 7200 Jugendliche eine Berufslehre, 1995 waren es 4500. In der Vergangenheit sei es ein Schwerpunkt gewesen, genügend Ausbildungsplätze anbieten zu können, sagt Berger. Diesen Sommer hätten 2700 junge Thurgauer eine Lehre angefangen, erstmals weniger als im Vorjahr. Es sei deshalb weitsichtig, mit der Berufsmesse an die zukünftigen Nachwuchsprobleme zu denken.

Mit einem Auftritt auch vor Ort sind die Thurgauer Mittelschulen, die Pädagogische Hochschule und das Amt für Mittel- und Hochschulen. In einem hochkarätigen Duell der Rektoren setzen sich beim witzigen Interaktiv-Wissensquiz «4Brains» Alois Krähenmann (Kanti Romanshorn) und Lorenz Zubler (PMS) gegen Priska Sieber (PH) und Arno Germann (Kanti Kreuzlingen) durch.

Viel auszuprobieren gibt es für die jungen Besucher der Berufsmesse. Wie wäre es etwa mit einer neuen Frisur von einer jungen Coiffeuse? (Bilder: Stefan Beusch)

Viel auszuprobieren gibt es für die jungen Besucher der Berufsmesse. Wie wäre es etwa mit einer neuen Frisur von einer jungen Coiffeuse? (Bilder: Stefan Beusch)

Auch vor Ort: Die Thurgauer Mittelschul-Rektoren Alois Krähenmann, Lorenz Zubler, Arno Germann und Hanspeter Hitz mit PH-Rektorin Priska Sieber und Urs Schwager, Leiter Amt für Mittel-und Hochschulen. (Bild: Stefan Beusch)

Auch vor Ort: Die Thurgauer Mittelschul-Rektoren Alois Krähenmann, Lorenz Zubler, Arno Germann und Hanspeter Hitz mit PH-Rektorin Priska Sieber und Urs Schwager, Leiter Amt für Mittel-und Hochschulen. (Bild: Stefan Beusch)